Polens Top Ten Sehenswürdigkeiten

Polen auf den Spuren der UNESCO entdecken

Die Marienburg (Malbork) an der Nogat, Foto: B.Jäger-Dabek

Die Marienburg (Malbork) an der Nogat,

Polen ist ein Land mit grandiosen vielfach noch ursprünglichen Landschaften, einer reichen Kultur, und einer wechselvollen Geschichte, die einen unbändigen Freiheitsdrang und Behauptungswillen demonstriert, der zu dem Motto “nie damy sie/wir lassen uns nicht unterkriegen” verdichtet wurde. Auch diesen Aspekt Polens honoriert die UNESCO mit ihrem Welterbe-Programm, in dem sie die unter unendlichen Mühen nach dem Krieg wieder aufgebaute Warschauer Altstadt in die Weltkulturerbeliste aufnehm.

Die UNESCO-Liste des Welterbes schützt unersetzliche Zeugnisse vergangener Kulturen und einzigartige Naturlandschaften. In Polen gehören 13 Objekte zu diesen Liste. Sie stellen auch für den Reisenden die Highlights der polnischen Sehenswürdigkeiten dar.

Hala Stulecia/Hala Ludowa/Jahrhunderthalle Breslau

Die von Max Berg geplante Hala Stulecia wurde anlässlich der Hundertjahrfeier der Völkerschlacht bei Leipzig 1913 in Breslau, dem heutigen Wroclaw aus Stahlbeton errichtet. Sie war seinerzeit mit ihren 65 Metern Kuppelradius die größte Kuppelhalle der Welt und ein Wegbereiter der architektonischen Moderne.

Holzkirchen im Süden Kleinpolens
In der Mittelgebirgslandschaft im Südosten  Polens gibt es zahlreiche, teils mehrere Jahrhunderte alte  hölzerne Kirchen, die allesamt von einfachen ortsansässigen Handwerkern geschaffen wurden. Sechs dieser Kirchen stehen auf der Liste des UNESCO-Welterbes: Binarowa, Blizne, Debno, Haczow, Lipnica Murowana und Sekowa.

Muskauer Park/ Muzakowski
Der sich beiderseits der Neiße und damit sowohl in Polen als auch in Deutschland erstreckende Landschaftspark gilt als einer der größten und schönsten Europas. Prinz Hermann Pückler-Muskau schuf den Park zwichen 1815 bis 1844. Mit seinem Geflecht von wechselnden Landschaftsbildern setzte er weltweit neue Maßstäbe in der Landschaftsarchitektur  in Europa und Amerika. Dabei nutzte er die reizvolle Lage an den Hangterrassen des Neißetales.

Urwald von Bialowieza
Auf der UNESCO-Liste des Weltnaturerbes steht auch der Urwald von Bialowieza (Puszcza Bialowieska). Er ist das größte natürliche Waldgebiet in Europa und der letzte Rest eines Urwalds, der einst ganz Mitteleuropa bedeckte. Seine Tier- und Pflanzenwelt ist einzigartig. In diesem Urwald lebt der dem Bison ähnliche Wisent, das größte europäische Säugetier. Im Nationalpark  Bia?owie?a kommen 26 Baumarten und 56 Straucharten vor. Das durchschnittliche Alter der Bäume liegt bei 126 Jahren.

Friedenskirchen
Im Jahr 2002 kamen die Friedenskirchen in Swidnica (Schweidnitz) und Jawor (Jauer) als erste Kirchen auf die UNESCO-Liste, die von evangelischen Christen für evangelische Christen errichtet wurden. Die Kirchen durften nur außerhalb der Städte sowie nur aus Holz, Stroh und Lehm errichtet werden. Ein Kirchturm und Glocken waren untersagt und für die Bauzeit wurde nur ein Jahr bewilligt. Die Schweidnitzer Friedenskirche, in der 7000 Menschen Platz finden, verfügt daher über vier Holzemporen, die übereinander angeordnet sind.Sie hat eine reiche barocke Ausstattung. Auf dem nahegelegenen Friedhof sind noch deutsche Gräber erhalten.

Malbork/Marienburg
Die Marienburg ist die größte mittelalterliche Burganlage Europas und war von 1309 bis 1457 Hochmeistersitz des Deutschen Ordens und Zentrum seines Ordensstaates.
Ein zu allen Tageszeiten beeindruckendes riesiges Bauwerk Die Malbork / Marienburg ist ein zu allen Tageszeiten beeindruckendes riesiges Bauwerk die Stein gewordene Macht des Deutschen Ordens.

Torun /Thorn

Torun ist die Stadt des großen Astronomen Nikolaus Kopernikus, der in diesem Haus  1473 geboren wurde und in der Stadt allgegenwärtig ist. Seine These des heliozentrischen Weltbildes, dass die Erde sich um die Sonne dreht, veränderte die Welt.
Die Straßen der Thorner Altstadt mit ihren wunderbar renovierten Häusern laden ein zum Bummeln und Shoppen. Und sie zeigen, dass Torun eine junge Stadt ist, die Kopernikus-Universität ist eine der renommiertesten Hochschulen des Landes.
Nicht nur die Fronten der alten Häuser sind detailgetreu restauriert, auch viele Läden sind liebevoll eingerichtet und verkaufen das beliebteste Souvenier Toruns – Lebkuchen, das ganze Jahr über. Vom westlichen Weichselufer aus besonders gut zu überblicken ist der in seiner Geschlossenheit einmalige mittelalterliche Stadtkern von Torun mit seinen Wehrmauern, Toren und zahlreichen Patrizierhäusern.

Warszawa/Warschau
Auferstanden aus Ruinen – wenn das je für eine Stadt galt, dann für Warschau. Nach dem Ghettoaufstand 1943 und dem Warschauer Aufstand von 1944 hatte die deutsche Besatzungsmacht keinen Stein auf dem anderen stehen gelassen. In einem nationalen Kraftakt wurde die Altstadt wieder errichtet, und auch das Schloss erstrahlt in altem Glanz.
Gemälde von Canaletto bildeten die Vorlage für den Wiederaufbau Warschaus. Heute ist der Altstädtische Marktplatz wieder Zentrum der Altstadt, Touristenmagnet und Treffpunkt der Warschauer.

Krakau/ Krakw
Krakau ist die heimliche , von allen Polen geliebte Hauptstadt und das kulturelle Zentrum des Landes. Der Rynek Glowny / Hauptmarkt mit den dominierenden Tuchhallen ist das Zentrum der Krakauer Altstadt. Hier schlägt das Herz der südpolnischen Großstadt, die im Krieg weitgehend unzerstört blieb. Besonders bequem ist es, einen der schönsten mittelalterlichen Marktplätze Europas und seine Umgebung mit einem der Fiaker kennenzulernen, einem unverkennbar habsburgischen Erbe. Von der Marienkirche erklingt um zwölf Uhr das berühmte historische abreißende Trompetensignal des Türmers, das via Radio in  ganz Polen verkündet, dass es nun Mittag ist. Highlight der Kircheneinrichtung ist der Altar, der den Höhepunkt im Schaffen von Veit Stoss darstellte. Der Wawel-Berg mit dem mächtigen alten Königsschloss und der Kathedrale dominiert Krakaus Altstadt. Dort war bis ins 16. Jahrhundert hinein der Krönungsort und die Grabeskrypta der polnischen Könige. Noch heute gilt Krakau als heimliche und kulturelle Hauptstadt Polens.Auch Spuren des jüdischen Lebens werden sorgsam wieder hergerichtet im Krakauer Stadtteil Kazimierz rund um die Szeroka-Straße. Hier spielte der Film Schindlers Liste.

Auschwitz-Birkenau/Oswiecim-Brzezinka
Nur eine Autostunde von Krakau entfernt liegt Auschwitz, dieser Ort millionenfachen Leidens und Mordens, ein Ort, für den es kaum angemessene Worte gibt. Auch das Konzentrationslager mit der perfiden Eingangstafel Arbeit macht frei steht auf der UNESCO-Liste des Welterbes. 1940-45 haben Deutsche hier 1,1-1,5 Mio. Juden, Kriegsgefangene, Polen, Roma, Homosexuelle, politische Häftlinge und Russen ermordet. Als die sowjetischen Truppen am 27. Januar 1945 Auschwitz erreichten, waren in dem kurz zuvor aufgelösten Lager nur noch einige Tausend Häftlinge am Leben.

Salzbergwerk Wieliczka/Kopalnia Wieliczka
Schon seit dem 13. Jahrhundert wird in Wieliczka Salz auf neun Hautsolen bis in über 300 Meter Tiefe gefördert. Die gesamte Anlage mit dem Salinenmuseum und den unzähligen, von Bergleuten aus dem Salz herausgeschlagenen Skulpturen sind weltweit einmalig.
Nicht nur ein kulturhistorisch bedeutsamer Ort ist das südöstlich von Krakau gelegene Wieliczka, sondern auch ein bekannter Kurort. Das Besondere ist, dass dieses Kurzentrum zur Behandlung von Atemwegserkrankungen in der salzhaltigen Luft unter Tage in über 200 Metern Tiefe liegt.

Kalwaria Zebrzydowska
Vierzig Kilometer südwestlich von Krakau liegt in Kalwaria Zebrzydowska das zweitgrößte Marienheiligentum Polens mit dem nachgebauten Kreuzweg von Jerusalem.
Die Bauidee stammt von dem Krakauer Woiwoden Mikolaj Zebrzydowski, der im 17. Jh. lebte und in den umliegenden Hügeln eine Ähnlichkeit mit Jerusalem sah. Zuerst wurden das Bernhardinerkloster und eine Kirche errichtet. Später entstanden viele, durch Bauten Jerusalems inspirierte Objekte. Einer der Berge wurde zu Golgota, ein anderer zum Ölberg und der Fluss zum Bach Cedron umbenannt. Die 40 Kapellen und kleinen Kirchen liegen malerisch auf den umliegenden Hügeln und im Cedron-Tal verstreut. In der Karwoche finden hier Passionsspiele mit Hunderttausenden Menschen statt.

Zamosc
Als Padua des Nordens im 16. Jahrhundert vom italienischen Baumeister Barnardo Morando entworfen, ist Zamosc am Reißbrett entworfen worden. Zentrum ist der Große Marktplatz / Rynek Wielki mit den Arkaden und Laubenhäusern, sowie dem Rathaus mit Turm und repräsentativer Freitreppe sowie der Kathedrale. Das Ensemble der Altstadt von Zamosc hat seine Bedeutung in der einzigartigen Verschmelzung italienischer, ost- und mitteleuropäischer Architektur. Die fast komplett erhaltene Renaissancestadt ist auch als Objekt der Denkmalspflege das Idealbild einer Stadt und ein einzige Werbebild polnischer Restauratorenkunst.

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1460 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".