Polens Währung unter Druck

Der Zloty schwächelt

Deutsche Grenzgänger und Touristen frohlocken derzeit, denn seit 2006 war der polnische Zloty nicht so schwach wie zum Jahreswechsel 2008/2009. Zwischen 2004 und Mitte 2008 schien die Aufwertungstendenz gegenüber dem Euro permanent und stabil. Doch nun hat die internationale Finanzkrise auch Polen erreicht und der Zloty gab dem Euro binnen weniger Wochen um fast ein Drittel nach. Der Kurs liegt derzeit bei rund vier Zloty für einen Euro, man bekommt also so viele Zloty für seine Euro eingetauscht, wie schon seit 2006 nicht mehr – ein Ende der Dynamik ist derzeit nicht absehbar.

Die internationale Kreditkrise hat auch in Polen eine Wirtschaftsschwäche ausgelöst. Die Schwellenländer und EU-Neumitglieder wie Polen trifft die drastisch geschrumpfte Risikoneigung ausländischer Investoren besonders hart, zumal Kreditkonditionen am internationalen Geldmarkt schlagartig restriktiver wurden. Das zwingt auch die polnischen Banken, für die es immer schwieriger wird, sich Geld zu besorgen, die Kreditbedingungen zu verschärfen. Das trifft sowohl polnische Firmen wie auch den privaten Konsumenten, der sich seine Wünsche künftig nicht mehr so leicht durch Kredite erfüllen kann.

Obendrein hatte sich Polen mit dem EU-Beitritt rasch zu einem Exportland entwickelt. Doch die Nachfrage nach polnischen Gütern geht wegen des Konjunktureinbruchs im westlichen Europa zurück. So nehmen die Wachstumsraten vor allem im polnischen Einzelhandel genauso ab wie die der Löhne.

Profitieren tun von der Entwicklung die Einzelhandelsbetriebe und Tankstellen  in Nähe der deutschen Grenze. Die Deutschen fahren wieder verstärkt zum Einkaufen nach Polen, kein Wunder, wenn das Benzin nun wieder wie früher nur gut einen Euro kostet.

(c)Brigitte Jäger-Dabek

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".