Polen und der Gas-Streit

Am Mittwoch den 7. Jaunar 2009 hat Russland die Gaslieferungen über die Ukraine nach Westeuropa komplett gestoppt, erklärte Gazprom-Vize Alexander Medwedew. Grund für die zugedrehten Gashähne sind von der Ukraine nicht beglichenen Schulden aus Gaslieferungen von Gazprom in Höhe von 2 Milliarden Dollar. Russland deckt ein Viertel des europäischen Gasbedarfs und drei Viertel aller Lieferungen in die EU laufen durch die Ukraine.

Inzwischen leitet Gazprom erhöhte Mengen Erdgas über die Nordpipeline durch Weißrussland und Polen nach Deutschland. Man bekomme jetzt mehr russisches Erdgas an der deutsch-polnischen Grenze, ließ Gerhard König, Geschäftsführer des Energieunternehmens Wingas verlauten.

Die Regierungen der EU-Staaten suchen nun nach einem Ausweg aus der Gas-Krise. Auch Polen ist aktiv geworden, denn die Abhängigkeit vom mächtigen Nachbarn in solch einem heiklen Bereich weckt  alte Ängste. Die Situation aus der Sicht der EU sei gefährlich, verkündete Präsident Kaczynsk  beim Abflug zum Arbeitsbesuch in Tschechien. Die Union müsse sich vor allem darauf konzentrieren, Alternativen zum russischen Gas zu finden, sagte Kaczynski. Nicht nur der Präsident und seine Partei PiS, auch die regierende Bürgerplattform PO von Ministerpräsident Tusk wünscht eine stärkere Rolle der EU im Gasstreit.

Polen müsse trotz des Lieferstopps keinen Mangel an Gas befürchten, erklärte Wirtschaftsexperte Andrzej Szcz?sniak dem Polnischen Rundfunk gegenüber. „Momentan erhält Polen genügend Gasmengen über die weißrussischen Pipelines. Wenn der Frost nicht zu groß ist, dann wird Polen den Gaskrieg nicht zu spüren bekommen,“ schätzte Szczesniak die Lage ein.Auf den Ernstfall sei man aber in jedem Fall vorbereitet, beruhigte Vizepremier Waldemar Pawlak seine Landsleute, denn Polen habe Gasreserven für mindestens einen Monat.

(c)Brigitte Jäger-Dabek

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".