Baubranche: Firmengründung in Polen?

Baumaschineneinsatz in Polen, Foto:Wikimedia Commons, MariuszjbieFertighäuser aus Polen, preisgünstige Angebote polnischer Baufirmen werden immer beliebter bei deutschen Schnäppchenjägern. Alle die Angebote der polnischen Baubranche, bei denen vor allem die Lohnkosten den Preis bestimmen, sind in den letzten Jahren zum Renner auf dem deutschen Markt geworden.

Was hierzulande weniger bekannt ist, sind die inzwischen ebenfalls regen Aktivitäten deutscher Baufirmen auf dem polnischen Markt, und das bei auch in den nächsten Jahren zu erwartendem guten Auftragsvolumen in der Baubranche unseres östlichen Nachbarlands. Kein Wunder, dass immer mehr deutsche Bauunternehmer über ein Engagement oder eine Firmengründung in Polen nachdenken.

Deutsche Baufirmen in Polen

Immer mehr deutsche Baufirmen nehmen  an EU-weiten Ausschreibungen auch für polnische Projekte teil, gewinnen diese durch günstige Preisangebote – die Baustoffpreise sind in Deutschland wegen der geballten Nachfragemacht um bis zu 30% niedriger als in Polen – und kommen so mit Polen in Kontakt. Nicht selten wird das dortige Marktpotential erkannt und über eine Gründung in Polen nachgedacht. Inzwischen tummeln sich zwischen 15.000 und 20.000 deutsche Baufirmen auf dem polnischen Markt.

Nachdem die Schutzfristen beendet sind und auch zwischen Deutschland und Polen wie in der ganzen EU Arbeitnehmerfreizügigkeit herrscht, besteht auch die Möglichkeit deutsches Fachpersonal mitzunehmen. In Polen nämlich mangelt es an Fachkräften in der Bauwirtschaft. Schuld sind die massiven Abwanderungen von polnischen Baufachleuten nach Großbritannien und Irland. In der polnischen Bauwirtschaft wird derzeit die Zahl der fehlenden Fachkräfte auf mehr als 200.000 geschätzt.

Firmengründung in Polen

Die Idee der Firmengründung beginnt mit der Suche nach einem polnischen Kooperationspartner, der einem beim Fuß fassen in Polen mit seinen Kontakten helfen kann. Bei der Suche nach einem Partner hilft gerne die deutsche Außenhandelskammer in Polen, eine Dependance der deutschen Industrie- und Handelskammer. Auch die Polnische Agentur für Information und Auslandsinvestitionen AG (PAIiIZ) hilft Investoren in Polen.  Ist der Partner oder Startbetreuer sowie eine passende Immobilie oder ein Grundstück für die Betriebstätte gefunden, kann es losgehen.

Wie überall, gibt es im Gründungsprozess auch in Polen einige bürokratische Hürden zu überwinden. Diese Schritte müssen Sie abarbeiten:

  • Anmeldung der Gewerbetätigkeit einer natürlichen Person bei der Gemeinde- oder Stadtverwaltung (Urzad gminy/Urzad miasta).
  • Anmeldung beim  Zentralregister für die Gewerbetätigkeit natürlicher Personen (Centralna Ewidencja i Informacja o Dzialalnosci Gospodarczej CEIDG). Sie erhalten eine Eintragungsbestätigung, die Sie für alle folgenden Schritte brauchen.
  • Anmeldung beim Statistischen Hauptamt (Glowny Urzad Statystyczny  GUS), Sie erhalten die REGON-Nummer
  • Anmeldung bei der Sozialversicherung (Zaklad Ubezpieczen Spolecznych ZUS).
  • Anmeldung beim Finanzamt (Urzad Skarbowy), Beantragung einer Steuernummer (NIP) und Anmeldung zur Umsatzsteuer (VAT)

Unbedingt sollten Sie sich sofort einen Firmenstempel anfertigen lassen, denn alle Dokumente, Rechnungen und Verträge, die Sie für Ihre Firma ausfertigen, sollten gestempelt sein.

In Polen ins Geschäft kommen

Nun wird es Zeit, aktiv zu werden. Die Betriebseinrichtung muss beschafft werden, das Büro will eingerichtet sein, der Maschinenpark muss bereitgestellt werden. Und wieder stehen Sie vor der Frage, wo Sie was anschaffen sollten. Leasen? Kaufen? Mieten und erst einmal anfangen? Wollen Sie mit eigenen Baumaschinen arbeiten? Dann sind gute Gebrauchtmaschinen eine Alternative, die Sie aus Deutschland mitbringen können. So gibt es in Deutschland Portale, in denen Sie sich nach der passenden Maschine umschauen können. Sie brauchen einen Raupenbagger?  Sie finden dort ihr bevorzugtes Gerät, zum Beispiel einen  Volvo Kettenbagger gebraucht, derprima in Schuss ist, dazu findet man gleich noch eine Menge Alternativen.

Bevor Sie so richtig loslegen, sollten Sie so viel polenspezifische interkulturelle Kompetenz wie möglich erwerben. Andere Länder, andere Sitten, das gilt auch für die Art, wie man verhandelt oder wie Geschäftsabschlüsse zustande kommen. In Polen nämlich geschieht das eher auf der zwischenmenschlichen als auf der nüchternen schriftlichen Ebene. Eine gute Stimmung zu schaffen, menschliches Verständnis für die andere Seite, private Begegnungen – gern auch mit Familie – sind wichtiger als ein geschliffen formuliertes Schriftstück oder ein unschlagbar günstiges Angebot.

Alle Zeit, die Sie im Vorfeld eines Geschäftsabschlusses in das persönliche Kennenlernen Ihres Geschäftspartners, Einladungen und Treffen einplanen, wird sich später auszahlen. Stellen Sie sich um auf die polnischen Vorgehensweisen, bei denen vor allem die mündliche Kommunikation wichtig ist. Beginnen Sie hingegen mit einer wie in Deutschland üblich möglichst konkreten schriftlichen Anfrage Ihrer Firma, werden Sie von der polnischen Seite in den meisten Fällen nicht einmal eine Antwort erhalten. Seien Sie froh, wenn Ihnen ein persönliches Treffen angeboten wird, bei dem sich herausstellen wird, ob daraus eine Zusammenarbeit entstehen kann.

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1434 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".