Polen: Die letzten Opfer von Smolensk sind heimgekehrt

Um 17.30 landete am Freitag, den 23. April die Militärmaschine C-17 auf dem Warschauer Flughafen Okecie und brachte die Särge mit den letzten 21 der insgesamt 96 Opfer des Flugzeugabsturzes vom 10. April bei Smolensk heim nach Polen. Unter ihnen wahren weitere Parlamentsabgeordnete und Senatoren, sowie Militärangehörige, Funktionäre der Katyn-Familien und die Mitglieder der Flugzeugbesatzung.

Die Särge wurden mit militärischen Ehren begrüßt, alle Verstorbenen mit Namen genannt jeder einzelne Sarg war mit der rot-weißen Fahne bedeckt und wurde von Soldaten sowie einem militärischen Ehrengeleit zu einem Holzgestell getragen und dort aufgebahrt. Die Familien konnten sich zum Gebet am Sarg ihres Angehörigen versammeln, die Sonne glänzte auf den Instrumenten der Ehrenkompanie, als die Nationalhymne erklang.

Auch eine Regierungsdelegation war anwesend, Premierminister Donald Tusk hielt die Trauerrede. „Wir haben lange auf Euch gewartet, fast zwei Wochen nach dem Augenblick, der jede Polin und jeden Polenso erschüttert hat,  lange haben wir gewartet, aber wir hätten auch Jahre gewartet,wenn es nötig gewesen wäre, um Euch hier in Trauer zu begrüßen und in der Heimaterde zu begraben,“ sagte ein sichtlich bewegter Tusk. Der Premier nannte in seiner Ansprache jeden der nun heimgekehrten Reisenden des letzten Fluges der TI-154 und seine nächsten Angehörigen beim Namen, sprach über ihren Lebensweg und ihre Verdienste.

Einige Worte mehr sprach Tusk über Arkadiusz Rybicki, seinen Freund und alten Wegegefährten, der Sejmabgeordneter der PO war und nannte ihn ein Denkmal der Bürgerrechtsbewegung. Er sei es gewesen, der im Dezember 1970 auf die Mauern der Danziger Werft geschrieben habe „Katyn Pomscimy“ (Rache für Katyn) und nun sei er 40 Jahre später dort gestorben. Sein ganzes Leben sei dem Traum vom freien Polen gewidmet gewesen. „Lebewohl mein Freund, Danzig wartet auf Dich“ verabschiedete sich Donald Tusk von seinem alten Mitstreiter.

Nach der Ansprache des polnischen Ministerpräsidenten folgte ein ökumenisches Gebet. Danach wurde 16 der 21 Särge in einem Trauerzug durch Warschau zum Nordfriedhof gefahren. Die übrigen fünf Opfer werden in den Heimatorten beigesetzt und wurden direkt dorthin gebracht.

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Über Brigitte Jaeger-Dabek 1450 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".