So hart trifft die Corona-Krise Handwerker aus Polen

Penler Polen Zaunbau

Polnische Pendler bauen Zäune, Foto: pixabay.com/CC0

Im Zuge der weltweiten Ausbreitung des Corona-Virus wurden viele Grenzen komplett geschlossen. Dies galt nach einer Entscheidung der polnischen Regierung ebenfalls für die polnische Grenze. Besonders für Pendler hatte diese Entscheidung massive Konsequenzen, da dies bedeutete, dass sie zum Teil sehr lange ihre Familien nicht sehen konnten.

Die verlängerten Kontrollen an den Grenzen in der Corona-Zeit konnten für das Frankfurter Hotel „Zur Alten Oder“ durchaus als Glück im Unglück bezeichnet werden. Denn eine Vielzahl von Pendlern aus Polen, die aufgrund der Grenzschließungen nicht mehr zurück in ihre Heimat können, haben sich in dem Hotel einquartiert.

Das Hotel fürchtete sich sogar ein wenig vor den Wiederöffnungen der Grenzen, da diese dann wieder nach Polen zurückreisen und das Hotel verlassen. In den Zeiten der Grenzschließungen zu Polen waren in dem Hotel die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von fünf unterschiedlichen Unternehmen untergebracht. Die Arbeit der polnischen Pendler, beispielsweise für polnische Zäune, wird von Unternehmen aus Deutschland stets hoch geschätzt.

Kosten des Hotels konnten gedeckt werden

Normalerweise wären zu dieser Zeit in dem Hotel viele Touristen anzutreffen gewesen, die mit dem Fahrrad unterwegs wären. Diese fehlen in den Corona-Zeiten natürlich.

Durch die Pendler aus Polen war es dem Hotel wenigstens möglich, eine Auslastung von 30 Prozent zu erzielen. So konnte der Betrieb seine Kosten zu decken, was in den angespannten Zeiten für viele gastronomische Unternehmen keine Selbstverständlichkeit ist. Auch die regionale Wirtschaft hat davon profitiert, dass die Arbeiter aus Polen noch in Deutschland blieben und so weiterhin für die Unternehmen arbeiten konnten.

Das Land Brandenburg hat den Pendlerinnen und Pendlern aus Polen, die nicht über die Grenze reisen konnten, eine Übernachtungspauschale von 65 Euro pro Tag als Unterstützung zur Verfügung gestellt. Allerdings sind diese Gelder, nach Angaben der Arbeitsagentur in Frankfurt, nicht überdurchschnittlich stark beansprucht worden.

Abwechslung zwischen Arbeit und Quarantäne

Zu den Unternehmen, welche die polnischen Arbeitskräfte beschäftigten, zählt auch Steffen Berthold, ein Fassadenbauer aus Frankfurt. Insgesamt waren in seinem Unternehmen zwölf Mitarbeiter aus Polen tätig. Diese wohnten in den vergangenen Wochen für circa vier Wochen in dem Hotel auf der deutschen Grenzseite. Danach gingen sie für zwei Wochen für eine angeordnete Familienquarantäne nach Polen.

Dieser Ablauf wurde gut organisiert, sodass die polnischen Mitarbeiter in unterschiedlichen Intervallen an- und abgereist sind. Allerdings war es Steffen Berthold nicht möglich, die schwierige Situation vollständig zu kompensieren. Eine Baustelle musste in dieser Zeit geräumt werden, weil schlichtweg 50 Prozent der Mitarbeiter gefehlt haben.

Familien treffen sich am Fluss

Auf der Baustelle an einer alten Fassade in Altberesinchen ging die Arbeit allerdings fleißig weiter. Dort hat auch ein polnischer Arbeiter aus Lubica gearbeitet, der ebenfalls im Hotel „Zur Alten Oder“ untergekommen war. Er hat die Situation als eine gute Lösung empfunden, da er seiner Tätigkeit weiterhin nachgehen und seinen Chef tatkräftig unterstützen konnte.

Zu ihm ins Hotel ist sogar seine Frau gezogen. Dennoch war die Situation natürlich anders als im heimischen Polen, denn seine Frau konnte kein Deutsch sprechen und war damit nicht völlig unabhängig. Doch es war sogar möglich, die Eltern wiederzusehen, nämlich an der Oder – dort hat sich die getrennte Familie von den unterschiedlichen Ufern aus zugewunken.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".