Polen: Tusk und Die Glücksspielbranche

Ministerpräsident Donald Tusk ist beim Großreinemachen, in seiner Partei Bürgerplattform PO, innerhalb seines Kabinetts, und weil er nun mal so schön dabei ist, kommt jetzt gleich die ganze Glücksspielbranche dran: Der Glücksspielmarkt soll drastisch eingeschränkt werden. Grund dafür sei nach Tusk aber in erster Linie der Schutz der Jugend vor der Speilsucht.

Weiter kündigte Tusk bei einer Pressekonferenz am 27. Oktober 2009 an, dass es bis 2014 in Polen keine Glücksspielautomaten mehr im öffentlichen Raum geben soll, Das wäre das Ende der Glücksspielautomaten in Spielhallen, Bars, Cafes, Tankstellen oder Bahnhöfen. Nach dieser Entfernung aus dem öffentlichen Raum sollten solche Automaten nur noch in Spielkasinos aufgestellt werden. Ein neuer Gesetzesentwurf soll außerdem die monatlich für einen Glücksspielautomaten fällige Steuer von umgerechnet 180 Euro auf künftig 480 Euro anheben.

Nach im Juli vom Finanzministerium veröffentlichten Zahlen gaben die Polen im Vorjahr um die 17 Milliarden Zloty für Glücksspiele aus, mehr als für Alkohol und Zigaretten und fünf Milliarden mehr als 2007. Mit seiner Traumwachstumsrate von fast 48% ist Polen einer der am schnellsten wachsenden Glücksspielmärkte Europas. Die Glücksspielbranche hat von der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise nichts mitbekommen. Schuld daran sind vor allem die fast 80 000 Spielautomaten, die fast die Hälfte des Glücksspielumsatzes einbringen. Nicht nur die Zahl der Spielautomaten verdoppelte sich nahezu im letzten Jahr, auch die Einsatzsumme stieg um fast 75% auf 8,5 Milliarden Zloty.

Die polnische Staatslotterie kann mit diesem Wachstum nicht mithalten, sie setzt derzeit um die 3,5 Milliarden Zloty um mit ihren Lottoscheinen wie dem Dzy Lotek 6 aus 49, mit seinem garantierten Millionengewinn bei sechs Richtigen und den Geld-und Sachgewinnen der Lotterielose. Auch Buchmacher erfreuen sich wachsenden Zuspruchs, besonders Sportwetten beginnen zu boomen. Trotze des Verbots von Internet-Wetten in Polen gibt es längst jede Menge im Ausland betriebener polnischsprachiger Internetauftritte, die den polnischen Markt abdecken.

Die Oberaufsicht über dien gesamten Glücksspielmarkt mit den 30 zugelassenen Glücksspielvarianten einschließlich der Spielcasinos hat das polnische Finanzministerium. Vom stellvertretenden Finanzminister und Chef des polnischen Zolls Jacek Kapica  stammt der Gesetzesentwurf, den die Glücksspiellobby unbedingt verhindern wollte, da sie finanziell erheblich mehrbelastet worden wäre. Besonders Ryszard Sobiesiak und Jan Kosek, die Chefs von Casinos Poland, deren Gesprächsprotokolle von der Rzeczpospoilta veröffentlicht wurden, betrieben eine Intrige, die zur Ablösung Kapicas führen sollte.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".