Der Hotelmarkt in Warschau boomt

Hotel Bristol – Der Hotelmarkt in Warschau boomt, Foto: Cezary p, GFDL

Hotel Bristol in Warschau,

Mit der Fußballeuropameisterschaft 2012 erhielt Polens Hotelbranche einen gewaltigen Schub vorwärts. Grundlage war der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur von der Erweiterung und Modernisierung des Straßennetzes bis hin zum Bau zusätzlicher Flughäfen. Die Tourismusbranche wurde schon dadurch gestärkt. Aber auch neue Hotels schossen wie Pilze aus dem Boden. Mit dem nun möglichen Gesamtpaket aus Regionalentwicklung, Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen und Hotelbau ließen sich sowohl Regionalentwicklungsfonds als auch Infrastrukturfonds der EU ideal nutzen. Das verhalf der Hotelbranche zu einem Bauboom, der bis heute anhält. Seit 2007 hat so die Zahl der polnischen Hotels um rund 55% zugenommen. Derzeit gibt es in Polen rund 3.000 Hotels und 6.000 sonstige Unterkünfte. Und der Hotelbauboom hält an. So steigt der Bedarf an modernen Hotels aller Preissegmente weiter. Das Portal tophotelprojects.com verzeichnet aktuell in Polen 23 neue Hotelprojekte mit insgesamt mehr als 4.600 Zimmern in Bau. Dazu sind 180 Hotelbau-Projekte in der Planung.

Der Hotelmarkt in Warschau

In Warschau gibt es derzeit rund 25.000 Gästebetten in Unterkünften vom Hotel bis zur Pension. Auf dem Warschauer Hotelmarkt warten aktuell etwa 15.000 Zimmer auf Gäste. Dabei nimmt das 3-Sterne-Segment mit etwa 27% des gesamten Marktes den größten Anteil ein. 5-Sterne-Hotels nehmen 25,3% mit rund 3.100 Zimmern ein, Hotels mit 2 und weniger Sternen stellen 24,5% der Hotelbetten, 4 SterneHäuser 23,2%.

Im Gegensatz zu den Urlaubshochburgen in der Provinz konzentrieren sich die internationalen Hotelketten auf die großen Städte und besonders auf die Hauptstadt Warschau. Die Nachfrage nach Hotelübernachtungen vor allem in Warschau wächst, denn der Inlandstourismus steigt stark an. Besonders Kurzurlaube im eigenen Land werden immer stärker nachgefragt, doch auch die Zahl der Businessreisen in die Hauptstadt steigt. Aber auch die Auslandsnachfrage wächst weiter, denn die Hotelzimmerpreise sind verglichen mit westlichen Ländern in Polen deutlich niedriger. Der Unterkunftspreis-Index sieht Warschau auf Platz 2 des Rankings mit den preiswertesten 5 Sterne Hotels und auf Platz 9 bei den preiswertesten 1-4 Sterne-Hotels.

 

Unterkunftspreindex von GoEuro Travel GmbH

Unterkunfstindex,

Warschaus Hotelbranche: Der Boom wird anhalten

Im November 2014 bestätigte sich das bei der Fachkonferenz „Profit Hotel“ in Warschau. Dort stellte Adam Konieczny, Country Head Poland von Christie + Co , die von seinem Institut durchgeführte Analyse des polnischen Hotelmarkts vor und referierte über die derzeitige Situation, über Trends und Entwicklungen.

Zwar überwiegen bei den Hotelgästen derzeit in Gesamt-Polen noch die Inlandstouristen mit etwa 70 Prozent im Jahr 2013. Das sähe aber in den großen Städten des Landes anders aus, besonders in Warschau, wo bereits 42 Prozent der Hotelgäste aus dem Ausland kämen, im Warschauer Zentrum seien es sogar 54 Prozent, trug Konieczny vor. Nach der Untersuchung ist laut Christie+Co auch das Zimmerangebot in den letzten vier Jahren um 5,62 Prozent jährlich stark gewachsen. Den Anstieg der Nachfrage nach Hotelzimmern konnte dieses Wachstum aber nicht befriedigen, denn der betrug acht Prozent, weiß Konieczny.

Weil das so ist, stiegen auf dem ganzen polnischen Hotelmarkt die Auslastungszahlen. Landesweit stieg der Belegungsdurchschnitt in den Hotels von 40 Prozent in 2009 auf 43,6 Prozent im Jahr 2013. Noch höher stiegen die Auslastungszahlen in Polens Großstädten, wo die Belegungszahlen von 48 Prozent in 2009 suf 55,7 Prozent in 2013 wuchsen. Den Vogel schoss die Warschauer Innenstadt ab, deren Auslastungszahlen von 55 Prozent im Jahr 2009 auf 72,3 Prozent im Jahr 2013 stiegen. Christie + Co geht davon aus, dass diese Entwicklung noch für Jahre anhalten wird. Adam Konieczny bestätigt die Ansicht , dass Polens Attraktivität als Reiseland auch deshalb weiter wächst, weil Hotelzimmerpreise in westeuropäischen Städten weit höher sind.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".