Polen: Atomkraftwerk wird in Kaschubien gebaut

In Polen eist die Entsch6idung gefallen, das erste Atomkraftwerk des Landes wird im kaschubischen Zarnowiec gebaut, rund 50 Kilometer von Gdansk/Danzig entfernt. Das verkündete die polnische Vize-Wirtschaftsministerin Hanna Trojanowska am Dienstag, den 16. März bei einer Pressekonferenz in Warschau.

Schon 1972 war Zarnowiec als Standort des damals geplanten ersten Atomkraftwerks in Polen ausgesucht worden. Der Bau war 1982 begonnen worden, in den 1990er Jahren jedoch wegen massiver Proteste nach der Tschernobylkatastrophe wieder eingestellt worden. Seitdem rottet die unfertige Bauruine vor sich hin.

Zarnowiec sei aber nicht deshalb wieder bestimmt worden, erklärte Hanna Trojanowska. Der Ort sei aus einer Liste von 28 möglichen Standorten ausgewählt worden. Anderen Standorten hatte es seine Lage an einem See voraus, außerdem sei auch eine Leitung zur Zufuhr von Ostseewasser leicht zu realisieren, dass man zur Kühlung brauche. Auch bei den anderen Kriterien für den Atommeilerbau wie Bevölkerungsdichte, Entfernung zu Ballungsgebieten, Nähe von Chemieanlagen und mögliche Gefährdungen durch Flugzeugabstürze habe Zarnowiec am besten abgeschnitten. Weitere Standorte auf der Liste seien Warta-Klempicz beim westpolnischen Posen, Kopan bei Stolp an der Ostsee und Nowe Miasto, fügte Trojanowska an

Wirtschaftminister Waldemar Pawlak erklärte, mit Krywiec bei Stettin stünde der erste Ort in Grenznähe zu Deutschland erst auf Platz 12 der Standortliste. Insoweit könne er nun deutsche Bedenken ausräumen, nachdem in der Uckermark 20.000 Unterschriften gegen Polens Reaktorbau gesammelt worden waren. Pawlak bekräftigte, er vertraue nun auf eine diesbezüglich gute Zusammenarbeit mit der deutschen Regierung. Im Gegensatz zu vorigen Berliner Kabinette zeige die derzeitige schwarz-gelbe Regierung in Fragen der Atomenergienutzung eine andere Haltung.

Die polnische Energiegruppe Polska Grupa Energetyczna PGN wird bis zum Jahresende die Pläne der interessierten Investoren prüfen und über den Zuschlag entscheiden. Es bewerben sich Konsortien aus Frankreich, den USA, Japan, Korea und Tschechien, die  Investitionssumme soll 10 Milliarden PLN betragen.

Der Baubeginn des ersten polnischen Reaktors ist für 2012 geplant, 20020 soll der Meiler dann ans Netz gehen. Bis 2030 will Polen noch zwei weitere Reaktoren bauen. Einerseits will das Land damit die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen reduzieren, andererseits soll durch Atomenergie der hohe CO2-Ausstoß Polens verringert werden, der aus dem immensen Kohleanteil von 90% bei der der Stromproduktion rührt. Binnen 30 Jahren soll der Kohleanteil mit Hilfe der Atomenergie auf 60% fallen.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".