Putins Brief an die Polen

Seit Wladimir Putin sein Kommen zu den Feierlichkeiten auf der Westerpaltte am 1.September 2009 anläßlich des 70. Jahrestages des Kriegsbeginns angekündigt hatte, fargte man sich in Polen gespannt, was der Inhalt seiner Rede sein würde.

Nach mehreren Meinungsumfragen erwartete die große Mehrheit der polnischen Bevölkerung vom russischen Regierungschef vor allem Worte des Bedauerns über den Hitler-Stalin-Pakt.

Die Gazeta Wyborcza nahm den Polen die Spannung und veröffentlichte Putins “Brief an die Polen”, der einige durchaus überraschende Wendungen enthält. “Den Ribbentrop-Molotow-Pakt kann man ohne Zweifel und in voller Überzeugung verurteilen”, erklärte Puti hier, hält den Polen aber auch vor, bereits 1938 selbst an einer Aggression beteiligt gewesen zu sein, nämlich der Zerschlagung der Tschechoslowakei. Putins Anspielung zielt darauf, dass Polen zwei Tage nach dem Münchner Abkommen den tschechischen Teil des Teschener Landes besetzt hatte.

Der russische Ministerpräsident Putin betont in seinem Brief aber auch das “gemeinsame soldatische Heldentum” in der Anti-Hitler-Koalition, das von der Roten Armee über die Armee der Westalliierten bis zu den polnischen Formationen der Armija Krajowa (AK) und der Volksarmee (AL) gereicht habe.
Putin erklärt weiter, dass “das russische Volk, dessen Schicksal von einem totalitären Regime geprägt hat, gut die Gefühle der Polen im Zusammenhang mit Katyn versteht. ….. Wir sollten gemeinsam das Gedächtnis an die Opfer dieses Verbrechens bewahren”. “Sowohl Katyn..wie auch das tragische Schicksal der russischen Soldaten, die während des Krieges 1920 in (polnische) Gefangenschaft gerieten, sollten ein Symbol der gemeinsamen Trauer und des gegenseitigen Vergebens sein”.

„Die russische Nation hofft, dass die Polen sich mit den Russen versöhnen werden, so wie es die Franzosen und die Deutschen gemacht haben“, beschwört Wladimir Putin eine friedvolle Zukunft und zieht den Schkuss: „Ein effektives gemeinsames Sicherheitssystem wird nicht entstehen, solange nicht alle Länder des Kontinents inklusive Russland an einem Solchen beteiligt sind”.

Der frühere Außenminister Adam Rotfeld sagte, der Text sei „der Brief eines verantwortungsbewussten Staatsmanns“. Auch der Marschall des polnischen Sejms (Parlamentspräsident), Bronislaw Komorowski, sagte, er habe den Brief Putins mit »enormer Erleichterung« zur Kenntnis genommen.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".