Spitzenküche in Polen: Die Vielfalt von Top-Restaurants steigt rasant an

Lecker essen in Polen, Foto: Silar, CC BY-SA 4.0

Lecker essen in Polen, Foto: Silar, CC BY-SA 4.0

Schon immer war Polen für seine gute, zuweilen aber nicht ganz leichte Küche bekannt. Doch längst hat sich die internationale Spitzenküche im Land etabliert. In immer mehr Spitzenrestaurants wird der Gast mit leichten, innovativen Variationen polnischer Traditionsküche verwöhnt. Dazu wurde „Slaskie Smaki“, die Gourmet-Route durch Schlesien, mit dem EDEN-Preis 2015 prämiert.

Pawel Oszczyk ist Polens Chefkoch des Jahres aus

Pawel Oszczyk vom Restaurant La Rotisserie des Boutiquehotels Le Regina in Warszawa (Warschau) wurde von Gault&Millau zum Chefkoch des Jahres in Polen gekürt. Pawel Oszczyk ist seit elf Jahren verantwortlich für die Küche des Warschauer Nobelhotels Le Regina und war zuvor unter anderem in italienischen Top-Restaurants tätig. Mit seiner modernen Interpretation traditioneller polnischer Gerichte, die er mit mediterranen oder fernöstlichen Zutaten kombiniert, zählt er schon seit Jahren zu den renommiertesten Köchen im Nachbarland und wirkt dort auch als Vorbild für viele jüngere Kollegen. Sein Restaurant La Rotisserie ist in der diesjährigen Ausgabe mit 15 Punkten und drei Hauben bewertet.
www.rotisserierestaurant.com.pl

Polens Restaurants erreichen immer mehr Hauben im Gault&Millau-Führer

Insgesamt sind in der neuen zweisprachigen Ausgabe des Gourmet-Guides 390 Restaurants in Polen aufgeführt, 150 mehr als im Vorjahr. Zwar ist auch in diesem Jahr Warschau Polens kulinarische Hauptstadt, doch unverkennbar wächst in anderen größeren Städten Polens und in ländlichen Regionen die Qualität und Raffinesse. So wurden beispielsweise aus Poznan (Posen) in diesem Jahr rund 20 Restaurants mit den begehrten Hauben bedacht.

Die gewachsene Vielfalt im Land zeigt sich auch bei der Wahl der weiteren Spitzenköche. So erreichte in der Kategorie traditionelle Küche Michal Kuter vom Restaurant „A Noz Widelec“ aus Posen den ersten Platz. Als Köchin des Jahres wurde Justyna Slupska-Kartaczowska vom Restaurant Aquarius des 5-Sterne Hotels Radisson Blu in Wroclaw (Breslau) gekürt. Den Wettbewerb der jungen Talente entschied Adrian Klonowski, Küchenchef des Restaurants Metamorfoza in Gdansk (Danzig) für sich und mit dem Titel „Chef von morgen“ wurde Michal Brys vom Warschauer Restaurant L’ Enfant terrible ausgezeichnet.

Das Atelier Amaro ist weiterhin Polens Spitzenrestaurant

An der Spitze der Restaurants steht in der zweiten Ausgabe des Gourmet-Führers für Polen wie im Vorjahr das Atelier Amaro aus Warschau. Das Atelier Amaro von Polens bisher einzigem Sternekoch Wojciech Modest Amaro führt wie schon im Vorjahr mit vier Hauben und 17,5 Punkten die Liste der Top-Restaurants bei Gault&Millau an. War er bislang der einzige Vertreter in dieser Kategorie, so bekam in diesem Jahr auch das Warschauer Restaurant Senses mit 17 Punkten vier Hauben verliehen. Küchenchef und Mitinhaber Andrea Camastra, der in Italien geboren wurde, arbeitete in der Vergangenheit schon in mehreren europäischen Sternerestaurants, bevor er Polen und seine Produkte schätzen lernte. In der Küche spiegeln sich Einflüsse aus verschiedenen Teilen Europas wieder, die Zutaten kommen zum Teil vom eigenen Ökohof in Polen.
www.atelieramaro.pl
www.sensesrestaurant.pl

In der Liste der Top Ten befinden sich mit dem Concept 13, La Rotisserie und L’ Enfant terrible drei weitere Restaurants aus Warschau. Zu der Spitzengruppe gehört auch das Restaurant Copernikus im gleichnamigen Nobelhotel von Krakow (Krakau), die beiden Danziger Restaurants Mercato und Metamorfoza sowie das Posener Restaurant A Noz Widelec. Sie alle wurden mit drei Hauben bedacht. In der Spitzengruppe verblieb auch das Restaurant Steampunk, das sich in einem alten Wasserturm der schlesischen Kleinstadt Pszczyna (Pleß) befindet. Wie schon im vergangenen Jahr wurde es ebenfalls mit drei Hauben bedacht.

Die neue Ausgabe des Gault & Millau für Polen erschien erstmals zweisprachig in Polnisch und Englisch. Der Gourmet-Führer listet neben den Restaurants auch 100 ausgewählte Hotels sowie 120 regionale Produkte auf.

Schlesien kulinarisch entdecken auf der Route „Slaskie Smaki“

Mit der kulinarischen Route „Slaskie Smaki“ (Schlesische Gaumenfreuden) erhielt auch ein polnisches Produkt einen der begehrten EDEN-Preise für das Jahr 2015. Mit dem Titel European Destination of Excellence, kurz EDEN, zeichnet die Europäische Kommission seit 2006 Tourismuserzeugnisse und -modelle aus, die sich vor allem durch Nachhaltigkeit in den Bereichen Soziales, Kultur, Regionalität und Ökologie auszeichnen.

Das Thema der letzten Ausgabe lautete „Tourismus und lokale Gastronomie“. In der Begründung für die Auszeichnung heißt es, dass die Route „Slaskie Smaki“ es schafft, das vielfältige kulinarische Erbe mit seinen polnischen, tschechischen, jüdischen und deutschen Einflüssen mit kulturellen und historischen Aspekten für Touristen erlebbar zu machen, und das in einer Güte, die eine Bezeichnung wie „europäisch exzellent“. Die kulinarische Route gibt es seit 2004. Sie vereint 25 Restaurants und Lokale auf dem Gebiet der Woiwodschaft Slaskie (Schlesien).
www.slaskiesmaki.pl

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1367 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".