Polen: 2017 ist das „Jahr der Weichsel“

Eisbaden, Floßfahrt und Feste am längsten Fluss des Landes

Polen: 2017 ist das „Jahr der Weichsel“

Eisbaden, Floßfahrt und Feste am längsten Fluss des Landes

 

Weichselufer bei Kazimierz Dolny, Foto: Klaus Klöppel

Weichselufer bei Kazimierz Dolny, Foto: Klaus Klöppel 

Im kommenden Jahr 2017 feiert Polen das „Jahr der Weichsel“. Mit zahlreichen sportlichen und touristischen Veranstaltungen wird die „Königin der polnischen Flüsse“ geehrt. Erinnert wird auch an die Bedeutung der Weichsel für den Handel, der viele Städte entlang des Flusses reich gemacht hatte. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist ein fünftägiges Weichselfest, das im August 2017 in vier Städten entlang des Flusses gefeiert wird.

Offizieller Anlass für das vom polnischen Parlament beschlossene „Jahr der Weichsel“ ist der 550. Jahrestag des Zweiten Thorner Friedens am 19. Oktober 1466, mit dem der 13-jährige Krieg zwischen den deutschen Ordensrittern und Polen-Litauen beendet wurde. Damals musste der Ordensstaat weite Teile seines Territoriums abgeben und so fiel auch der gesamte Flusslauf der Wisla (Weichsel) bis zur Mündung bei Gdansk (Danzig) an die polnische Krone. Damit wurde der mächtige Strom durchgehend schiffbar und es begann die „goldene Zeit des Weichselhandels“. Zur Erinnerung an den wichtigen Jahrestag wurde das Weichseljahr bereits im Oktober mit einem Festakt in Torun (Thorn) offiziell eröffnet.

Nach dem feierlichen Auftakt beginnt das Weichseljahr 2017 eher unterkühlt. Am 8. Januar lädt der örtliche Verein der Morsy (Walrösser) zum Eisbaden in die alte Königsstadt Krakow (Krakau) ein. In Badekleidung müssen die Teilnehmer zu Füßen des Wawels eine zwei Kilometer lange Strecke durch den Fluss schwimmen. Für den sportlichen Jahresabschluss sorgen ebenfalls die Walrösser. Am 4. Dezember veranstalten sie ein Nikolaus-Eisbaden in der nordwestlich von Warszawa (Warschau) gelegenen Stadt Wloclawek. Teilnehmer müssen dort eine 500 Meter lange Strecke im kühlen Weichselwasser absolvieren. Zu den sportlichen Aktivitäten gehört die „Bike Wisla“im September. Eine Radtour führt in sieben Tagen von der Quelle der Weichsel in den Schlesischen Beskiden bis zur Mündung bei Gdansk.

Eine große Rolle spielten bis ins 20. Jahrhundert hinein die Flisacy genannten Flößer. Sie transportierten vor allem Holz aus den Gebirgen im Süden des Landes, aber auch Salz und andere Waren, über das Flusssystem der Weichsel bis zur Ostsee. Der Erinnerung an diese Tradition ist unter anderem eine „Königliche Floßfahrt“ vom 29. April bis 30. Mai gewidmet. Die einmonatige Reise mit historischen Flößen und Kostümen beginnt in Krakow und endet in Gdansk.

Höhepunkt des Jahres ist das Weichselfest vom 11. bis 15. August 2017, das in vier Städten der Woiwodschaft Kujawsko-Pomorskie (Kujawien-Pommern) geplant ist. Veranstaltungen finden in dieser Zeit der Hauptstadt Torun, dem Kurort Ciechocinek sowie in Nieszawa und Wloclawek statt. Besucher können dort verschiedene Schiffe besichtigen, die in früheren Jahrhunderten auf der Weichsel eingesetzt wurden und mit ihnen zu Ausflugsfahrten starten. Aus Frankreich werden Nachbauten historischer Schiffe von der Loire nebst ihren Besatzungen erwartet. Gemeinsam werden die polnischen und französischen Schiffe zu einer großen Parade über die Weichsel von Wloclawek nach Torun aufbrechen. Besucher erwartet zudem in allen vier Städten ein Markttreiben mit historischem Handwerk rund um die Schifffahrt und lokale Traditionen sowie ein regionales kulinarisches Angebot mit Wettbewerb um den „Besten Weichselleckerbissen“. Dazu gibt es abendlichen Feuerwerksinszenierungen vor der Flusskulisse.

Auch die Museen entlang der Weichsel planen zahlreiche Veranstaltungen im Rahmen des Festjahres. Beteiligt sind Einrichtungen wie das Flößereimuseum in Ulanow am San, das Weichselmuseum in Kazimierz Dolny oder das Nationalmuseum in Gdansk. Neben wissenschaftlichen Konferenzen, Workshops und Veranstaltungen für Schulklassen stehen zahlreiche thematische Sonderausstellungen zur Weichsel sowie eine gemeinsame Wanderausstellung auf dem Programm. Die Polnische Post hat zudem die Herausgabe einer Reihe von Sondermarken und -postkarten angekündigt.

Die Weichsel ist mit 1.047 Kilometern Polens längster Fluss. Von seiner Quelle auf rund 1.100 Metern in den Schlesischen Beskiden bis zur Mündung in die Ostsee verläuft er komplett auf polnischem Territorium. Das Mündungsgebiet besteht als Weichseldelta aus mehreren Haupt- und kleinen Nebenläufen. Das gesamte Einzugsgebiet der Weichsel umfasst knapp 200.000 Quadratkilometer. Die wichtigsten Nebenflüsse sind Dunajec, San und Bug-Narew rechtsseitig sowie Bzura und Brda (Brahe) linksseitig. Entlang des Flusses liegen touristisch interessante Orte wie Krakow, Warszawa, Torun, Malbork (Marienburg) und Gdansk. Die nicht regulierte Weichsel gilt als einer der letzten wilden Flüsse Europas. Am Oberlauf sowie den benachbarten Flüssen können Touristen an Floßfahrten teilnehmen, weite Strecken sind für Kajak- und Ruderboote gut erschlossen, im Gebiet des Weichseldeltas werden auch Hausboottouren angeboten.

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Über Brigitte Jaeger-Dabek 1419 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".