Polnische Weine für Entdecker  

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Foto: Wein aus Polen, pixabay.com / PhotoMIX-Company / CC0

Polen ist sicher kein Weinland im klassischen Sinne. Viel öfter kommen Bier oder Wodka auf den Tisch. Doch die polnischen Winzer machen vermehrt von sich reden und folgen damit einer Tradition, die bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht. Die Rebfläche ist mit etwa 700 Hektar noch recht gering und die jährliche Weinproduktion liegt bei circa 300.000 Hektolitern. Doch seit dem Jahre 2005 ist Polen ein EU-anerkanntes Weinland, welches auch international von sich reden macht.

Weine mit Tradition und Zukunft

Bereits im Mittelalter wurde in Westpolen in der Gegend um Zielona Gora (Grünberg) Weinbau betrieben. Der Weinbau in Polen geht vermutlich auf Mönche zurück. Die Grünberger Trauben machten sich früh einen Namen und lieferten 1824 die Grundlage für den ersten deutschen Sekt.

 

Zielona Gora ist seiner Tradition treu geblieben. Jährlich im September wird hier das größte Weinfest Polens gefeiert. Bereits seit 1852 werden aus diesem Anlass frische Weißweine und lieblicher Rotwein ausgeschenkt und Besucher bekommen Gelegenheit, sich über das Weinland Polen zu informieren. Ganzjährig öffnet das Weinmuseum seine Pforten.

Weinberge laden ein

Im Jahre 2017 besaß Polen mehr als 430 Weinberge. Die größte Weinanbaufläche befindet sich in Zabor und misst 35 Hektar. Auch in der Stadt Krakau gibt es mit dem Weinberg Srebrna Gora eine mit 28 Hektar ansehnliche Weinfläche. In jüngster Zeit sind zahlreiche neue Weinberge entstanden. Die älteste durchweg betriebene Rebfläche befindet sich am Fuße der Kleinen Beskiden. Im Weinberg Magdalenka werden seit 1980 durchweg Trauben angebaut und verarbeitet.

Auch an der polnischen Ostseeküste können liebliche Rotweine zur landestypischen Küche serviert werden. Der Weinberg in Darlowo liegt gerade einmal sechs Meter über dem Meeresspiegel. Dem gegenüber steht in Podhale der auf 770 Meter höchstgelegene Weinberg des Landes. Zu den wichtigsten polnischen Weinbau-Destinationen werden das Karpatenvorland, die Beskiden und Kleinpolen gezählt.

Moderner Weinbau in Polen

Winnica Turnau hat moderne polnische Weinbaugeschichte geschrieben. Das Weingut unweit von Stettin wird von Frank Faust geführt. Der deutsche Winzer betreibt auch einen Betrieb im Rheingau und präsentierte die polnischen Weine im letzten Jahr erstmals auf der Messe ProWein in Düsseldorf. Die Perspektiven für die polnischen Weine sind gut, wie der Winzer, welcher im Spitzen-Weingut Robert Weil seine Lehre absolvierte, betont. Allein die Spätfröste gefährden hin und wieder die Weinlese.

In Turnau wachsen Riesling, Solaris oder Pinot Noir Trauben. Die ersten Reben wurden im Jahre 2010 gepflanzt. Vier Jahre später kam der erste Jahrgang in die Flaschen. Ausgeschenkt werden die Weine in der gehobenen polnischen Gastronomie. Die Weißweine zeichnet ein harmonisches Verhältnis zwischen Süße und Säure aus. Zukünftig sollen die Weine trockener ausgebaut werden. Damit möchte das Weingut auf das geänderte Trinkverhalten der Polen reagieren.

Hobbyweinbau und Winzerklasse

Die meisten der knapp 500 Weinbauern Polens sind Hobbywinzer aus Leidenschaft und bewirtschaften kleine Weinberge mit weniger als einem Hektar Fläche. Einige Weingüter produzieren im großen Stil. Einige der besten polnischen Weine stammen aus dem Weingut Adoria. Die Weine des Kaliforniers Mike Whitney werden ab einem Preis von 14 Euro gehandelt. Ganz ohne Chemie kommt Maciej Sondij aus.

Gemeinsam mit seinem Onkel erzeugt der 43-jährige Warschauer Restaurantbesitzer in Ostpolen Naturweine. Maciej Sondij ist sich sicher: Polens Winzer haben ihre Möglichkeiten entdeckt und auch Urlauber bereits mit dem Weinfieber angesteckt. Rund um das Weinbau-Mekka Zielona Gora ist eine “Wein- und Honigstraße” entstanden.

 

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".