EDITORIAL: Zum Jahreswechsel

Das Polen Magazin Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Wieder geht ein Jahr zu Ende. Es war ein Jahr der großen und kleinen Katastrophen, sowohl für Polen, als auch für mich ganz persönlich.

Den Polen wird 2010 als das Jahr der Katastrophe von Smolensk für immer in Erinnerung bleiben, der 10. April zum Gedenktag werden. An diesem Tag starben 96 Menschen, die meisten gehörten der politischen und militärischen Elite des Landes an, unter ihnen befand sich auch das Präsidentenpaar Kaczynski.

Nur kurze Zeit versöhnten der tiefe Schock und die Trauer das Land, der Absturz hatte alle politischen Lager betroffen. Doch der Burgfriede bröckelte schon bei derDiskussion um den Beerdigungsort des Präsidenten, der Krypta im Krakauer Wawel.

Im Präsidentschaftswahlkampf hielt sich vor allem Jaroslaw Kaczynski auffallend zurück. Doch das Wahlergebnis offenbarte unübersehbar die tiefe Teilung des Landes: Der Westen und Norden der Zukunft zugewandt, liberal und weltoffen, der Osten und Süden die Welt nach wie vor ausschließlich aus dem überkommenen und überholten Geschichtsbild heraus betrachtend, das die Welt in Polen und die anderen unterteilt, mit Fremdenangst und ohne Verständnis für internationale Strukturen, ultrakatholisch und an Polens Stärke arbeitend.

Dieses Bild der Zweiteilung des Landes wurde noch deutlicher im grotesken Streit um das Holzkreuz vor dem Präsidentenpalais und bei den Kommunalwahlen im Herbst. Inzwischen polarisiert Jaroslaw Kaczynski noch mehr als vor dem Tod seines Bruders, ist unversöhnlicher denn je und schürt bizarre Verschwörungstheorien.

Im kommenden Jahr stehen Parlamentswahlen an, bei denen ein zumindest von Kaczynskis PiS mit unerbittlicher Härte durchgeführter Wahlkampf zu erwarten ist, dazu übernimmt Polen im Juli 2011 die EU-Ratspräsidentschaft, hier finden Sie den Link zu einem hervorragender Artikel zur Ratpräsidentschaft vom Deutschen Polen-Institut.: http://www.laender-analysen.de/polen/pdf/PolenAnalysen63.pdf

Es wird ein schwieriges Jahr für Polen werden, in dem auch die Katastrophe von Smolensk weiter lange Schatten werfen wird.

Das Polen Magazin wird die Entwicklung in Polen auch im kommenden Jahr journalistisch begleiten. Um immer besser und interessanter für unsere Leser zu werden, planen wir ein paar neue Aktionen und Veränderungen im Magazin, sowie Straffungen, damit alles noch übersichtlicher wird, auch ein Server-Wechsel wird fällig. Lassen Sie sich also überraschen und bleiben Sie uns treu.

Das Polen Magazin wünscht Ihnen und Ihren Lieben  ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest sowie ein gutes, gesundes Jahr 2011.

In diesem Sinne

Ihre


Brigitte Jäger-Dabek

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".