Breslau: Ausstellung zeitgenössischer Kunst im Vier-Kuppel-Pavillon

Moderne Kunst im Weltkulturerbe Poelzig-Pavillion an der Jahrhunderthalle

Vier-Kuppel-Pavillon in Breslau, Foto: (WT-shared) Mwacko at wts wikivoyage, CC BY-SA 1.0

Vier-Kuppel-Pavillon in Breslau,

Der von Prof. Hans Poelzig entworfene Vier-Kuppel-Pavillon in der niederschlesischen Hauptstadt Breslau (Wroclaw) soll ab 2016 als neues Museum für zeitgenössische Kunst dienen. Das Bauwerk gehört seit 2006 gemeinsam mit der benachbarten Hala Stulecia (Jahrhunderthalle) zum UNESCO-Weltkulturerbe und wurde in den vergangenen zwei Jahren umfangreich saniert.

Das Breslauer Messegelände mit der Jahrhunderthalle, dem Vier-Kuppel-Pavillon, der Pergola und dem Japanischem Garten war in den Jahren 1911 bis 1913 entstanden. Zur Eröffnung fand dort 1913 die „Jahrhundertausstellung“ zum Gedenken an den Sieg gegen Napoleon in den Befreiungskriegen statt. Während für die revolutionäre Architektur der Jahrhunderthalle der damalige Breslauer Chefarchitekt Max Berg verantwortlich zeichnete, trägt der Vier-Kuppel-Pavillon ebenso wie die angrenzende Pergola die Handschrift von Hans Poelzig. Er war damals Direktor der Breslauer Kunstgewerbeschule und gilt als einer der Wegbereiter des modernen Bauens im frühen 20. Jahrhundert. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehört das Berliner Haus des Rundfunks.

Das vierflügelige Gebäude des Ausstellungspavillons umschließt einen inneren Hof, die vier markanten Kuppeltürme befinden sich in der Mitte eines jeden Flügels. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude dem Filmunternehmen Wytwornia Filmow Fabularnych als Atelier. 2009 gingen die Nutzungsrechte an das Nationalmuseum von Wroc?aw über. In den vergangenen zwei Jahren wurde das gesamte Gebäude saniert und für seine künftigen Aufgaben als Museum hergerichtet.

Im Rahmen der Instandsetzungsarbeiten wurde die Fassade erneuert und gestrichen. Bei einer Analyse waren zuvor Reste der Originalfarbe gefunden worden. Die repräsentative Nordkuppel wurde verstärkt und erhielt ihr ursprüngliches Schmuckwerk zurück. Später hinzugefügte Baukörper wurden entfernt, der Innenhof erhielt ein transparentes Dach, um die Ausstellungsfläche zu vergrößern. Unter dem Hof wurde ein zusätzliches Geschoss für technische Anlagen eingefügt. Darüber hinaus ist der Pavillon nun auch barrierefrei zugänglich. Insgesamt konnten über 6.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche hinzugewonnen werden. Die Arbeiten, die rund 20 Millionen Euro kosteten, wurden kürzlich abgeschlossen.

Der Vier-Kuppel-Pavillon soll künftig eine Ausstellung mit polnischer Gegenwartskunst des Nationalmuseums beherbergen. Besucher werden dort ab 2016 unter anderem Skulpturen von Magdalena Abakanowicz, Werke des Bühnenbildners und Regisseurs Tadeusz Kantor oder Bilder von Jerzy Nowosielski bewundern können. Eine Freilichtgalerie mit polnischen Skulpturen des 20. und 21. Jahrhunderts auf dem angrenzenden Parkgelände soll das Museumsangebot ergänzen. Die Fertigstellung des neuen Kunst-Pavillons ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg von Wroclaw zur Kulturhauptstadt Europas. Im Jahr 2016 wird die Stadt diesen prestigeträchtigen Titel tragen.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".