Pflege daheim: Polnische Pflegekräfte als Alternative

 

Pflege durch polnische Pflegekräfte, Foto: CC0

Pflege durch polnische Pflegekräfte, Foto: CC0

Sind polnische Pflegekräfte ein Ausweg, der die Pflege eines Angehörigen daheim ermöglicht? Oder bleibt doch nur das Pflegeheim? Das Thema häusliche Pflege wird selbst wenn man über so etwas im Familienkreis bereits vorab geredet hat und glaubt vorbereitet zu sein, meist sehr plötzlich akut. Ein Elternteil wird zum Pflegefall oder kann nicht merh allein für sich sorgen, möchte aber gern in den eigenen vier Wänden bleiben.

Kurzzeitpflege damit alles vorbereitet werden kann

Wer möchte das seinen Lieben nicht ermöglichen, doch wie soll das funktionieren? Geht das überhaupt? Wird Zeit gebraucht für den Übergang, damit daheim alles geregelt, geplant und gegebenenfalls auch umgebaut werden kann, ist die Kurzzeitpflege eine Hilfe. Sie gewährt Leistungen der Pflegeversicherungen (§ 42 SGB XI) für 28 Tage pro Kalenderjahr. Sie wird in Alten- und Pflegeheimen durchgeführt und entlastet auch später Angehörige, damit diese einmal Atem schöpfen und sich erholen können und den pflegebedürftigen Angehörigen dennoch gut versorgt wissen. Informationen über die Kurzzeitpflege bietet das Bundesgesundheitsministerium.

Die Pflegestufen

Fünf Pflegestufen sieht die Pflegeversicherung vor, wobei die Stufe 0 Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz (Demenzkranke) betrifft, die zwar einen Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und der hauswirtschaftlichenVersorgung haben, die aber noch nicht als erhebliche Pflegebedürftigkeit gelten. Es folgen die Stufen 1 (Erhebliche Pflegebedürftigkeit), 2 (Schwerpflegebedürftigkeit und 3 (Schwerstpflegebedürftigkeit). Darüber hinaus ist noch die Härtefallregelung eingeführt worden, in die alle Pflegebedürftigkeiten eingereiht werden, die eines außergewöhnlich hohen Pflegeaufwands bedürfen.

Ab dem 1. Januar 2017 treten die neuen Regelungen des Pflegestärkungsgesetzes 2 in Kraft, die einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff einführen. Damit wird das bisherige System der drei Pflegestufen und der Feststellung einer erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz und der außergewöhnlichen Schwerstpflegededürftigkeit durch fünf neue Pflegegrade ersetzt.

Pflege daheim

Die Pflege daheim kann von Angehörigen ganz übernommen werden. Dann können diese Angehörigen das Pflegegeld und Pflegesachleistungen erhalten. Es können natürlich auch Leistungen professioneller ambulanter Pflegedienste in Anspruch genommen werden, die dann auch direkt mit der Pflegeversicherung abrechnen können. Solche Dienste bieten auch eine Vollpflege und die 24-Stunden-Betreuung an.

Man sollte sich gut überlegen, ob solch ein Pflegedienst nicht die bessere Lösung ist, dann nämlich können Pflege und betreuende Zuwendung von Familienangehörigen getrennt bleiben und die Familie ist entlastet. Wie viel Unterstützung von einem Pflegedienst gewünscht wird, kann dabei frei verhandelt werden. Ein guter Pflegedienst berät die Angehörigen, was individuell und auch unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten machbar und sinnvoll ist. Es nützt dem Pflegebedürftigen nichts, wenn der gute Wille der Angehörigen zwar da ist, aber die zeitlichen Möglichkeiten und die Kräfte nicht ausreichen.

Polnische Pflegekräfte

Längst gibt es viele Pflegedienste, die polnische Pflegekräfte beschäftigen. Je nachdem ob überwiegend Hilfe bei Alltagsverrichtungen oder ein Mehr an Pflege benötigt wird, werden auch dort ausschließlich erfahrenen Fach- und Betreuungskräfte für Grund- und aktivierende Pflege aber auch die hauswirtschaftliche Versorgung vermittelt. Unter den anbietenden Agenturen gibt es auch Pflegedienste mit 24h-Pflegebetreuung durch polnische Pflegekräfte.

Der Vorteil solcher Pflegedienste ist die Tatsache, dass es als Vertragspartner eine Agentur mit Sitz in Deutschland gibt, die immer ansprechbar ist und die sachgemäße Pflege überwacht. Die Familie des Pflegebedürftigen muss also nicht die Qualifikation selbst überprüfen und zudem als Arbeitgeber für die Pflegekraft auftreten mit all den Kenntnissen, Versicherungs- und Steuerpflichten, die damit verbunden sind. Wichtig ist, dass es auch bei einer 24h-Rundumbetreuung durch Pflegekräfte eines ambulanten Pflegedienstes immer die gleichen festen polnischen Pflegekräfte gibt, die im Wechsel tätig sind, damit der Patient vertraute Gesichter findet.

Die Pflegekräfte sollten grundsätzlich bei einer entsprechenden Firma in Polen angestellt sein und dann ganz legal nach EU-Arbeitnehmerentsendegesetz nach Deutschland zu dem betreffenden Pflegedienst-Anbieter kommen. Jede polnische Pflegekraft muss das in Polen bestehende Arbeitsverhältnis mit dem von der polnische Versicherungsanstalt ZUS bestätigten Entsendungsformular E 101/ A1 sowie der Versichertenkarte NFZ nachweisen. Gute Sprachkenntnisse der Pflegenden werden von den Agenturen grundsätzlich zugesichert.

Pflege für Demenzkranke

Immer mehr Menschen erkranken im Alter an einer Demenz. Alzheimer oder andere Demenzen führen pflegende Angehörige oft schnell an den Rand ihrer Möglichkeiten. Der Aufwand an Betreuung, Aufsicht, Beschäftigung und im Verlauf der Krankheit zunehmend auch Pflege ist immens. Dazu kommt die eigene Betroffenheit, einen geliebten Menschen sich so verändern zu sehen, die Hilflosigkeit gegenüber der völligen Persönlichkeitsauflösung und dem Schmerz darüber. Auch bei dieser wohl belastendsten Art der Pflege können ambulante Pflegedienste deutlich entlasten. Auch die Agenturen, die polnische Pflegekräfte vermitteln, haben alle Leistungen von der Hilfe im Alltag bis zur 24h-Vollpflege und Betreuung im Angebot und sichern dafür Pflegekräfte zu, die mit Dementen gut umgehen können. Gerade die liebevolle Art der Zuwendung, für die polnische Pflegekräfte bekannt sind, ist für Demente ideal geeignet. Angst vor schlechter Verständigung zwischen Pflegekraft und Demenzkrankem braucht keine Familie zu haben. Die ruhige liebevolle Art des Umgangs, die Fähigkeit die Stimmungeslage des Kranken zu erkennen und entsprechend mit ihm umzugehen werden bei fortschreitender Krankheit ohnehin wichtiger als grammatikalisch korrektes Deutsch. Die Worte verlieren bei den Kranken zunehmend die Bedeutung.

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1426 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".