100 Jahre Stadtrechte für Kurbad Ciechocinek

Der Ort lockt mit den größten Gradierwerken der Welt

Kurpark in Ciechocinek, Foto: Danuta B./Fotopolska.eu, CC-BY-SA-3.0

Kurpark in Ciechocinek, Foto: Danuta B./Fotopolska.eu, CC-BY-SA-3.0  

Mit einem großen Festprogramm von April bis Ende 2016 feiert der Kurort Ciechocinek in der polnischen Woiwodschaft Kujawsko-Pomorskie (Kujawien-Pommern) gleich mehrere Jubiläen. Vor 100 Jahren erhielt die kleine Siedlung an der Weichsel die Stadtrechte. Bereits vor 180 Jahren wurde die erste Kursaison eröffnet. Das Sommertheater blickt zudem auf eine 125-jährige Geschichte zurück.

Mit einem großen Festakt eröffnet Ciechocinek am 27. April das Jubiläumsjahr. Nach einer feierlichen Stadtratssitzung im Sommertheater stehen ein Festkonzert und die Vernissage einer Ausstellung zum 180. Jubiläum des Kurbetriebes auf dem Programm. Gleich am 1. Mai folgt eine große Parade durch den Ort, an der Einwohner, Kurgäste und Touristen teilnehmen können. Die große Feier anlässlich des Jahrestages der Verleihung der Stadtrechte findet am 11. November, statt. Den Abschluss des Festjahres bildet im Dezember ebenfalls eine Stadtratssitzung im Sommertheater mit großem Konzert.

Dazwischen liegt eine Vielzahl interessanter Kulturveranstaltungen. Zu den Highlights zählen das Salz- und Brotfest vom 4. bis 5. Juni, das dritte russisch-polnische Liederfestival, die Auftritte von Anna German am 11. Juni und 26. August sowie das 20. Internationale Festival der Romamusik und Romakultur am 15. und 16. Juli. Ernste und leichte Muse vereint das 19. Festival der Opern- und Operettenmelodien, das vom 5. bis 11. August im Kurpark stattfinden wird. Einen Besuch wert ist auch das „Exzentrische Konzert“ des Wojtek Mazolewski Quintets am 2. Juni. Der Bassist und sein Ensemble sind inzwischen auch international beachtete polnische Nachwuchs-Jazzmusiker.

Gradierwerk Ciechocinek, Foto:Maciejw, CC BY-SA 3.0 pl

Gradierwerk Ciechocinek, Foto:Maciejw, CC BY-SA 3.0 pl    

In dem etwa 20 Kilometer von Torun (Thorn) entfernt an der Weichsel gelegenen Ciechocinek wurde bereits seit dem Mittelalter Sole gefördert. Im 19. Jahrhundert entstanden zur Salzgewinnung drei Gradierwerke, die bis heute als größte Anlage weltweit gelten und die Haupt-Attraktion des Ortes sind. Die 16 Meter hohen, mit Schwarzdornsträuchern gefüllten Holzwände haben einen Gesamtlänge von 1.741 Metern. Während die Sole durch die Reisigwände rinnt, verdunstet Wasser und der Salzgehalt steigt. Zugleich werden Jod und andere Mikroelemente in die Luft abgegeben, so dass sich in der Umgebung ein vor allem für Atemwegserkrankungen heilsames Reizklima entwickelt.

Die im Kurpark gelegenen Gradierwerke sind bis heute ein wichtiger Bestandteil des Kurbetriebs. Der begann vor 180 Jahren ganz bescheiden. Damals wurden in einem Gasthaus vier Wannen für Solebäder aufgestellt. In der ersten Saison zählte man 120 Gäste. 1875 wurde der Kurpark angelegt, zwei Jahre später das erste Badehaus eröffnet. Vor 125 Jahren wurde das im traditionellen Stil erbaute hölzerne Kurtheater eröffnet, das 1901 um eine gemauerte Bühne und Zuschauerränge erweitert wurde.

Heute ist Ciechocinek der größte Kurort im polnischen Tiefland und zählt neben rund 80.000 Kurgästen jährlich auch einige Hunderttausend Touristen, die das historische Flair der Kleinstadt schätzen. Neben den Kurkliniken und Sanatorien der staatlichen Kurgesellschaft Uzdrowisko Ciechocinek gibt es zahlreiche privat geführte Wellness- und Medical Wellness-Hotels. Kuraufenthalte werden auch von mehreren deutschen Veranstaltern angeboten.

Quelle: Polnisches Fremdenverkehrsamt

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".