Polen: Einstieg in die Atomenergie beschlossen

Das polnische Atomprogramm wird zügig umgesetzt und Polen wird nun Ernst machen mit dem Einstieg in sein kernenergieprogramm. Das verkündete Polens Ministerpräsident Donald Tusk am Dienstag den 25. Januar nach einer Kabinettssitzung in Warschau.

Polen verspricht sich von seinem Atomprogramm mehr Energiesicherheit und weniger Abhängigkeit von Energielieferungen aus Russland. Zudem muss Polen gemäß EU-Richtlinien seinen CO2-Ausstoss gewaltig reduzieren. Derzeit gewinnt man in Polen noch über 90% des Stroms aus Kohle. Den rechtlichen Rahmen will die Regierung Tusk bis Ende Juni schaffen. Der Standort des ersten polnischen Meilers wird bis Ende 2012 erfolgen, der Baubeginn ist für 2016 terminiert, ans Netz gehen wird das Kernkraftwerk 2010. Bis 2030 soll dann noch ein zweites Atomkraftwerk gebaut werden. Beide Meiler zusammen sollen insgesamt 6.000 Megawatt leisten. Die Investitionssumme für den Bau der beiden Atommeiler bezeichnete Tusk mit 100 Milliarden Zloty, das sind etwa 25 milliarden Euro.

Mit Gegenwind aus der Bevölkerung rechnet Donald Tusk nicht, auch nicht für den bisher favorisierten Standort Zarnowiec in Kaschubien bei Danzig. Dort hatte man 1982 bereits einmal mit dem Bau eines Atommeilers begonnen. Doch nach der Katastrophe von Tschernobyl war das Projekt am Widerstand der Bevölkerung gescheitert. Auch der vermutlich zweite Standort Klempicz bei Poznan war bereits Anfang der 1980er Jahre als möglicher Standort für einen weiteren Meiler ausgesucht worden.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".