Polen: Von Weltmeistern und Blamagen neuer Regierungen

Volleyballgroßmacht Polen, Foto: Piotr Drabik, CC-BY-2.0

Da kann heute in der Welt passieren was will, man muss sich schließlich auch einmal so richtig aus ganzem Herzen freuen können: Polacy mistrzami! Polen ist Weltmeister, Volleyballweltmeister und dieser 3:1-Sieg gelang auch noch in der Spodek Arena Katowice im eigenen Land gegen Ex-Weltmeister Brasilien. Auf diesen Titel hatte die vom Volleyball begeisterte Nation 40 Jahr warten müssen, entsprechend riesig die Freude nun wieder eine Volleyballgroßmacht zu sein..

Sport ist ja eine einfache Sache, denn aller freuen sich, egal aus welchem politischen Lager, egal ob braver Kirchgänger oder nicht, ja es ist sogar egal, ob reich oder arm. Und eine Portion Stolz ist dabei, nicht nur, dass Polen diesen Titel zum zweiten Mal errungen hat, sondern auch, weil die Nation damit bewiesen hat, dass sie fähig ist, Großereignisse wie eine Weltmeisterschaft auszurichten. Ein etwas wehmütiger Rückblick geht nach 2012, nicht wegen des damals ausgebliebenen Erfolgs, sondern wegen der damaligen Partnerschaft mit der Ukraine. Wo damals Fußball gespielt wurde wie in Donezk, herrscht heute Krieg. Man beginnt – etwas auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt – darüber nachzudenken, dass es Polen verglichen mit der Ukraine gut geht als EU-Mitglied und unter dem NATO-Schutzschild.

Im großen Freudentaumel ging sogar der erste große Fauxpas der neuen Regierungschefin Ewa Kopacz fast unter. Doch heute ist ein anderer Tag, der Tag, an dem Ewa Kopacz vom bisherigen Amt der Parlamentspräsidentin zurücktrat und danach mit ihrem Kabinett vor dem Staatspräsidenten Bronislaw Komorowski vereidigt wurde. Und da wird die erste große Blamage der alleinerziehenden Mutter weidlich von der Boulevardpresse breitgetreten. Dabei war der Fauxpas schon am Freitag nach der Vorstellung ihres Kabinetts geschehen, war nur ob des kollektiven Freudentaumels einfach vertagt worden.

Ewa Kopacz hatte sich vor laufenden Kameras (TVN24) auf die Frage, ob Polen der bedrängten Ukraine Waffen liefern solle, geantwortet, Polen sollte so sein wie eine vernünftige Polin, die sich nun erst einmal um Heim und Kinder kümmern werde. Die Kritik war heftig bis knallhart, vor allem seitens der Boulevardpresse wie vom Super Express der meinte, die Rolle einer Premierministerin sei offenbar zu groß für eine orientierungslose Ewa Kopacz. Dieses Debut lasse daran zweifeln berichtet dort Tomasz Walczak, er habe sich für diesen Auftritt der neuen Premierministerin geschämt. Andere kommentierten, Ewa Kopacz war als neue Margaret Thatcher angekündigt, aber es kam Monty Pytghon.

Inzwischen war im Fernsehsender TVN24 erstes Störfeuer gegen Ewa Kopacz zu hören. Es kam ausgerechnet aus dem Präsidentenpalast. Hatte man zuvor von dort die Meinung gehört, es wäre wohl besser, die von der Abhöraffäre kompromittierten Politiker – unter ihnen auch Ex-Außenminister Sikorski – sollten der neuen Regierung nicht mehr angehören, sieht Präsidentenberater Tomasz Nalecz das heute ganz anders: man brauche Radoslaw Sikorski im Interesse der Kontinuität und wegen seiner guten Kontakte und seiner im Ausland hohen Reputation.

Der Alltag hat die Polen wieder …

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1501 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".