Polen: Erstes Festival dell’ Arte im Hirschberger Tal der Schlösser

Faust-Oper kehrt nach Niederschlesien zurück

Schloss Wojanow im Hirschberger Tal

Schloss Wojanow im Hirschberger Tal, Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt,

Das Hirschberger Tal der Schlösser und Gärten war im 19. Jahrhundert nicht nur der Treffpunkt des Europäischen Hochadels, der sich hier am Fuße der Schneekoppe seine Sommerresidenzen bauen ließ. Es war auch ein Ort der Künste und der Künstler. Caspar David Friedrich, Johann Wolfgang von Goethe oder Theodor Fontane holten sich hier Inspirationen.  Im heutigen Polen knüpft man an diese Traditionen an. Mit einer spektakulären Opernpremiere und dem ersten Festival dell’ Arte präsentiert man sich wieder als Tal der Künste.

Rund um die heutige Kreisstadt Jelenia Gora (Hirschberg) schufen im 19. Jahrhundert Architekten wie Karl Friedrich Schinkel und der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné ein einzigartiges Ensemble von Schlössern und Parks. Mitglieder der preußischen Königsfamilie und andere Adelige hatten dort ihre Sommerresidenzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet das Tal in Vergessenheit, bevor es polnische und deutsche Enthusiasten aus ihrem Dornröschenschlaf weckten. Inzwischen sind viele der rund drei Dutzend Schlösser und Burgen wieder saniert und es gibt hier auf engstem Raum acht Schlosshotels.

Das Hirschberger Tal kehrt zurück auf die Kulturkarte Europas

Mit zwei Paukenschlägen will die örtliche Stiftung der Schlösser und Gärten das romantische Tal wieder auf die Kulturkarte Europas hieven. Am 15. August hat die Oper „Faust“ nach dem Stück von Johann Wolfgang von Goethe und der Musik seines Zeitgenossen, des Grafen Antoni Radziwill, seine Premiere in Polen. Aufgeführt wird sie im Lenné-Park des Schlosses von Wojanow (Schildau). Es gehörte einst der preußischen Prinzessin Luise und beherbergt heute das luxuriöse Wellnesshotel Palac Wojanow.

Fürst Radziwill gehörte zu den einflussreichsten Persönlichkeiten im Berlin des 19. Jahrhundert. Sein Schloss war ein Zentrum des künstlerischen Lebens in der Stadt. Rund 20 Jahre arbeitete er an der Vertonung des Faust, wohlwollend begleitet von Goethe, der die „geniale, uns glücklich mit fortreissende Composition“ lobte. Erste Fragmente wurden bereits ab 1818 öffentlich aufgeführt, doch ihren Abschluss fand die Arbeit erst drei Jahre vor dem Tod des Fürsten im Jahre 1830. Die Oper war größtenteils auf Schloss Ciszyna (Ruhberg), dem Landgut des Fürsten im Hirschberger Tal, entstanden.

Zwei Jahre nach Radziwills Tod wurde seine Oper 1835 erstmals in voller Länge von der Sing-Akademie zu Berlin aufgeführt. Bis 1860 gab es jährliche Wiederholungen. Danach geriet das Werk zu Unrecht in Vergessenheit und wurde erst 2003 bei den Darmstädter Residenzfestspielen wieder aufgeführt. Nun erlebt das frühromantische Werk unweit der Stätte seiner Entstehung eine erneute Wiedergeburt als deutsch-polnisches Gemeinschaftswerk.

Die Faustoper im Hirschberger Tal

Regisseurin der Aufführung ist Beata Redo-Dobber vom Warschauer Nationaltheater, Dirigent ist der künstlerische Leiter der Oper und Philharmonie Bialystok, Marcin Nalecz-Niesiolowski. Neben dem Sinfonieorchester der Niederschlesischen Philharmonie aus Jelenia Gora tritt der von Wolfgang Seeliger geleitete Konzertchor Darmstadt auf. Zu den Solisten gehören unter anderem der Berliner Tenor Mark Adler und die in Leipzig geborene Sopranistin Tatiana Hempel-Gierlach, die Breslauer Mezzosopranistin Agnieszka Rehlis und der Bassbarriton Robert Gierlach aus dem ostpolnischen Sanok. Die Aufführung beginnt bei freiem Eintritt am 15. August um 20 Uhr. Schon am Vortag wird im Schloss Wojanow die handschriftliche Partitur des „Faust“ präsentiert, außerdem wird dort abends der 1938 entstandene Film „Preußische Liebe“ gezeigt. Er befasst sich mit der unglücklichen Liebe zwischen dem preußischen Prinzen und späteren Kaiser Wilhelm I. und der polnischen Gräfin Eliza Radziwill.

Vom 18. bis 25. August schließt sich an die Opernpremiere das Festival dell’ Arte an. Es wird  ebenfalls im Schloss Wojanow bei freiem Eintritt veranstaltet und legt einen Schwerpunkt auf die Musik des 19. Jahrhunderts. Zum Auftakt gastiert am 18. August die Niederschlesische Philharmonie mit der 7. Symphonie von Ludwig van Beethoven im Schloss. Den Abschluss bildet am 25. August ein Auftritt des Wiener Kammer Ensembles mit Musik von Johann und Richard Strauss. An den übrigen Tagen stehen neben Kammerkonzerten und Liederabenden auch Lesungen sowie Ausstellungen mit Malerei und Bildhauerei auf dem Programm. Veranstaltet wird das Festival von der Stiftung der Schlösser und Gärten zusammen mit der Niederschlesischen Philharmonie. Es soll künftig jedes Jahr im August stattfinden und dann auch andere Schlösser im Hirschberger Tal als Spielstätten mit einbeziehen.

Informationen zum Hirschberger Tal:

Das Hirschberger Tal liegt etwa 70 Kilometer vom deutsch-polnischen Grenzübergang bei Görlitz entfernt. Informationen über das Festival dell’ Arte unter www.festivaldellarte.eu sowie zur Stiftung der Schlösser und Gärten und zum Faust-Projekt unter www.dolinapalacow.pl Für die Freiluftaufführungen werden etwas 1500 Plätze zur Verfügung stehen. Das 4-Sterne-Hotel Palac Wojanow bietet für das Festival ein spezielles Paket für drei bis acht Tage an. Es beinhaltet neben Unterkunft mit Halbpension auch Ausflüge im Tal der Schlösser und Gärten, www.palac-wojanow.pl

Quelle: Polnisches Fremdenverkehrsamt

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1460 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".