Umfragen: Zweite Runde bei Präsidentenwahl in Polen immer wahrscheinlicher

Bronislaw Komorowski, Präsident Polens, Foto: (c) Polnisches Präsidialamt

Bronislaw Komorowski, Präsident Polens, Foto: (c) Polnisches Präsidialamt,

Dass Amtsinhaber Bronislaw Komorowski die Umfragen zu den polnischen Präsidentenwahlen anführt, ist längst zur Gewohnheit geworden. Doch sind die Umfragewerte des amtierenden Präsidenten in den letzten sechs Wochen von 63% auf derzeit 41% gesunken. Damit führt er zwar noch immer haushoch vor seinem Hauptkonkurrenten Andrzej Duda, dem Kandidaten der nationalkonservativen größten Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), doch bedeutet das einen Verlust der Wählerzustimmung um 5% seit Mitte März. Gegenkandidat Duda konnte davon allerdings kaum profitieren, seine Werte liegen derzeit bei einem Zuwachs von nur 1% bei 27%. Dies ergaben die Umfrageergebnisse einer kürzlich vom Meinungsforschungsinstitut IBRiS durchgeführten Befragung.

Komorowskis Konkurrent vom kleinen PO-Koalitionspartner PSL Adam Jarubas erreichte ein Plus von einem Prozent auf nunmehr 5% der Wählerstimmen, Magdalena Ogorek, die Kandidaten des Linksbündnisses SLD kommt unverändert auf 5%. Der rechtsradikale Kandidat Janusz-Korwin-Mikke erreichte bei einem Anwachsen von 2% gleichfalls 5% der Wählergunst. Weit abgeschlagen bleibt Janusz Palikot, der Gründer der linksliberalen Gruppierung Deine Bewegung kann weiterhin auf nur 1% der Stimmen zählen

Die sinkende Wählergunst ist auf die Vielzahl der Kandidaten und zum Teil darauf zurückzuführen, dass die Kampagnen der der übrigen zehn Kandidaten erst kürzlich so richtig in Schwung kamen, hatte doch alle elf Kandidaten bis zum Meldeschluss am 26. März damit zu tun, ihre Kandidatur durch das Beibringen von mindestens 100.000 Unterstützer-Unterschriften registrieren zu lassen.

Diese Resultate lassen aber eine Stichwahl immer wahrscheinlicher werden, da Komorowski sich immer weiter von der 50-Prozentmarke bei der Wählergunst entfernt, die er aber für einen Sieg bereits im ersten Wahlgang überspringen müsste. Der erste Wahlgang ist in Polen für den 10. Mai vorgesehen, ein zweiter Wahlgang würde am 24. Mai stattfinden.

Nach dem Debakel mit der Zählsoftware bei den Kommunal- und Regionalwahlen im vergangenen Herbst will die polnische Wahlkommission PKW keine weiteren Experimente eingehen und wird die Stimmen der Präsidentschaftswahl von Hand auszählen lassen. Noch immer ist das IT-System nicht funktionsfähig. Der Vorsitzende der PKW Wojciech Hermelinski erklärte dies nach einem Bericht der Obersten Kontrollkammer (NIK). Die NIK hatte das Softwaresystem nach dem Herbst-Debakel überprüft und festgestellt, das für die Auftragsvergabe zuständige Nationale Wahlbüro KBW habe der Softwarefirma unpräzise Spezifikationen gegeben. Obendrein habe die zuständige Stelle es versäumt, alle bei der Ausschreibung angebotenen Systeme auf Herz und Nieren zu testen, bevor die Entscheidung für das Angebot der Firma Nabino fiel, erklärte die NIK. Einen aussagekräftigen Probelauf habe es ebenso wenig gegeben.

Weitere Artikel der Serie

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1446 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".