Hochwasser: Deutsche Vorwürfe an Polen

Dammbruch am Witka-Stausee

Dammbruch am Witka-Stausee,

In Polen gingen die Wasserstände in der von den jüngsten Überschwemmungen betroffenen und bedrohten Gebieten weiter zurück.  Die polnischen Behörden stellten rund zehn Millionen Euro als Soforthilfe für die Flutopfer zur Verfügung.

Nachdem Bogatynia zwei Tage völlig von der Außenwelt abgeschnitten war, haben inzwischen erste Hilfstransporte die niederschlesische Stadt erreicht, die von der Flut schwer getroffen worden war. Das Militär ist vor Ort und hilft beim Aufräumen. Als die kleine Miedzianka am Samstag nach dem Bruch des Witka-Staudamm urplötzlich ein wild reißender Strom wurde, waren zwei Drittel der Stadt überflutet worden. Zwanzig Häuser wurden total zerstört, weitere Dutzende sind nach ersten Überprüfungen nicht zu sanieren und müssen abgerissen werden. Im polnischen Gebiet Niederschlesien waren 17 Gemeinden vom Neiße-Hochwasser betroffen.
Inzwischen kritisierte der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) das Verhalten der polnischen Umweltbehörden nach dem Bruch des Witka-Staudamms: Die Vorhersagen seine verbesserungswürdig, hätten ihm seine sächsischen Kollegen bestätigt, die Wranungen kamen nicht schnell genug. Auch Bürger aus Görlitz und anderen Orten hatten sich beschwert, sie haben gemütlich in ihren Wohnungen gesessen ohne die Gefahr auch nur zu ahnen, als im nur 35 Kilometer entfernten Zittau ein ganzer Stadtteil überflutet worden sei. Da ihnen keine Zeit zum Räumen geblieben sei, wären nun die Schäden unnötig hoch.

In solchen Augenblicken zähle jede Minute, bekräftigte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) .  Als der Damm am polnischen Witka-Stausee am Samstag brach, hatten die Wassermassen die Neißepegel innerhalb kürzester Zeit massiv und quasi ohne Vorwarnung ansteigen lassen. Besonders davon betroffen war Görlitz. Die sächsischen Behörden seien aus Polen zunächst aber nur über eine „erhöhte Abflussmenge aus der Talsperre“ informiert worden, und nicht aber über einen Dammbruch, sagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU).

Der sächsische Regierungschef kündigte eine umfassende Untersuchung der Informationswege nach dem Bruch des Staudamms in Polen an, denn man habe man mit den extrem kurzen Vorlaufzeiten nicht immer Schritt halten können, das müsse man künftig besser machen, sagte Tillich.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".