Die Europawahl im polnischen Staatsfernsehen

Der Libertas-Auftritt Walesas in Rom am 1.Mai löste hitzige Debatten in Polen aus, die Libertas an sich galt bisher eher als eine Marginalie. Das versucht das staatliche polnische Fernsehen zu ändern. Wie die Gazeta Wyborcza ermittelte, steht die Libertas derzeit auf Platz drei, was die Sendeminuten in TVP betrifft. Die PiS und die PO hatten zwischen dem 4. und 10 Mai acht bis neun Mal die Gelegenheit, ihre Botschaften zu verkünden, Libertas sieben Mal. Auf TVP 2 hatte Libertas gar mit 6 Minuten 55 Sekunden die meiste Sendezeit, 24 Sekunden mehr als die regierende PO.

So ließen Anschuldigungen der polnischen Presse seitens der Gazeta Wyborcza und des Dziennik gegen Fernsehchef Piotr Farfal nicht lange auf sich warten. Farfal, ein bekennender ehemaliger Rechtsradikaler aus der Skinheadszene mit parteipolitischer Nähe zur Partei Liga polnischer Familien(LPR) promote Libertas ganz ungeniert, denn die bei der letzten Wahl vernichtend geschlagenen LPR-Politiker sind unter den Deckmantel der Libertas geschlüpft. Diese Bevorzugung hatte Farfal persönlich angeordnet: tägliche, prominente Darstellung lautete die Weisung. Die Redakteure spuren, denn wer nicht spurt, der fliegt – so mussten es bei einer Massenentlassung viele liberale Journalisten erfahren.

Wer schweigt, ist Regierungschef Donald Tusk. Der nämlich dürfte darauf spekulieren, dass eine stärkere Libertas Erzfeind Kaczynski und seiner PiS Stimmen abnimmt und damit auch seinen Intimfeind Kaczynski schwächt. Doch der Schuss könnte nach hinten losgehen und Europa und die gemäßigten politischen Parteien viele Stimmen kosten.

(c) Brigitte Jäger-Dabek

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".