Polen im Schnellzugranking

Polen im Schnellzugranking

Polen im Schnellzugranking, Foto: Bruno Barillari, fotolia.com

Der Reisedienst GoEuro hat in einem internationalen Hochgeschwindigkeitsranking die Schnellzugverbindungen weltweit miteinander verglichen. Während die Rangliste von den Pionieren in Sachen High-Speed-Züge, Japan und Südkorea angeführt wird, finden sich auch viele europäische Länder unter den besten Zwanzig. Polen positioniert sich auf dem verbesserten 16. Platz und beweist damit, dass die Investitionen in den Schienenverkehr der vergangenen Jahre nicht umsonst gewesen sind.

 Geschwindigkeit ist wichtig…

In die Bewertung der Länder hat GoEuro fünf verschiedene Faktoren einfließen lassen. Zunächst einmal spielten die Rekordgeschwindigkeit und die durchschnittliche Geschwindigkeit im Regelbetrieb eine wichtige Rolle. Polen kann eine Rekordgeschwindigkeit von 291 km/h vorweisen und liegt damit zwar weit hinter dem unangefochtenen Spitzenreiter Japan (603 km/h), aber noch vor Ländern wie Norwegen, Portugal, den USA und Finnland. Im Regelbetrieb fahren Polens Hochgeschwindigkeitszüge hingegen nur 200 km/h. Damit sind sie um 40 km/h schneller als die älteren, regulären IC-Züge, kommen aber nicht an die Topwerte von 320 km/h, wie sie der japanische Shinkansen oder französische TGV, aber auch die deutschen und spanischen High-Speed-Züge vorweisen können, heran.

 … aber nicht alles

Eine große Rolle spielte im GoEuro-Ranking die Anbindung der Bevölkerung an die Hochgeschwindigkeitsstraßen. Dazu wurde der Prozentsatz der Einwohner, die in einer Ortschaft mit Hochgeschwindigkeitsanbindung wohnen, errechnet. Polen liegt hier mit 12.57 % zusammen mit Ländern wie Norwegen, Russland und den Niederlanden im guten Mittelfeld. Dies ist doch sehr beachtlich, wenn man bedenkt, dass nur etwa ein halbes Prozent der polnischen Eisenbahnstrecken hochgeschwindigkeitstauglich sind. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass die Hochgeschwindigkeitszüge Polens Hauptstadt Warschau mit bevölkerungsreichen Großstädten wie Krakau, Kattowitz und Breslau sowie der Ostseeperle Danzig verbinden. Auch preislich kann Polen punkten: mit nur 8 Cent pro Kilometer ist das Reisen im Hochgeschwindigkeitszug nur noch in der Türkei und in Russland noch günstiger.

Schöner Reisen im Pendolino-Zug

Wenngleich die Entscheidung, auf Hochgeschwindigkeitsnetze zu setzen und die schnellen Pendolino-Züge, die heute die polnischen Metropolen verbinden, einzuführen, stark kritisiert worden war und massive Probleme aufgeworfen hatte (auch das Polen-Magazin hatte hier darüber berichtet), hat das Land damit sicherlich ein Signal für den Schienenverkehr gesetzt und gezeigt, dass es im internationalen Vergleich mithalten kann. Die hochmodernen, luxuriösen Pendolino-Züge des französischen Herstellers Alstom werten zudem sicherlich den nicht sonderlich guten Ruf des Bahnreisens in Polen auf. Ob das größte Investitionsprogramm in der Geschichte der polnischen Bahn – 15 Mrd. Euro werden bis 2020 geflossen sein – am Ende den gewünschten Erfolg bringen wird, wird sich in den nächsten Jahren erweisen.

 

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".