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Vor 40 Jahren: Willy Brandts Kniefall in Warschau

Am 7. Dezember 1970 sank der damalige Bundeskanzler der BRD  Willy Brandt (SPD) vor dem Warschauer Ghetto-Ehrenmahl angesichts deutscher Schuld in die Knie.

Er habe das Empfinden gehabt, ein Neigen des Kopfes würde hier nicht genügen, sagte Brandt später über seine nicht geplante, spontane Geste zu seinem Parteifreund und Mitglied der Delegation Egon Bahr. Er habe das getan, was Menschen tun, wenn die Sprache versagt, sagte Brandt später.

Der Kniefall wurde zu einem Zeichen des Aussöhnungswillens der Bundesrepublik. Im geschichtlichen  Rückblick ist deutlich, dass Brandts Kniefall eine wichtige Rolle in den Entspannungsbemühungen zwischen den Blöcken spielte, denn hier hatte ein persönlich nicht belasteter Deutscher, der selbst vor der Nazigewalt emigrieren musste Verantwortung für Deutschland übernommen. Der am gleichen Tag unterzeichnete Warschauer Vertrag  markierte den Beginn der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern ein, die damals noch auf entgegengesetzten Seiten des Eisernen Vorhangs standen. Der Vertrag erkannte die Unverletzlichkeit der bestehenden polnischen Grenzen an.

Der Besuch des deutschen Kanzlers in Warschau vom Dezember 1970 wurde zum Meilenstein auf dem noch langen Weg zur europäischen Aussöhnung und europäischen Integration, er brachte eine erste Annäherung zwischen Ost und West.

Auf einer Konferenz im Warschauer Schloss wird von Persönlichkeiten aus Politik und Wissenschaft des geschichtsträchtigen Ereignises vor 40 Jahren gedacht und eine historisch-politische Bewertung in der Rückschau vorgenommen.

Auch Bundespräsident Christian Wulff kam zum 40. Jahrestag des Kniefalls nach Warschau. Vor dem Denkmal des Warschauer Ghettos legte er zusammen mit seinem polnischen Amtskollegen Komorowski einen Kranz nieder.

Im Warschauer Königsschloss schloss Komorowski später den Bogen, der beginnend mit dem Brief der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder von 1965 mit den Worten «Wir vergeben und bitten um Vergebung» über die Ostpolitik Brandts bis zum heutigen «Wunder der Versöhnung» mit den Deutschen reiche. Diese Aussöhnung könne beispielhaft auch für andere Länder sein. Für seine Generation, die im Geiste der deutschen Bedrohung erzogen worden sei, zeigte der Kniefall Brandts, dass es auch andere Deutsche gab, nicht nur Revanchisten und Revisionisten.

Wulff würdigte den Kniefall von Brandt mit den Worten: «Eine Geste, die uns in ihrer Demut auch heute noch fesselt. Eine Geste, die um Versöhnung bat.» Der persönlich unbelastete Willy Brandt habe damit für alle Deutschen «Verantwortung in einem umfassenden Sinne für die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft» übernommen, erklärte Wulff.

Hier finden Sie Dokumente zur Ostpolitik und zum Kniefall von Willy Brandt.

Update 8.12.2010

© 2010, Das Polen Magazin. Alle Texte unterliegen dem Urheberrecht



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