Aktivurlaub: Radeln auf dem Green Velo

Auf dem Radweg Green Velo, Foto: © Poln. Fremdenverkehrsamt

Auf dem Radweg Green Velo, Foto: © Poln. Fremdenverkehrsamt

Von den Bergen der Vorkarpatenregion bis zum Frischen Haff in der Woiwodschaft Ermland-Masuren führt ein fast 2.000 Kilometer langer Radweg durch den weitgehend unbekannten und unberührten Osten Polens. Umgerechnet rund 65 Millionen Euro wurden für die neue Route investiert, die fünf Woiwodschaften verbindet und durch fünf Nationalparks führt. Die Investitionen sind weitgehend abgeschlossen, zahlreiche Hotels, Pensionen, Ferienbauernhöfe und Gaststätten entlang der Strecke werben bereits um Radfahrer, erste Programme für Gruppenreisen werden entwickelt. Mit dem Prestigeprojekt will Polen auf dem Wachstumsmarkt des Radtourismus künftig eine stärkere Rolle spielen.

Aktivtourismus im Einklang mit der Natur, so lautet der Grundgedanke des Projektes, dessen Umsetzungsphase erst vor rund zwei Jahren begonnen hat. Es setzt vor allem auf die vielfältigen Naturlandschaften des dünn besiedelten polnischen Ostens. Sie sind das größte Kapital der fünf beteiligten Woiwodschaften. Die Strecke beginnt bei Sielpia in der Woiwodschaft ?wi?tokrzyskie (Heiligkreuz) und führt über Podkarpackie (Karpatenvorland), Lubelskie (Lubliner Land) sowie Podlaskie (Podlachien) bis zum Frischen Haff bei Elbl?g (Elbing) in der Woiwodschaft Warmi?sko-Mazurskie (Ermland-Masuren). Nach Angaben der Projektverantwortlichen ist die Infrastruktur bereits zu rund 95 Prozent fertiggestellt. Lediglich die Strecken in Ermland-Masuren bedürften noch einer Überprüfung und einiger Nacharbeiten. Diese sollen bis Mitte des Jahres 2016 abgeschlossen sein. In den vier übrigen Woiwodschaften sei der Radweg bereits jetzt auf ganzer Länge nutzbar.

Auf insgesamt 1.980 Kilometern passiert die Trasse fünf National- und 15 Landschaftsparks sowie 62 weitere Tier- und Naturschutzgebiete, aber auch wichtige geologische Formationen. Allein vier Nationalparks liegen entlang der 590 Kilometer langen Strecke durch die Woiwodschaft Podlaskie. Dazu gehören der Bia?owieski-Urwald, Heimat der größten freilebenden Herde von Wisenten und der Biebrza-Nationalpark, eines der größten Vogelschutzgebiete Polens. Waldgebiete machen insgesamt rund ein Drittel der Gesamtlänge des Radwanderweges aus, neun Prozent verlaufen durch Flusstäler. Dazu zählt ein Abschnitt entlang des Flusses Bug, der die Grenze zur Ukraine und zu Belarus markiert.

Der ostpolnische Radwanderweg erschließt nicht nur atemberaubende Landschaften, wie die Georeservate in Polens ältestem Gebirge, den Góry ?wi?tokrzyskie (Heiligkreuzgebirge), oder die Großen Masurischen Seen im Norden. Er lädt auch ein zu einer Reise durch Geschichte und Gegenwart der multiethnischen und -religiösen Grenzregion zur Ukraine, zu Belarus, Litauen und dem Kaliningrader Gebiet. Im Bereich der Strecke liegen wichtige touristische Orte wie die Renaissanceperlen Sandomierz und Zamo??, das multiethnische Bia?ystok oder die Kopernikusstadt Frombork (Frauenburg). Auch prachtvolle Adelsresidenzen wie Krasiczyn und ?a?cut, die zum UNESCO-Welterbe gehörenden orthodoxen Holzkirchen der Karpatenregion, die Synagogen in Szczebrzeszyn, W?odkowo oder Tykocin sowie Polens bekanntestes Arabergestüt in Janów Podlaski lohnen einen Besuch.

Von den 1.980 Kilometern des Green Velo wurden knapp 400 Kilometer neu gebaut. Diese führen zum Teil parallel zu Straßen, in einigen Abschnitten auch über stillgelegte Bahndämme oder Uferbefestigungen. Weitere rund 100 Kilometer der Strecke bilden erneuerte Rad- oder Fußwege, die ebenfalls frei von Autos sind. Etwa 360 Kilometer führen über unbefestigte Straßen, die übrigen Abschnitte über gering befahrene Asphaltstraßen. Im Verlauf der gesamten Strecke wurden über 130 Kreuzungen und mehr als 80 Brücken neu errichtet oder umgebaut, um Radtouristen ein sicheres und komfortables Fahren zu ermöglichen. Entstanden sind darüber hinaus 220 überdachte Rastplätze entlang der Strecke mit Fahrradständern, Tischen und Bänken, zum Teil auch mit Toiletten und Waschgelegenheiten.

An den Rastplätzen finden sich Infotafeln mit Übersichtskarten, auf denen die touristischen Attraktionen der Umgebung gezeigt werden. Entlang der gesamten Strecke entstand ein nutzerfreundliches System mit insgesamt rund 7.000 Wegmarkierungen, sodass sich Touristen auch ohne Detailkarten oder Apps zurechtfinden können. In den vergangenen Monaten wurden entlang der gesamten Strecke bereits rund 550 fahrradfreundliche Stationen klassifiziert, die sich mit dem Logo des Green Velo schmücken dürfen. Dazu gehören allein 330 Verpflegungspunkte und Unterkünfte entlang der Strecke. Dazu kommen Werkstätten, touristische Informationszentren sowie Museen oder andere touristische Attraktionen.

Karte: Radweg Green Velo, POIT Berlin

Radweg Green Velo,

Bei den Bewertungskriterien orientierte man sich an vergleichbaren Sytemen wie „Bed & Bike“. So müssen empfohlene Unterkünfte sichere Aufbewahrungsmöglichkeiten für die Räder, Reparaturmöglichkeiten sowie Angebote für Kurzzeitübernachtungen bieten. Das Interesse der touristischen Anbieter entlang der Strecke sei groß, heißt es von Seiten der Organisatoren. Deshalb soll das Partner-Netz bis Ende des Jahres noch sehr viel dichter werden. Man setzt darauf, dass private Anbieter in Kürze auch Fahrradverleihstationen und den Verleih von E-Bikes organisieren werden.

Um den neu entstandenen Radweg im In- und Ausland zu vermarkten, wollen die fünf beteiligten Woiwodschaften in den kommenden Monaten eine gemeinsame Marketinggesellschaft gründen. Geplant sind Messeauftritte und Werbeaktivitäten sowie gemeinsame Aktivitäten mit lokalen Fahrradinitiativen. Erste Kooperationsvereinbarungen gibt es bereits mit polnischen Fernbus- und Bahngesellschaften. Mit dem Unternehmen Nextbike, das bereits in mehreren polnischen Großstädten Fahrradverleihsysteme aufgebaut hat, gibt es Gespräche über ein Verleihsystem entlang der Strecke.

Die mehrsprachige Website soll bis zum Saisonstart im Frühjahr weiter ausgebaut werden und den Nutzern ermöglichen, ihre individuelle Route zu planen. Mobile Apps sind ebenfalls bereits vorbereitet. Symbol der Strecke ist der aus den bunten Segmenten einer stilisierten Fahrradkette zusammengesetzte Buchstabe W über dem Schriftzug Green Velo. Er steht für den Wschodni Szlak Rowerowy (östliche Radroute), Polens längsten und am besten ausgestatteten Radweg.

Quelle: Polnisches Fremdenverkahrsamt

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1376 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".