Polens größtes Volksfest: 750 Jahre Dominikanermarkt in Danzig

Dominikanermarkt in DanzigDanzig/Gdansk feiert In diesem Sommer den 750. Geburtstag des traditionsreichen Dominikanermarkts. Zum größten Volksfest Polens werden in den drei Marktwochen vom 31. Juli bis zum 22. August 2010 mehrere Millionen Besucher in der Danziger Altstadt erwartet.

Am 5. August 1260, dem Tag des heiligen Dominikus, hatte Papst Alexander IV. dem Danziger Dominikanerorden ein Ablassprivileg gewährt und schuf damit die Grundlage für den Dominikanermarkt, der seitdem alljährlich im August abgehalten wird und sich zum Anziehungspunkt für Händler, Gaukler und Schauspieler aus dem In- und Ausland entwickelte. Ein päpstlicher Nuntius beschrieb im 16. Jahrhundert, wie zum Dominikanermarkt im Danziger Hafen mehr als 400 Schiffe einliefen, „beladen mit französischem und spanischem Wein, Seide, Konfitüren und anderen spanischen Erzeugnissen, mit portugiesischen Gewürzen, englischem Zinn und Tuchen.“

Im Kriegssommer 1944 fand der Dominikanermarkt zum letzten Mal statt in deutscher Regie statt, erst 1972 griff man in Polen die alte Tradition wieder auf. Seitdem findet der von den Danzigern liebevoll „Dominik“ genannte Markt wieder jedes Jahr statt. Und er ist gewachsen: Inzwischen dauert er mehr als drei Wochen und umfasst einen großen Teil der Alt- und der Rechtstadt. Mehr als 1.000 Händler bauen dort ihre Stände auf, an denen man Kunstgewerbe, Kleidung, Lebensmittel und allerlei Nippes erwerben kann. Am Ufer der Motlawa  (Mottlau) wird ein großer Flohmarkt veranstaltet. Auf zahlreichen Bühnen treten in dieser Zeit Musiker und Schauspieler auf.

Im Jubiläumsjahr hat man ein besonderes Programm zusammengestellt. Nach dem symbolischen Einzug der Ratsherren in ihren historischen Kostümen über den Königsweg findet am Mittag des 31. Juli ein Konzert auf der größten und schwersten Trommel der Welt statt. Zehn Meter Durchmesser haben ihre Membrane, das Instrument wiegt mehr als drei Tonnen. Spektakulär geht es am Abend vor dem Rechtstädtischen Rathaus mit einer Musik- und Lichtshow weiter. Auf einer vertikalen Bühne wollen die Musiker während ihres Auftritts den Gesetzen der Schwerkraft trotzen. Mit einem Großfeuerwerk über der Speicherinsel klingt der Eröffnungstag aus.

Ein Umzug von Dominikanern wird an den 750. Jahrestag der Verleihung des Ablassprivilegs erinnern. Es gibt Folklorekonzerte auf dem Dlugi Targ, dem Langen Markt im Herzen der Hansestadt, Kammerkonzerte, eine Nacht des Bernsteins, eine exklusive abendliche Modenschau im Freien, Präsentationen der heimischen Handwerker und Kunstinstallationen an der Fassade des Rathauses. Mit einer Aufführung wird an die heimliche Romanze des Astronomen Nikolaus Kopernikus mit Anna Schilling in Danzig erinnert. Natürlich darf zum 200. Geburtstag von Frederic Chopin auch dessen Musik nicht fehlen. Star eines Chopin-Konzertes am 14. August ist der erst 12-jährige polnische Ausnahme-Pianist Piotr Pawlak.

Ein fester Bestandteil des Dominikanermarktes sind die Tage der deutschen Kultur, die vom 22. bis 24 August auf dem Langen Markt stattfinden werden. Deutsche Regionen, Unternehmen und Institutionen werden sich dort präsentieren und auf der Bühne treten Künstler aus Deutschland auf.

Während der drei Wochen zählte man in den vergangenen Jahren bis zu acht Millionen Besucher aus Polen und dem Ausland. Traditionell finden in der Zeit des Dominikanermarktes auch andere hochkarätige Veranstaltungen wie das Internationale Shakespeare-Theaterfestival oder das Carillon-Festival statt.


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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".