Polen: Terroranschlag auf den Sejm verhindert

Polnisches Parlamentsgebäude Sejm in Warschau, Foto: Wikimedia Commons, Piotr Drabik

In Polen ist ein Terroranschlag nach dem Muster des Osloer Anschlags durch den rechtsradikalen Anders Breivik vereitelt worden. Entsetzen herrschte am Dienstag in Polen, als diese Meldung von den polnischen Medien verbreitet wurde. Auch bei diesem Attentatsplan gab es einen rechtsextremen Hintergrund. Die Tatmotive sind Fremdenhass, Antisemitismus und übersteigerter Nationalstolz.

Die polnische Agentur für Innere Sicherheit (ABW) und Staatsanwalt Mariusz Krason erklärten Journalisten gegenüber in Warschau gegenüber, ein polnischer Nationalist habe zusammen mit Gesinnungsgenossen geplant, das polnische Parlamentsgebäude zu einem Zeitpunkt in die Luft zu sprengen, an dem sowohl der Präsident, als auch Regierung und Parlamentsabgeordnete anwesend sein mussten. Das wäre bei den Haushaltsdebatten im Dezember der Fall gewesen.

Der mutmaßliche Kopf der Terrorzelle sei bereits am 9. November in Krakau festgenommen worden. Er sei intensiv verdeckt beobachtet worden, nachdem es bereits im vergangenen Jahr erste Hinweise gegeben habe. So sei man auch den möglichen Mittätern auf die Spur gekommen. Weiter hieß es, bei dem Hauptverdächtigen handele es sich um Brunon K., einen 45-jährigen wissenschaftlichen Mitarbeiter des agrarwissenschaftlichen Instituts der Universität Krakau der dort durch seine berufliche Tätigkeit Zugang zu Materialien gehabt habe, die zum Bombenbau zweckentfremdet werden könnten. So habe Brunon K. schon im September mit Sprengstoff experimentiert und eine 250-Kilogramm-Bombe gezündet haben. Wie die Staatsanwaltschaft erklärte, habe Brunon K. für das Attentat eine LKW-Bombe mit vier Tonnen Sprengstoff bauen wollen (Breiviks Bombe hatte 950 kg Spregstoff)  und vor dem Parlament deponieren wollen. Die Tageszeitung Gazeta Wyborcza berichtet darüber in einem Artikel mit Skizze der Planung.

Staatsanwalt Krason bestätigte, dass der Hauptverdächtige dabei war, eine Terrorzelle zu gründen, und bereits zwei Mittäter angeworben habe, denen er Aufgaben zugewiesen habe. Man habe bei Brunon K. zahlreiche Waffen mit über tausend Schuss Munition gefunden, dazu kugelsichere Westen und Stahlhelme. Der Möchtegernterrorist sei teilgeständig, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Brunon K. habe sich auf das Vorbild Anders Breivik berufen und den Oklahoma-Bomber Timothy McVeigh, der 1995 bei einem Attentat in Oklahoma-City168 Menschen getötet hatte. Er vertrete die Meinung, die Lage im Land verschlechtere sich, weil die Regierung aus Personen bestünde, die keine wahren Polen seien, fügte Staatsanwalt Krason an.

Tatsächlich hatte Breivik Kontakte nach Polen und beschaffte sich dort auch Sprengstoff. Das war den polnischen Sicherheitsbehörden von den Osloer Kollegen mitgeteilt wurden. Als die ABW diesen Spuren nachging, kam man schnell auf Brunon K., der bisher nur durch die Internetverbreitung rechter Pamphlete unter dem Namen borazol aufgefallen war, gehörte keiner Organisation an.

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk erklärte Journalisten gegenüber, die Vorgänge zu einer neuen, dramatischen Erfahrung in einem Land, das bisher keine Terroranschläge kannte. Es sei aber höchste Zeit, dass ein Umdenken in Polen einsetze, denn in letzter Zeit seien die Diskussionen immer polemischer geführt worden. Dies sei ein Signal, auf die Sprache des Hasses zu verzichten. Gemeint war damit zuvorderst die kürzliche Attacke des Vorsitzenden der Oppositionspartei PiS Jaroslaw Kaczynski, der Tusk beschuldigt hatte ihn umbringen oder verbrennen zu wollen. Doch was auch immer passiert, bleibt Kaczynski seiner Linie bei, die PiS und ihre Mitglieder als „die“ Opfer zu positionieren und ließ durch seinen Intimus Antoni Macierewicz verkünden, der Anschlag sei zuallererst gegen die PiS gerichtet gewesen, denn die Präsidentenloge im Sejmgebäude befände sich schließlich genau über den Plätzen der PiS-Abgeordneten.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".