Polen: Schriftsteller Slawomir Mrozek gestorben

Slawomir Mrozek, Foto: Pastellkreidezeichnung von Edward Knapczyk, CC-BY-SA-3.0Polens großer Dramatiker Slawomir Mrozek (1930-2013) ist tot. Der 83-jährige Schriftsteller starb am Donnerstag den 15. August in Nizza/Südfrankreich. Großes Thema in seinem Werk – vor allem in seinen Erzählungen und Theaterstücken – war die Unterdrückung des Individuums durch totalitäre Regime. In seinen Dramen zeigt Mrozek die Ohnmacht des Einzelnen dem totalitären Staat gegenüber und die Schwierigkeit, gleichzeitig aber auch die Notwendigkeit, alle Ideologien mit kritischer Distanz zu betrachten. Seine Schilderungen der Kapitulation des Bürgers dem totalitären System gegenüber machen die ganze Groteske und Absurdität dieses Alltags. In sofern war Mrozek mehr als nur Wegbereiter des absurden Theaters und seine Werke erinnern an Samuel Beckett. Jean Genet oder Eugene Ionescu.

Gleich sein Debütwerk „Die Polizei“ war eine Parabel auf das Leben in den Ostblocksystemen. In dem Werk erfindet ein Sicherheitsapparat eine Oppositionsbewegung, die er dann verfolgen kann. Weltbekannt wurden Grotesken wie „Tango“ (1964), das mit dem zum Totalitarismus abrechnete und zum Kanon des modernen Theaters gehört und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Zu Mrozeks bekanntesten Werken zu zählen ist auch „Die Emigranten“, das von dem polnischen Top-Regiesseur und Oscar-Preisträger Andrzej Wajda verfilmt wurde.

Nach der Wende 1989 ging es Mrozek wie vielen anderen polnischen Schriftstellern und Filmschaffenden. Die nach 1989 veröffentlichten Werken erreichten nicht mehr die Aufmerksamkeit, wie die früheren Arbeiten. Die Themen der Stücke hatten sich überlebt, die Kunst des filigranen, subtilen Schreibens und Verpacken des wesentlichen Inhalts zwischen den Zeilen war nicht mehr nötig. Doch besteht in den Kulturredaktionen polnischer Medien Übereinstimmung, dass modernes polnisches Theater ohne das Schaffen Mrozeks nicht denkbar ist.

Mrozek war zuletzt zur Aufführung seines Stücks „Karneval“ in Polen, für das sein deutscher Partner, der Diogenes-Verlag die Übersetzung vorbereitet. Der 1930 in Borzecin nicht weit von Krakau entfernt geborene Mrozek emigrierte schon in den 1963 zunächst nach Italien und bat nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 in Frankreich um politisches Asyl und hielt sich zeitweilig auch in Deutschland auf, wo seine erste Frau, die Malerin Maria Obremba starb. Vor der Rückkehr nach Polen 1996 lebte Mrozek einige Jahre in Mexiko. Zuletzt lebte der Schriftsteller seit 2006 mit seiner zweiten Ehefrau, der mexikanischen Theaterregisseurin Susana Osorio Rosas bei Nizza in Südfrankreich, 2007 erhielt Mrozek die französische Staatsbürgerschaft.

Mrozeks polnischer Verlag „Wydawnictwo Literackie“ teilte mit, die Beerdigung finde auf Wunsch Mrozeks in Krakau statt. Der Termin sei noch nicht bekannt.

Weitere Literatur von Slawomir Mrozek

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1454 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".