Breslau: Das große Erwachen zum Start des Kulturhauptstadtjahrs 2016

Breslau / Wroclaw Europäische Kulturhauptstadt 2016, Foto: Logo © www.wroclaw2016.pl

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Mit einer großen Winterfiesta will man in Wroclaw (Breslau) das Jahr als Europäische Kulturhauptstadt Wroclaw (Breslau) eröffnen und dabei die niederschlesische Metropole zum Kochen bringen. Am Wochenende vom 15. bis 17. Januar sind dazu rund 100 Veranstaltungen in der ganzen Stadt geplant. Höhepunkt ist eine spektakuläre Performance, die vom britischen Künstler Chris Baldwin, einem der acht Kuratoren des Kulturhauptstadtjahres, vorbereitet wird.

Das Breslauer Kulturhauptstadtjahr wird am Wochenende vom 15. bis 17. Januar also mit einem Paukenschlag von über hundert kulturellen Veranstaltungen eröffnet. Am 17. Januar werden Tausende Menschen an einem der größten Umzüge in Breslau teilnehmen Mit der spektakulären Parade „Erwachen (Przebudzenie)“ hat der Performance-Künstler und Kurator der Kulturhauptstadt Breslau Chris Baldwin einen der spektakulärsten Umzüge in der Geschichte Breslaus geschaffen, wobei die Bürger die Möglichkeit haben die künstlerische Ereignis zu begleiten.

Aus vier verschiedenen Teilen Breslaus werden sich am Sonntag, den 17. Januar, vier überdimensionale Figuren in Bewegung setzen, die den Geist der Innovation, der Religion, des Wiederaufbaus und der Flut verkörpern sollen und unterwegs von der wechselhaften Geschichte der Stadt erzählen. Begleitet werden die Figuren von Bürgern der Stadt und zahlreichen Künstlern. Auf dem historischen Marktplatz, dem Rynek, werden die vier Züge zusammenkommen und die vier Figuren sich vereinen. Die historischen Gebäude des Marktplatzes werden Teil der Performance, an der sich mehr als 1.300 Künstler und 200 Chorsänger beteiligen werden. Lichtinstallationen und gigantische Bühnenbildner erwarten die Besucher.

Viele weitere Veranstaltungen sind an dem Wochenende in der ganzen Stadt geplant. So können Besucher Feuerinstallationen auf der Oderinsel Wyspa Slodowa (Vordere Bleiche) erleben. Bereits am 15. Januar wird in der Galeria Awangarda eine Ausstellung mit Skulpturen und Grafiken des baskischen Künstlers Eduardo Chillida eröffnet. Damit will Breslau eine Brücke in die zweite Europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2016, das spanische San Sebastián, schlagen. Einen Tag später wird im Architekturmuseum eine Ausstellung zum 25-jährigen Jubiläum des Mies-van-der-Rohe-Preises eröffnet, in der man die Höhepunkte der europäischen Architekturgeschichte der vergangenen Jahrzehnte nacherleben kann. Unter dem Titel „Museum der Träume“ lädt das Breslauer Nationalmuseum am gleichen Tag zu einer Performance der österreichischen Regisseurin Jacqueline Kampfmüller ein, die in neun Räumen des Museums ausgewählte Kunstwerke mit Hilfe von Schauspielern und Tänzern in Szene setzen möchte.

Eine Hommage an die ehemalige griechische Kulturministerin Melina Mercouri, auf deren Initiative die Kulturhauptstädte Europas entstanden sind, bildet das dreitägige Projekt „Mercouri/Xenakis“. Am 15. und 17. Januar werden im neuen Nationalen Musikforum Werke des griechischen Komponisten Iannis Xenakis aufgeführt, außerdem wird dort eine Ausstellung mit Fotografien über Melina Mercouri gezeigt. Mit der Musik von Xenakis setzen sich auch verschiedene Künstler im Audiovisuellen Technologiezentrum CETA auseinander.

Doch nicht nur Kulturinteressierte aus ganz Europa werden an dem Wochenende Mitte Januar auf Breslau blicken. Denn zeitgleich mit der Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres beginnt in Polen auch die Handball-Europameisterschaft der Männer. Breslau ist einer der vier Austragungsorte. Die Teams von Deutschland, Spanien, Schweden und Slowenien treffen dort in der Vorrunde aufeinander. Am 16. Januar hat Deutschland in der legendären Jahrhunderthalle sein Auftaktmatch gegen Spanien zu bestreiten. Die gute Nachricht für alle Sport- und Kulturliebhaber: Trotz der großen Ereignisse ist das Angebot in Unterkünften in Breslau Mitte Januar noch groß und die Preise sind moderat.

„Die Europäische Kulturhauptstadt ist das wichtigste Ereignis für die Stadt in ihrer Nachkriegsgeschichte“ – sagte Rafal Dutkiewicz, Präsident der Stadt Wroclaw vor der Bekanntgabe des Programms der für das Eröffnungswochenende. Er erklärte dabei Wroclaw sei eine wunderbare, offene und tolerante Stadt und betonte dezidiert als persönliche öffentliche Erklärung seine Stadt Wroclaw sei eine Stadt, in der es keinen Platz und keine Toleranz für Nationalismen und Fremdenhass gibt.

Krzysztof Maj, Direktor der Europäischen Kulturhauptstadt (ESK) erklärte er lade im Namen der Einwohner die Welt nach Wroclaw ein. Bei der Vorbereitung des Programms der ESK habe man einen großen Wert darauf gelegt, dass die Kultur überall zugänglich ist – in den Parks, auf den Straßen, in Krankenhäusern, ja sogar in Gefängnissen. Man müsse keine Tickets kaufen, um daran teilzunehmen, fügte er an.

Mehr Informationen über den Start des Kulturhauptstadtjahrs und das Programm:

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Über Brigitte Jaeger-Dabek 1366 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".