Polen: Oberschlesier als ethnische Minderheit anerkannt

RAS - Bewegung für Autonomie Oberschlesiens

RAS – Bewegung für Autonomie Oberschlesiens,

Der oberschlesischen Autonomiebewegung RAS (Ruch Autonomii Slaska / Bewegung für die Autonomie Schlesiens)ist ein überraschender Erfolge gelungen, Am 21. Dezember 2011 genehmigte das Oppelner Bezierksgericht die Registrierung ihres Verbands RAS, was einer Anerkennung als ethnische Minderheit gleichkommt.

Wer sind sie eigentlich, diese Menschen, die sich Slazacy nennen? Gemeint ist damit, dass diese Menschen sich als Oberschlesier fühlen. Die heutige Woiwodschaft Slask entspricht nicht der historischen geografischen Region Schlesien, die Oberschlesier in Polen leben überwiegend in der Woiwodschaft Oppeln. Oberschlesien bildete immer den Grenzraum zwischen deutschen und polnischen Einflüssen, hier trafen sich die Kuklturen und bildeten eine eigenständige Verbindung. Erst mit dem Entstehen zuerst des deutschen und dann des polnischen Nationalstaates gerieten die Oberschlesier zwischen alle Stühle. Den einen waren sie zu polnisch, den anderen zu deutsch. Dazu kam die von ihnen im Alltag benutzte Regionalsprache, die von den Deutschen etwas verächtlich „Wasserpolnisch“ genannt wurde.

Die Volkszählung von 2002 brachte das Thema einer oberschlesischen Regionalidentität wieder auf die Tagesordnung. Damals bezeichneten sich 173.000 Bürger als Oberschlesier/Slazacy, als Deutsche hingegen nur 153.000, als Weißrussen nur 49.000. Das Volkszählungsgesetz erklärte die Frage der Volkszugehörigkeit nicht mehr als Frage von Blut und Abstammung, sondern als frei und selbst deklarierte Eigenschaft eines jeden Menschen, die sich auf ein subjektives Gefühl stützt.

Das Oppelner Bezirksgericht berief sich nun bei seiner Entscheidung auf eben dieses Gesetz und genehmigte die Registrierung des „Verbandes der Personen oberschlesischer Volkszugehörigkeit“ nach 14 Jahren des Rechtsstreits. Noch im März 2011 hatte ein Gericht die Registrierung des Vereins als Verband eines ethnischen Minderheit abgelehnt.

Als die Oberschlesier das Urteil Ende Dezember 2011 zugestellt bekamen, zeigte sich „das Gesicht“ der Verbandes und dessen prominentestes Mitglied, der Regisseur Kazimierz Kutz hoch erfreut. In der liberalen polnischen Tageszeitung Gazeta Wyborcza erklärte Kutz, der auch Senator in der zweiten Parlamentskammer Polens ist, er sehe das Urteil als Sieg des oberschlesischen Konzepts der „Einheit in Vielfalt“. Autonomie und kulturelle Eigenständigkeit habe nichts mit Separatismus zu tun, man wolle nicht wie die Basken agieren, sondern eher wie die Bayern, erläuterte Kutz. Einmal als ethnische Minderheit anerkannt, würden die Oberschlesier dann auch von staatlichen Hilfen nach dem polnischen Minderheitengesetz profitieren und die zur Pflege von Kultur und Tradition nutzen, fügte Kutz hinzu.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".