Polnisches Unternehmen führt Gesundheitswesen in neues Zeitalter

Künstliche Intelligenz in der Medizin

Foto: Unternehmen in Polen entwickelt neue Ansätze zur Symptomüberprüfung, puxabay.com/CC0

Seit dem Jahr 2012 existiert in der polnischen Stadt Wroclaw der Standort eines Unternehmens, das sich in einem Bereich zu Marktführern der Welt zählen kann. Infermedica entwickelt Geräte und Lösungen zur Symptomüberprüfung und setzt dabei auch auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Dass jener Ansatz wohl Zukunftscharakter haben wird, kann beispielsweise durch eine erst kürzlich abgeschlossene und sehr lukrative Investitionsrunde untermauert werden.

Ein wichtiger Schritt zur Patientenversorgung von Morgen

Infermedica besitzt neben seinem Hauptstandort Wroclaw auch ein Büro in den USA, um von dort seine Kunden auf internationaler Ebene noch besser betreuen zu können. Das Unternehmen ist auf B2B-Leistungen konzentriert und hat dabei verschiedene Lösungen parat. Darunter ist beispielsweise eine mobile App zu finden, der etwaige Symptome und Krankheitsbilder der Patienten durch eingegebene Eckdaten besser erkennen lässt. Unterstützt werden dabei hauptsächlich Versicherungen und Gesundheitsdienstleister.

Im Vordergrund stehe vor allem, die Patientenbehandlung effektiver zu gestalten – “Weniger Zeitverlust” und “Medizinische Sinnhaftigkeit” sind dabei die wichtigsten Eckpunkte. Laut eigenen Forschungen von Infermedica würden jährlich bis zu 18 Milliarden Dollar weltweit eingespart werden können, würden diese Leitsätze gewissenhafter angewendet.

Künstliche Intelligenz als Dreh- und Angelpunkt

Abgesehen von dem mobilen Symptom-Checker stellt Infermedica beispielsweise auch einen Code zur Verfügung, der die Einarbeitung von eigenen Schnittstellen ermöglicht. So steht auch dem nach eigenen Bedürfnissen konstruierten Diagnose-Tool nichts mehr im Wege. Die Grundlage für all jene Ansätze ist dabei die künstliche Intelligenz sowie auch das sogenannte “Machine Learning”. Das Medizin und Künstliche Intelligenz in Zukunft wohl noch mehr Hand in Hand gehen werden, hat auch Medizintechnikerin Jessica Theis beobachtet: “In Deutschland hat sich die Künstliche Intelligenz auch schon in Zusammenhang mit der Krebsforschung bewährt. Auf der Universitätshautklinik Heidelberg konnte schon gezeigt werden, dass bei der Erkennung von schwarzem Hautkrebs Künstliche Intelligenz sehr gute Ergebnisse liefern und auch als Assistent für Diagnose und Therapie fungieren kann”, erläutert die Gesundheitsfachfrau von Medmeister.de.

Das sich Infermedica bei dem Einsatz von künstlicher Intelligenz nicht auf ein Experiment zu Lasten von Patienten einlässt, konnte auch schon von diversen Fachgremien bestätigt werden. Das “New England Journal of Medicine”, die “BMJ Group” und auch das “Journal of the American Medical Association” testeten bereits die Genauigkeit der Anwendungen und zogen positive Schlüsse daraus. Insgesamt beziffert das Unternehmen die Effektivität auf 93 %.

Neue Investoren und Hilfe zur Bewältigung von COVID-19

Mit der Überzeugungskraft des Unternehmens schaffte es Infermedica Ende August 2020 neue Ressourcen für zukünftige Projekte an Land zu ziehen. Karma Ventures, Inovo Venture Partners und Dreamit Ventures steuerten insgesamt 10 Millionen Dollar im Rahmen einer Serie-A-Finanzierungsrunde bei. Dadurch soll vor allem die Expansion in Deutschland sowie den USA vorangetrieben und die eigenen Produkte samt künstlicher Intelligenz verbessert werden.

In weiterer Folge entwickelte Infermedica innerhalb weniger Wochen ein  “COVID-19 Risikoanalyse”-Protokoll, welches als Symptomchecker für den neuen Virus agiert. Insgesamt wurde die Lösung bereits von über einer halben Million Patienten und 300 Organisationen in Anspruch genommen. “Wie wir alle wissen, hat die COVID-19-Pandemie großen Druck auf die Gesundheitssysteme weltweit ausgeübt und wir sehen es als unsere Pflicht an, das Gesundheitswesen dabei zu unterstützen eine schnelle und sichere Versorgung bereitzustellen”, wird Piotr Orzechowski, CEO von Infermedica zitiert.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".