Polnische Pflegekräfte ins Haus holen?

Nicht mehr allein mit polnischen Pflegekräften, Foto: Joxemai, CC-BY-SA-3.0

Wer einen pflegebedürftigen Angehörigen hat, wird ihm gern auch den Wunsch erfüllen wollen, seinen Lebensabend zu Hause in der gewohnten Umgebung mit all den liebgewordenen Gegenständen verbringen zu können. Buchstäblich die Preisfrage dabei ist, wie das finanziell gestemmt werden soll, denn kaum eine Rente reicht für die damit verbundenen Kosten aus. Das gilt vor allem dann, wenn man mit den Leistungen der Pflegestufe1 zurechtkommen muss, weil der Angehörige nicht etwa bettlägerig ist, sondern im Alltag nicht mehr allein klarkommt, ständig Hilfe braucht oder die Sturzgefahr besonders hoch ist.

Schnell kommen pflegende Angehörige da an ihre Grenzen und erkennen, dass Pflege und Betreuung allein nicht zu stemmen sind. Können Pflegekräfte aus Polen da eine wirkliche Alternative sein, kann man sich mit ihnen überhaupt verständigen und ist das überhaupt legal, fragen sich viele Angehörige.

Wer schon einmal erlebt hat, wie liebevoll polnische Pflegekräfte mit ihren Pfleglingen umgehen, wie sie von ihnen vorbehaltlos angenommen und wie eigene Familienangehörige umsorgt werden, wird sich diese warmherzige Lösung gern auch für den eigenen Angehörigen wünschen. Polnische Pflegekräfte stehen vor allem für das, was in unserem durchkalkulierten Pflegesystem auf der Strecke geblieben ist: für das bisschen menschliche Wärme und Zuwendung, die das Leben im Alter auch mit größer werdenden Einschränkungen lebenswert machen.

Warum polnische Pflegekräfte gern nach Deutschland kommen? Sie erhalten hier 850-1000 € netto plus Kost und Logis. Das in Deutschland erzielbare Einkommen liegt so über dem polnischen Durchschnitt, weshalb weit über 100.000 Polinnen als Altenbetreuerin oder Pflegerinnen in Deutschland tätig sind. Vielfach sind diese Pflege- und Betreuungskräfte Frauen mittleren Alters, deren Kinder aus dem Haus sind und die nun etwas dazuverdienen möchten. Sie sind – bei legalen Modellen – geschult und haben Deutschkenntnisse.

 

Dazu braucht sich niemand auf dem grauen Markt umzusehen, denn Pflegekräfte aus Polen können vollkommen legal in Deutschland tätig werden. Dazu gibt es verschiedene Modelle.

Die selbstständige Altenpflegerin

Bei diesem Modell kann eine Pflegekraft in Deutschland selbstständig tätig sein und muss Steuern und alle anfallenden Abgaben selbst abführen. Dazu legt sie Entlohnung und Arbeitszeit selbst fest. Dieses Modell ist problematisch und nicht zu empfehlen. Da die Pflegekraft im Haushalt des Pfleglings lebt und rund um die Uhr für ihn da ist, besteht hier immer der Verdacht der Scheinselbstständigkeit, da es sich ausschließlich um einen Kunden handelt, sie ihre Arbeitszeit nicht selbst festlegt und dazu im Kundenhaushalt wohnt. Probleme sind bei dieser Lösung vorprogrammiert.

Das Arbeitgeber-Modell

Hierbei wird der deutsche Auftraggeber zum Arbeitgeber und muss nun selbst einen Arbeitsvertrag mit der Polin schließen, sowie Lohnsteuer und Beiträge zur Sozialversicherung  abführen. Er muss also die polnische Pflegekraft bei der Sozialversicherung, der Unfallversicherung, der Arbeitsagentur und der Meldebehörde seiner Gemeinde anmelden. Das ist ein hoher Aufwand und mit rechtlichen Fallstricken versehen.

Die Altenpflegerin ist in Polen beschäftig und wird nach Deutschland entsendet.

Bei diesem System sind Sie auf der sicheren Seite. Die polnischen Pflegekräfte sind in Polen bei einer polnischen Firma angestellt, deren Hauptgeschäftsfeld in Polen liegt. Dies wird sichergestellt durch eine sogenannte A1-Bescheinigung der polnischen Sozialversicherung ZUS, die den deutschen Auftraggeber absichert. Möglich macht dies die zum 1.1.2014 auch für Polen eingeführte EU-Freizügigkeit für Arbeitnehmer und das Arbeitnehmerentsendegesetz. Der Clou bei diesem System heißt „Vermittlung“. Eine deutsche Vermittlungsagentur arbeitet mit einem polnischen Pflegedienstleister zusammen, der die Pflegekraft beschäftigt. Dort ist sie sozialversichert, dort zahlt sie Steuern. Der Vorteil: Keine Rechtsunsicherheiten, keine Behördengänge, der deutsche Auftraggeber zahlt an die Vermittlungsagentur und ist deren Vertragspartner. So ist dies ganz klar die zu favorisierende Variante.

Tipps zur Auswahl der Vermittlungsagentur

Bei der Auswahl der deutschen Partneragentur sollte man einige Extras beachten. Meistens sind die polnischen Pflegekräfte für die Alltagsverrichtungen, die Betreuung und den Haushalt zuständig. Braucht Ihr Angehöriger ambulante Pflege, sollte ihre Vermittlungsagentur zur Zusammenarbeit mit deutschen Pflegediensten bereit sein. Dann wird abgeglichen wer was wann macht. Dazu sind Deutschkenntnisse wichtig. Wählen Sie also eine Vermittlungsagentur aus, die polnische Pflegekräfte nach Deutschkenntnissen auswählt, einstuft und auch dementsprechend bezahlt.

 

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1450 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".