Polen: Statistikamt korrigiert Zensusergebnisse für nationale und ethnische Minderheiten

GUS-Raport, Cover des Volkszählungsberichts Von Anfang an waren manche Ergebnisse der polnischen Volkszählung von 2011, so wie sie vom polnischen Statistischen Hauptamt GUS zusammengestellt und veröffentlicht wurden, umstritten. Vor allem die Vertreter der nationalen und ethnischen Minderheiten Polens und Experten bezweifelten die richtige Bewertung der im Zensus ermittelten Zahlen. So mussten im März des vergangenen Jahres publizierten Daten über die nationalen und ethnischen Minderheiten in Polen erstmals im Juli 2012 korrigiert werden.

Doch auch diese zweiten Zahlen bezeichneten Experten, wie der Demograf Dr. Kazimierz Szczygielski als falsch. Generell sieht der Wissenschaftler eine Volkszählung als kein geeignetes Instrument, um die Zahl der Angehörigen einer ethnischen oder nationalen Minderheit zu ermitteln.

Erst der Ende Januar 2013 veröffentlichte dritte Bericht des Statistischen Hauptamts scheint nun sowohl die Minderheitenverbände als auch Wissenschaftler und Experten  zufrieden zu stellen. Das Statistische Hauptamt Polens korrigierte hierin die Auswertung der Zensusdaten die Minderheiten betreffend. Bei den früheren Bewertungen der Zahlen hatte man beim GUS ethnische und nationale Minderheiten betreffenden Zahlen zu stark nach unten korrigiert, da man angenommen habe, dass sich viele Bürger sowohl im Internet als auch bei den persönlichen Befragungen im häuslichen Milieu – also doppelt – als Angehörige von Minderheiten bekannt hatten, lautete die Erklärung für den Fehler.

Die korrigierten Zahlen der Minderheiten-Angehörigen sehen nun so aus:

  • Schlesier:  847.000 (zuvor 809.000)
  • Kaschuben: 233.000 (zuvor228.000)
  • Deutsche: 148.000 (zuvor 109.000)
  • Ukrainer 51.000 (zuvor 48.000).
  • Weißrussen: 47.000 (zuvor 16.000)
  • Roma: 17.000 (zuvor 7.000)
  • Russen: 13.000 (zuvor 7.000)
  • Lemken: 11.000 (zuvor 4.000)
  • Litauer: 8.000 (zuvor 3.000)
  • Juden: 8.000 (zuvor 5.000)

Bernard Gaida, der Vorsitzende des Verbandes deutscher Gesellschaften in Oppeln erklärte sich zufrieden, seien doch die nun festgestellten Zahlen, dass die Minderheiten in Polen nicht schrumpfen würden, auch nicht die deutsche Minderheit. Seiner Meinung nach, gibt auch diese Zahl nicht die wirkliche Zahl der Deutschen in Polen an, er schätzt deren Zahl auf etwa 300.000 Menschen.

Schon lange sehen die Verbände der deutschen Minderheit Volkszählungen und quasi amtliche Befragungen als untaugliche Mittel zur Feststellung der Zahlen bei Minderheiten an. Das bekräftigt auch Rafal Bartek, der Direktor des Gleiwitzer Hauses für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit. Er fragt sich, ob so ein Zensus, der Millionen Zloty koste, überhaupt Sinn macht. Schon lange sind Vertreter der nationalen Minderheiten skeptisch dem Wahrheitsgehalt der Auskünfte der befragten gegenüber. In den Jahrzehnten der Unterdrückung in der Volksrepublik hat, hat sich die Haltung, solche Fragen lieber nicht wahrheitsgemäß zu beantworten quasi verfestigt, weshalb viele Menschen bis heute Angst haben, Nachteile zu erleiden.

 

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".