Auschwitz-Diebstahl: Sicherheitsdienstchef des Museums entlassen

Die Museumsleitung in Auschwitz hat den Chef des Sicherheitsdienstes entlassen. Ein Museumssprecher begründete die Entlassung damit, dass der Wachdienst nach Entdecken des Diebstahls unerklärliche lange mit der Benachrichtigung der Polizei gewartet habe. Auch zwei Wachleute wurden vom Dienst suspendiert.

Seit dem Diebstahl am 18. Dezember schossen immer wieder wild Medienspekulationen ins Kraut, was die Hintermänner der Tat betrifft. Als gesichert gilt nach derzeitigem Kenntnisstand eine Verbindung nach Schweden. Die zuständige Krakauer Staatsanwaltschaft bestätigt die Beteiligung von zwei schwedischen Staatsbürgern an der Tat. Der eine sei der Auftraggeber, der andere habe zumindest das Auto nach Polen gebracht, das bei der Tat benutzt wurde, erklärte Staatsanwalt Artur Wrona.

Die Krakauer Staatsanwaltschaft glaubt, genügend Beweise für eine Anklageerhebung zumindest gegen einen der mutmaßlichen Täter zu haben. Der wahrscheinliche Auftraggeber habe die Gedenkstätte in Auschwitz im vorigen Jahr mit zwei der Polen besucht, die dann mit dem Diebstahl beauftragt worden sein.

Inzwischen hat der polnische Justizminister Krzysztof Kwiatkowski seine schwedische Kollegin Beatrice Ask um Amtshilfe ersucht. Inzwischen wird der mutmaßliche Auftraggeber von der schwedischen Staatsanwaltschaft vernommen und die polnische Staatsanwaltschaft will einen europäischen Haftbefehl beantragen.

Neue Nahrung haben die Gerüchte um eine Beteiligung der Neonazi-Szene erhalten, als Anders Hogström, ein prominenter Aussteiger aus Schwedens Neonazi-Szene die schwedische Zeitung “Aftonbladet” informierte, er sei der Mann, der den polnischen Behörden die Entlarvung der Täter möglich gemacht habe. Er sei gefragt worden, ob er das Schild von einem Ort zum anderen bringen könne. Es habe auch eine Person gegeben, die bereit war, einige Hundertausend Doller für das Diebesgut zu zahlen, erklärte Högström der “Aftonbladet”. „Er sei dann aber abgesprungen, als er jedoch mitbekommen habe, dass mit dem Erlös eine militante Kampagne finanziert werden solle und er habe die Polizei informiert.

Dies aber wird von Kennern der Szene in Schweden –besonders seitens der Organisation Exit –  bezweifelt, Hogström habe noch immer Verbindungen zur rechten Szene und sogar Freunde in der Nationalsozialistischen Front. Sein Ausstieg wird inzwischen von Beobachtern des rechten Spektrums in Schweden als Teil einer neuen Strategie betrachtet, die zur Errichtung neuer Strukturen im Rahmen erlaubter Parteitätigkeit führt, aus Nationalsozialisten werden nun Rechtspopulisten.

So könnte es tatsächlich sein, das Hogström der Auftraggeber gewesen ist, und den polnischen Dieben einen Käufer vermittelt hat. Der Erlös aus dem Deal wäre dann an Högströms Gesinnungsgenossen zur Wahlkampffinanzierung gegangen oder wie andere Gerüchte kolportieren zur Finanzierung von  Anschlägen auf das schwedische Parlament und auf das Wohnhaus des schwedischen Ministerpräsidenten Fredrik Reinfeldt.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".