Tut die Gastfreundschaft den Deutschen gut?

Von den Gedanken einer polnischen Studentin über die Deutschen und deren Gastfreundschaft Ausländern gegenüber berichtet Katharina Wesolowski.

Deutschlands bunte Gesellschaft – Gedanken einer polnischen Studentin  an der TU-Dortmund, Foto: Tuxyso, CC-BY-SA-3.0 

Kultur, Sprache und Menschen eines fremden Landes lernt man am besten in einem Auslandsaufenthalt kennen. So auch Marta Kost. Die 25-jährige Journalistik-Studentin aus Polen kam für ein halbes Jahr nach Dortmund und wurde von der deutschen Gastfreundschaft überrascht – wobei sie Zweifel hat, ob so viel Gastfreundschaft den Deutschen gut tut.

Es ist nichts Neues, dass die deutsch-polnische Freundschaft nicht gerade leicht zu pflegen ist. Zu tief sitzen noch die Narben, die der Zweite Weltkrieg eingeritzt hat. Viele Polen halten die Deutschen für arrogant und machen Nazi-Witze. Viele Deutsche verbinden mit Polen billige Arbeitskräfte und Autodiebstahl.

Dennoch gilt für die Polen, dass sie Deutschland als Land der Chance sehen. Wer sich traut, wandert in das Land der Arbeit und des Geldes aus und versucht sein Glück. Grundvoraussetzung dafür: die deutsche Sprache.

Deutsche Sprache, schwere Sprache

Auch Marta Kost wollte ihr Auslandssemester in Dortmund nutzen, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Ohne die Sprache habe sie nämlich wenig Chancen, später nach Deutschland auszuwandern und einen guten Job zu bekommen.

„In der Schule allein kann man die Sprache nicht richtig lernen“, sagt die 26-jährige Polin. Vor allem, weil die zwei Sprachen sich so stark unterscheiden. Besonders die deutschen Artikel bereiten Polen große Schwierigkeiten, da es im Polnischen gar keine gibt.

So viele Ausländer in Deutschland

Die deutsche Kultur dagegen ähnele der polnischen, sagt Marta. Ein großer Unterschied sei nur, dass es in Deutschland viele Ausländer gäbe, die ihre Kultur mit der deutschen vermischen. Das war für Marta überraschend.

Vergleicht man beispielsweise die Statistiken der EU 2014, hatte die deutsche Bevölkerung einen Ausländeranteil von etwa 8,68 Prozent. Polen dagegen nur 0,27%.

Laut Marta waren die meisten Deutschen, die ihr begegnet sind, sehr offen und tolerant gegenüber ihr als Ausländerin. Das liegt ihrer Meinung nach an der deutschen Vergangenheit.

„Hitler hat niemanden außer den Vollblut-Deutschen toleriert“, erklärt Marta, „und jetzt habe ich das Gefühl, dass die Deutschen alle tolerieren und allen vertrauen.“

Zwischen Toleranz und Integration

Marta bezweifelt, dass das eine so gute Idee ist. Natürlich solle man Menschen aus anderen Kulturen akzeptieren und tolerieren. Gleichzeitig sollte man aber vorsichtig sein, da nicht jeder vertrauenswürdig sei. Es bestünde die Gefahr, dass die deutsche Gastfreundschaft ausgenutzt werde. Zudem könnte laut Marta die deutsche Kultur verloren gehen, wenn man nicht an Traditionen festhält. Ausländer sollten integriert werden, Toleranz und nebeneinander her leben seien nicht genug.

In Polen geht die Akzeptanz von Ausländern laut Marta leider vollkommen in die entgegengesetzte Richtung – das Land vertraue Ausländern kaum. Was vermutlich daran liege, dass kaum jemand nach Polen auswandert und Ausländer im Allgemeinen für die polnischen Bürger unbekannt sind. Hier sollten die Polen laut Marta versuchen, offener gegenüber Menschen anderer Kulturen zu sein.

Insgesamt traf es sich für Marta natürlich gut, dass die Deutschen sie mit offenen Armen empfangen haben, sodass das halbe Jahr in Deutschland eine der schönsten Zeiten ihres Lebens gewesen sei. Sie habe ihre Sprache verbessert, Studierende aus der ganzen Welt kennengelernt und gelernt, wie man auf eigenen Beinen steht.

Wer weiß, vielleicht hat sie die deutsch-polnische Freundschaft doch ein wenig gefestigt. Zumindest kann sie sich vorstellen, nach ihrem Studium nach Deutschland zu ziehen. Ins Land der Toleranz und der Chancen auf eine gute Zukunft.

Über Kathrin Wesolowski 3 Artikel
Kathrin Wesolowski studiert Journalistik an der TU Dortmund. Ihre ganze Familie kommt aus Polen und sie fühlt sich dem Land verbunden. Andere Kulturen kennenlernen, davon erzählen und für Verständnis werben ist ihr Ziel.