Neuanfang im polnischen Fußball: Zbigniew Boniek neuer PZPN-Präsident

Zbigniew Boniek, Präsident des polnischen Fußballverbandes PZPN, Foto: SlawekTrotz der erfolgreichen Fußballeuropameisterschaft im Sommer 2012: Eitel Freude und Sonnenschein herrschte im polnischen Fußball und dem polnischen Fußballverband PZPN schon lange nicht mehr. Ein weiterer Höhepunkt in dem Disaster war die Absage des Qualifikationsspiels zur Fußballweltmeisterschaft 2014 zwischen England und Gastgeber Polen. Das Spiel im als Prestigeneubau zur EM 2012 errichteten Nationalstadion in Warschau musste am 16. Oktober abgesagt und auf den 17. Oktober verlegt werden zur ganz besonderen Freude der Heimtrainer der beteiligten Nationalspieler, unter ihnen auch der Dortmunder Trainer Jürgen Klopp. Was geschehen war in Warschau? Es hatte geregnet. Dummerweise war das Dach des Nationalstadions nicht geschlossen.

Zwar dauert es nur 15 Minuten, das Dach des schicken Nationalstadions zu schließen, doch wenn es bereits regnet, ist das nicht möglich, erklärte eine Sprecherin der Betreibergesellschaft NCS, denn dann könne das Dach einstürzen.

Seit dem frühen Nachmittag hatte es pausenlos und heftig geregnet. Dieser Regen kam nicht etwas überraschend, sondern war schon zu Wochenbeginn angekündigt worden. “. Wie Agnieszka Olejkowska, die Sprecherin des polnischen Fußballverbandes PZPN verkündete, hätten es aber beide Mannschaften trotz dieser Wetterprognosen abgelehnt, das Stadiondach schließen zu lassen. Dem widersprach der englische Verband. Über das Dach hätten ausschließlich die Stadionbetreiber und der polnische Verband zu entscheiden. Damit habe man nichts zu tun, erklärte Adrian Bevington. Man habe am Montag angefragt, ob das Dach offen sein werde, und bekam gesagt, dem wäre so.

Der Spott in Polens Medien war beißend. Roofgate konnte man lesen. Nationalskandal, Nationalschwimmbad“ titelte die liberale Tageszeitung Gazeta Wyborcza über die organisatorische Pleite. Weiterer Kritikpunkt war die späte Absage, obwohl es bereits am Nachmittag habe klarsein müssen, dass das Spiel nicht angepfiffen werden könnte. Es sei komplett unnötig gewesen, die Fans stundenlang im Regen warten zu lassen, wurde sowohl von englischen als auch polnischen Medien kritisiert.

Die Angelegenheit schlug so große Wellen, dass die wegen des mangelnden Rückhalts unter polnischen Sportfunktionären amtsmüde polnische Sportministerin Joanna Mucha ihren Rücktritt anbot, da sie sich als politisch verantwortlich fühlte. Den aber lehnte Premierminister Donald Tusk ab. Für die Blamage sei in erster Linie des Wetter verantwortlich erklärte Tusk. Was er erwarte, sei aber eine engere Kontrolle des Nationalen Sportzentrums NCS, der Betreibergesellschaft des Nationalstadions. Die nämlich war schon während der Bauphase wegen Pannen und Verzögerungen in die Schlagzeilen geraten.

Ein solches Fiasko wie diese Wasserblamage war aber auch genau das, was der polnische Fußballverband PZPN, der vor einem Umbruch steht, nun gerade nicht gebrauchen konnte. Nach diversen Finanzproblemen, Korruptionsskandalen und nicht enden wollender Kritik am Führungsstil des amtierenden Präsidenten des polnischen Fußballverbands PZPN Grzegorz Lato hat dieser nun endlich den Weg freigemacht für einen Neuanfang und trat bei der Wahl am 26. Oktober nicht mehr an.

Die 118 Delegierten hatten die Wahl zwischen fünf Kandidaten, unter denen erstmals auch eine Frau war. Zbigniew Boniek war als Mittelfeldspieler einst ein Weltstar und der erste polnische Spieler, der noch zur Zeit der Volksrepublik als Profi zu Juventus Turin wechseln durfte. Bereits bei den Verbandswahlen von 2008 um den Posten des PZPN-Präsidenten war er stärkster Konkurrent des einstigen Stürmerstars Grzegorz Lato, dem er nun im Amt folgt. Boniek wurde mit 61 von 118 Delegiertenstimmen gewählt. In seiner Antrittsrede erklärte Boniek, er wisse, dass er der Kandidat der Fans und der Medien gewesen sei, und wolle dafür sorgen, dass die polnische Öffentlichkeit nach seiner Amtszeit mit dem Fußball in Polen und dem Verband versöhnt und zufrieden seien.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".