Das Multikulturelle Lodz ist nun Geschichtsdenkmal

Lodz: Flaniermeile Piotrkowska-Straße; Foto: pl:Konrad Kloszewski, CC BY 2.5

Lodz: Flaniermeile Piotrkowska-Straße,

Die multikulturelle Industrielandschaft von Lodz (Lodsch) wurde kürzlich zum nationalen Geschichtsdenkmal Polens erklärt. Die vom polnischen Präsidenten Bronis?aw Komorowski unterzeichnete Verordnung führt fünf bedeutende architektonische Ensembles der vergleichsweise jungen Stadt auf, die gemeinsam für das multikulturelle und postindustrielle Stadtbild stehen. Lodz hatte sich im 19. Jahrhundert innerhalb kurzer Zeit vom Dorf zur Textilmetropole entwickelt. Bis zum Zweiten Weltkrieg bestimmten Juden, Polen, Deutsche und Russen ihr Antlitz. Nach 1945 entwickelte sich Lodz zum bedeutendsten Zentrum der polnischen Filmwirtschaft.

Das nationale Geschichtsdenkmal umfasst so unterschiedliche Objekte, wie die Fabrik- und Residenzkomplexe der Industriellen Izrael Poznanski, Ludwig Geyer und Karl Wilhelm Scheibler, die Flaniermeile ul. Piotrkowska mit dem plac Wolnosci und der ul. Moniuszki sowie den alten christlichen Friedhof mit einem katholischen, evangelischen und orthodoxen Teil. Mit dem Neuen Jüdischen Friedhof gehört auch die größte jüdische Nekropole Europas zum neuen Geschichtsdenkmal. Präsident Komorowski wies darauf hin, dass es neben den nun ausgezeichneten Objekten noch über 200 weitere Fabrikantenpaläste, Fabriken, Villen und Bürgerhäuser in der Stadt gäbe, die ebenfalls von hohem Denkmalwert seien. Stadtpräsidentin Hanna Zdanowska unterstrich, dass keine andere polnische Metropole gegenwärtig so viel finanzielle und personelle Mittel in den Erhalt und die Nutzbarmachung des stadtgeschichtlichen Erbes investiere, wie Polens drittgrößte Stadt.

Die Liste des Geschichtserbes umfasst auch das Hotel andel’s. Das Designhotel entstand auf dem Gelände der einstigen Textilwarenfabrik von Izrael Poznanski und wurde bereits mit mehreren renommierten Auszeichnungen bedacht. Der innerstädtische Fabrikkomplex wurde zum modernen Kultur- und Handelszentrum manufaktura umgewandelt. Auf dem Gelände befinden sich auch das Museum für Zeitgenössische Kunst ms2, das Städtische Museum sowie ein Museum zur Geschichte der Anlage. Mit großem finanziellem Aufwand wird derzeit die Instandsetzung des ehemaligen Fabrik- und Wohnkomplexes Ksiezy Mlyn des Industriellen Karl Wilhelm Scheibler vorangetrieben.

Die Kategorie „Pomnik Historii“ (Geschichtsdenkmal) wurde 1990 eingeführt. 1994 verlieh der damalige Präsident Lech Walesa den prestigereichen Titel erstmals an 15 Objekte. Dazu gehörten beispielsweise die Altstädte von Gda?sk (Danzig), Wroclaw (Breslau), Zamosc und Warszawa (Warschau). Derzeit tragen landesweit 58 Sehenswürdigkeiten den besonderen Titel. Ein Eintrag in der Liste der Geschichtsdenkmäler gilt auch als förderlich für einen später folgenden Antrag auf Aufnahme in die Liste des UNESCO-Welterbes.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".