Polnische Osterbräuche – Wie die Polen Ostern feiern

Ostern in Polen, Segnung der Osterkörbe, Foto: B?a?ej Benisz, www.wsdsac.pl, CC-BY-SA-2.5

Es ist kalt in der polnischen Kleinstadt, so um null Grad, wie so oft zu Ostern, aber immerhin kämpft sich die Sonne durch die letzten Wolkenschleier, es wird ein schöner Tag werden. Aber man sollte sich dennoch die Regenjacke überziehen, Hauptsache wasserdicht, denn Ostermontag ist der Tag mit dem höchsten Wasserverbrauch in Polen, eigentlich wäre eine Öljacke dabei ganz nützlich.

Zwei noch junge Nonnen kommen quietschend und etwas derangiert um die Hausecke gerannt, nun aber hurtig zur Seite springen und Deckung nehmen, sonst bekommt man selbst die ganze nasse Ladung ab. Da kommt auch schon der Verfolger herangeflogen, die wehende Soutane unter dem offenen Anorak bläht sich wie ein scharzes Segel im Wind. Mit wild kreisenden Armbewegungen holt der junge Priester Schwung und schmettert den Wasserbeutel gezielt hinter den Nonnen her.

Klatsch macht es, getroffen, die junge, rotwangige Nonne ist triefnass. Ihre Ordensschwester bereitet nicht faul die Revanche vor und langt mit der riesigen Schöpfkelle in einen der vor dem Haus bereit stehenden Wassereimer und setzt nun ihrerseits dem Priester nach. Sie juchen vor Vergnügen und werden von einer Gruppe Halbwüchsiger angefeuert, die es nicht lange als Zuschauer aushalten und selbst ins Geschehen eingreifen. Längst sind die Fenster der umliegenden Häuser aufgegangen und die Bewohner kommentieren glucksend jede Aktion, lachen und feuern die immer zahlreicheren Teilnehmer der Wasserschlacht an. Eine Szene aus einer Komödie? Weit gefehlt, denn so geht es in Polen überall zu am Ostermontag, nicht nur auf dem Land. Jeder muss damit rechnen nass zu werden, lediglich ältere Menschen und Babys haben eine realistische Chance auf Schonung, Fremde werden zurückhaltender bespritzt, Bekannte hingegen erbarmungslos abgeduscht. Alles an brauchbaren Gefäßen ist im Einsatz Wasserbeutel, Spritzpistolen, Gießkannen, Töpfe mit Schöpfkellen, ja sogar große Wassereimer. Kinder und Jugendliche jagen selbst längst patschnass stundenlang ihren Opfern hinterher und kommen blaugefroren und vor Kälte zitternd zuhause an.

Smigus Dyngus heißt der Brauch, der wohl auf die Zeit zurückgeht, als das Christentum nach Polen kam, denn 966 wurde der polnische Herrscher Mieszko I. am Ostermontag getauft. Von nun an war Polen katholisch und die Staatsgründung mit dem Eintritt in das Christentum verbunden. Vom Beginn der staatlichen Existenz Polens an hat es also eine starke Verbindung von Staat und Kirche gegeben

Noch heute ist das Osterfest als Höhepunkt im Kirchenjahr wichtig für die Polen, denn noch immer hat die Kirche hat einen großen Einfluss auf die Gesellschaft, wie sonst allenfalls noch in Irland. So sind der Volksglaube und die christlichen Traditionen in den polnischen Familien lebendig geblieben. Da nimmt es dann auch nicht weiter Wunder, dass das polnische Osterfest noch immer von der Auferstehung Christi beherrscht ist nicht vom Osterhasen. Auch was die Religionszugehörigkeit betrifft, ist das heutige Polen ein sehr homogenes Land. Mit knapp 90% bekennt sich die überwältigende Mehrheit der Polen zum römisch-katholischen Glauben.

Und so feiern die Polen Ostern:

Polnische Osterfeiern
Ostern in Polen, das sind Kirche, Familie, sich biegende Tische und viiiiiiiiel Wasser. Polen, das Land des Papstes ist katholisch, sehr katholisch sogar, denn die Kirche spielt eine große Rolle im gesellschaftlichen Leben und christliche Traditionen sind sehr lebendig. Ostern ist das höchste kirchliche Fest und ein großes Familienfest.

Der Osterhase hat hier keine Chance, ist nur so eine neumodische Errungenschaft, die nach der Wende aus dem Westen ins Land geschwappt ist und sich in Form von Schokoladenhasen äüßert. Wirklich wichtig sind in Polen allein die Passion und die Auferstehung Christi sowie die alten Bräuche.

Die Fastenzeit
Die vorösterliche Karwoche ist eine Zeit der Dunkelheit und Trauer, die ihren Höhepunkt am Karfreitag findet, der in Polen anders als in Deutschland kein gesetzlicher Feiertag ist. Die Spiegel in den Häusern sind verhängt, es wird gefastet, Stranggläubige nehmen nur Brot und Wasser zu sich, Fleisch gibt es nirgends.

In den Kirchen ist es düster, keine Glocke läutet, die gläubigen Polen verbringen viele Stunden im Gebet vertieft am symbolischen Grab Christi, manche wachen die ganze Nacht, darunter viele junge Leute, die nach alter Tradition das Christusgrab in sieben verschiedenen Kirchen besuchen.

Der Ostersonnabend vergeht mit Festvorbereitungen in den Familien, es wird gekocht und gebacken nach alten Sitten und Rezepten, immer nach dem Motto das Rezept unserer Großmutter ist sowieso das beste.

Schließlich müssen die Osterkörbe gerichtet werden, damit sie in der Kirche gesegnet werden können, natürlich alles nach der alten Tradition, mit Wurst, Salz, Pfeffer, Meerrettich, Roten Beeten und Kuchen, drapiert auf weißem Leinen und mit Weisenkätzchen geschmückt.

Der Ostersonntag
Ganz früh am Ostermorgen, oder schon in der Osternacht sind die Kirchen zu den Auferstehungsandachten überfüllt, die – als Symbol einer ohne das Licht des Glaubens düsteren Welt – in völliger Dunkelheit beginnen. Bald bricht das Osterfeuer die Finsternis, immer mehr Lichter werden an der Osterkerze entzündet, die durch die Kirche getragen wird. Frohe Gesänge, mit allen gezogenen Registern aufbrausender Orgelklang, Glockenläuten und Böllerkrachen künden von der Freude der Auferstehung. Dreimal zieht eine Freudenprozession um die Kirche.

Nun ist sie endlich vorbei die Fastenzeit, alles eilt nach Hause zum großen Osterfrühstück, wobei Frühstück eine unnötig bescheidene Bezeichnung ist, für das was nun folgt. Wie bei allen Familienfeiern in Polen biegen sich die Tische. Eine Fülle kalter Speisen werden zur traditionellen Ostertafel gereicht: verschiedene Wurst- und Fleischsorten, Schinken, das Osterbrot mit dem Kreuz, das entweder gebackene oder aus Zucker gefertigte Lamm, Rote Beete uns Meerrettich, die klassische Sauermehlsuppe Zurek Wielkanocny und natürlich die speziellen Kuchensorten Babka, Sernik, Makowiec, Mazurka und Paska.

Am wichtigsten aber sind die gesegneten Speisen, besonders die Pisanki genannten gefärbten Eier. Jedes Familienmitglied nimmt von den gesegneten, geteilten Eiern und verzehrt ein Stück, dabei Glück- und Segenswünsche für alle Anwesenden aussprechend.

Smigus Dyngus, der Tag des Wassers
Am Ostermontag ist es vorbei mit der Feierlichkeit. Zum Spaziergang sollte man entweder wachsam um sich schauen und gut zu Fuß sein, oder selbst bei Sonnenschein regenfeste Kleidung tragen. Es ist Smigus Dyngus, der Tag des Wassergießens, jeder der vorbei kommt, wird vor allem von jungen Leuten erbarmungslos mit Wasserpistolen, Wasserbeuteln, Schöpfkellen voll Wasser und sogar ganzen Eimern voll Wasser traktiert. Es ist der Tag mit dem höchsten Wasserverbrauch im ganzen Jahr.

Dieser Brauch hat sehr alte Wurzeln, er stammt aus dem Jahre 966, als der polnische Herrscher Mieszko I. am Ostemontag getauft wurde und Polen damit zum Christentum bekehrt wurde.

 

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1427 Artikel

Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs „Länderporträt Polen“.