Massengrab mit Deutschen bei Malbork entdeckt

Die ersten Skelette von insgesamt über 1800 toten Zivilisten fand man bereits im Oktober 2008 an der
Piastowska-Straße 18 mitten im nordpolnischen Malbork, dem Magistrat direkt gegenüber. Vermutlich handelt es sich bei den Leichen um deutsche Zivilisten. Malbork hieß bis zum Kriegsende Marienburg und war überwiegend von Deutschen bewohnt. Das Massengrab im Stadtzentrum wurde bei Erdarbeiten gefunden, als mit dem Bau eines neuen Hotels begonnen wurde. Wie der polnische Rundfunkt berichtete, handelte es sich um Leichen von Männern, Frauen und Kindern, die teilweise Spuren von Schüssen aufweisen. Historiker des Malborker Museums meinen, die Zivilisten könnten Anfang 1945 während der starken Kampfhandlungen ums Leben gekommen sein, auch für Opfer einer Typhuswelle spricht einiges.

Allerdings hat man inzwischen festgestellt, dass einige der gefundenen Schädel Einschusslöcher in der Stirn direkt über der Nase aufwies. Außerdem waren die Opfer durchweg völlig nackt in das Massengrab gelegt worden, die Kleiderhaufen fand man neben dem Grab. Inzwischen berichtete auch das polnische Fernsehen über den Leichenfund und spricht sogar von über 2000 Opfern. Bisher fanden sich in keinem Archiv Anhaltspunkte über das Verbrechen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind angelaufen. Vertreter der deutschen Minderheit erklärten, es könne sich tatsächlich größtenteils um die gut 1800 bisher vermissten Marienburger Bürger handeln.

(c)Brigitte Jäger-Dabek 07.01.2009

Update 08.07.2009

Insgesamt wurden bisher mehr als 2100 Weltkriegstote in Malbork gefunden, dabei handelt es sich überwiegend um deutsche Zivilisten. Sie sollen nun  am14. August im Rahmen einer würdigen Begräbnis-Zeremonie auf den deutschen Soldatenfriedhof in Glinna in der Nähe von Stettin in Polen begraben werden, sagte der Chef des Ausschusses des nationalen Gedenkens  der polnischen Nachrichtenagentur PAP. Die Entscheidung für die Verlegung der Toten  sei von den deutschen Behörden getroffen worden.

Insgesamt hat man in dem Massengrab in Malbork  die Leichen von rund 2120 Menschen gefunden, darunter tausend Frauen, 381 Männer und 377 Kinder. Die anderen fast 300 Leichen konnten nicht mehr genauer identifiziert werden.

Wie Experten bestätigten, kamen die Männer, Frauen und Kindern durch Kälte, Hunger, Krankheiten oder Kämpfe zwischen der deutschen Wehrmacht und der vorrückenden Roten Armee vermutlich in Januar 1945 ums Leben.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".