Corona-Zahlen auf neuem Rekordhoch

Corona-Zahlen in Polen

Auch Polen meldet steigende Corona-Zahlen, Foto: pixabay.com/CC0

Nachdem es einige Zeit etwas ruhiger um das Coronavirus wurde, wird jetzt in vielen Ländern der Welt erneut ein Rekordhoch an Infektionszahlen gemeldet. Auch in Polen und weiteren Nachbarländern Deutschlands klettern die Zahlen rasant nach oben und stürzen das Land in eine prekäre Situation. Am 03. Oktober wurden ganze 2.367 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Das gab das Gesundheitsministerium in Warschau am Wochenende bekannt. Seit Beginn der Pandemie ist das der höchste Wert, den Polen verzeichnet hat.

Rasanter Anstieg der Neuinfektionen im Süden

Besonders viele Neuinfektionen wurden in Regionen um Warschau gemeldet, auch Pommern oder der Süden des Landes waren stark betroffen. Insgesamt infizierten sich von den 38 Millionen Einwohnern Polens laut dem Gesundheitsministerium bereits jetzt mehr als 100.000 Menschen mit Sars-CoV-2, betrachtet man die Lage innerhalb und außerhalb des Landes kann davon ausgegangen werden, dass die Zahlen kontinuierlich ansteigen. Dennoch ist Polen das einzige Nachbarland Deutschlands, welches vom Robert-Koch-Institut bislang nicht als Risikogebiet eingestuft worden ist.

Polen galt zu Anfang der Pandemie als Vorbild

Dass die Zahlen gerade in Polen so rasant ansteigen und eine zweite große Welle über das Land hinwegfegt, hatte zunächst wohl niemand gedacht, denn gerade dort wurden gleich zu Anfang der Pandemie sehr strenge Maßnahmen aufgestellt, die eine Ausbreitung des Virus wie beispielsweise in Frankreich, Spanien oder Italien verhindern konnten. Gerade aus diesem Grund liegen die doch sehr hohen Werte immer noch unter den Infektionszahlen anderer Nachbarländer Deutschlands.

In Frankreich wurden am 03. Oktober innerhalb von 24 Stunden 16.972 Neuinfektionen gemeldet, in Spanien wurde mit 11.325 Fällen ein erneuter Lockdown inklusive Reisewarnung veranlasst. Das war auch in Polen der Fall, denn ganz zu Anfang der Pandemie verhängte die Regierung einen Lockdown und schloss die Grenzen – dadurch konnten vor allem zu Beginn die Zahlen auf einem niedrigen Level gehalten werden. Das hatte aber vor allem für Pendler und Handwerker aus Polen negative Folgen.

Kein weiterer Lockdown in Polen verhängt

Jetzt allerdings sträubt sich das Land gegen solch einen Lockdown und versucht mit gezielten Maßnahmen in betroffenen Gebieten gegen dem Infektionsgeschehen entgegenzuwirken. Die PiS teilte mit, dadurch die Wirtschaft nicht erneut so schädigen zu wollen, wie in Zeiten des Lockdowns. Stattdessen werden für besonders stark betroffene Gebiete individuelle Maßnahmen festgelegt. Beispielsweise wurden dabei die Öffnungszeiten der Gastronomiebetriebe wieder eingeschränkt. In roten Zonen müssen Bars und Restaurants nun um 22 Uhr die Türen für Gäste schließen.

Dennoch konnte vor und während der Pandemie beobachtet werden, dass Polens Wirtschaft trotz des Lockdowns stabil blieb und weniger stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, wie in anderen Ländern, weiß Finanz- und Wirtschaftsexperte Peter Baumann von Kaufberater.io: „Das liegt zum einen an den ausländischen Investitionen, für die das Land wegen seiner hochqualifizierten Fachkräfte und der geografischen Lage sehr attraktiv ist. Zum anderen auch daran, dass Polen die Binnenwirtschaft durch ihre Sozialpolitik kontinuierlich ankurbelt.“ Dennoch bleibt abzuwarten, wie sich die Lage gerade in den kälteren Monaten entwickelt und ob die Infektionsherde tatsächlich durch solch gezielte Maßnahmen eingedämmt werden können oder schließlich doch ein Lockdown erfolgen muss.

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1491 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".