Urlaub im schlesischen Elysium

Schlosshotel Lomnica; Foto: Wikimedia, Innalna

Schlosshotel Lomnica; Foto: Wikimedia, Innalna,

Das Schlesische Elysium oder gar das Arkadien Schlesiens wurde die Landschaft am Fuße des niederschlesischen Riesengebirges schon früher genannt.  Superlative und Schwärmereien gab es genug für die einmalige Kulturlandschaft des Hirschberger Tals/Kotlina Jeleniogorska. Dazu kommt, dass landschaftliche Schönheit und kultureller Reichtum in dieser Region eine harmonische Partnerschaft ohne gleichen eingingen.

Alles begann 1292 mit dem Bau der hoch über dem Höllengrund mit Blick auf Schneekoppe und Riesengebirge liegenden Piasten-Festung Kynast/Chojnik. Es folgten weitere Burgen der polnischen Piasten, bevor später die Sommerresidenzen der preußischen Könige und Adligen folgten.

Das Riesengebirge war eine Landschaft wechselvoller Geschichte im Spannungsfeld böhmischer, preußischer, österreichischer und polnischer Interessen im dem schon lange prominente Adelsgeschlechter ansässig waren.

Daher war die Region schon in Mittelalter und Renaissance mit Zeugnissen kultureller Blüte gesegnet. Im frühen 19. Jahrhundert setzte – wie man es heute nennen würde – ein regelrechter Run der damaligen Schickeria auf das Tal ein.

Die Sommerfrische des europäischen Hochadels

Der europäische Hochadel erkor die Hirschberger Gegend zum bevorzugten Sommersitz, Familien wie die Radziwills und die Oranier, aber auch der deutsche Adel, allen voran die Hohenzollern gaben sich hier ein Stelldichein.

Vor allem aber bauten sie mit dem ortsansässigen Adel Schlösser, Parkanlagen, Lustschlösser, Tempel, Gartenhäuser, ja selbst kleine Kirchen fast um die Wette. Selbst viele Scheunen und Ställe ähnelten mit ihren oft verspielten Fassaden eher Schlössern als landwirtschaftlichen Nutzgebäuden.

Peter Joseph Lenne, Karl Friedrich Schinkel, Friedrich August Stüler und andere konnten hier nach Herzenslust ihre Vision einer Kulturlandschaft verwirklichen. Auch viele schon bestehende Schlösser und Parks bauten sie im damals beliebten englischen Stil um und schufen ein in dieser Geschlossenheit einmaliges Ensemble.

Da nimmt es nicht wunder, dass die Schloss- und Parkanlagen des Tals die Gegend bald zu einem Anziehungspunkt für Reisende machten. Namen wie US–Präsident John Quincy Adams, Johann Wolfgang von Goethe und Caspar David Friedrich zierten die Gästeliste.

Mit dem Anschluss Hirschbergs an das Eisenbahnnetz wurde die Region für breitere Schichten von Reisenden zugänglich, allen voran das deutsche Bildungsbürgertum.

Verfall nach 1945

Das alles schien 1945 ein für allemal beendet, zerschossen, zerschlagen, gebrandschatzt und geplündert. Die Polen übernahmen vielfach nur noch rauchende Trümmerwüsten von der Roten Armee. Was noch stand und nutzbar war, wurde zu Ferienheimen, Schulen, Gemeindeämter und Verwaltungsgebäuden für landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften.

Dabei wurde im Laufe der Nutzungsjahre zwar noch einmal vieles zerstört, aber wenigstens blieb die Bausubstanz auf diese Art halbwegs erhalten. Von Staats wegen erhaltenswert erschienen nur Belegstücke polnischen kulturellen Erbes und nur sie wurden gepflegt.

Das änderte sich erst nach der Wende, ein neues Geschichtsinteresse folgte einer zunehmenden Identifikation mit der Region und ihrer Vergangenheit. Die Findung einer lokalen Identität führte auch zu einem neuen Umgang mit lokaler Kulturgeschichte.

Das Hirschberger Tal: Die Höchste Schlösserdichte Europas
Das Hirschberger Tal weist noch immer die höchste Schlösserdichte in Europa aus. Klar ist, das alle Schlösser eine Perspektive brauchen, jedes einzelne braucht ein vernünftiges Nutzungskonzept, das sich dann auch trägt, obwohl strenge denkmalsschützerische Auflagen zu erfüllen sind.

Ein positives Beispiel für ein tragfähiges Projekt ist das 1720 erbaute Schloss in Lomnitz, das 1991 von Nachfahren der Alteigner, der Familie von Küster gekauft wurde. Der Park wurde nach Plänen Lennes aufwendig restauriert, der ehemalige Witwensitz ist fertiggestellt und fungiert bereits als Hotel. Jetzt ist das Hauptschloss in Arbeit, das nach Fertigstellung ebenfalls als Hotel dienen soll und die Anlage zu einem Tagungs- und Ausstellungszentrum erweitern wird.

Gleich nebenan lässt ein italienisches Investorenkonsortium das 1840 von Friedrich Wilhelm III. für seine Tochter Luise gebaute Schloss Schildau restaurieren, Schloss Arnsdorf wurde vom polnischen Besitzer Spiz saniert.

Auch im Hirschberger Tal gibt es noch einige halb verfallene Leerstände, wie das Wasserschloss Fischbach, welches Prinz Wilhelm von Preußen 1822 kaufte und anderweitig genutzte noch nicht restaurierte Schlösser wie Erdmannsdorf. Diese von König Friedrich Wilhelm 1831 erworbene Residenz wird als Schule genutzt.

Einen besonderen Weg gehen die derzeitigen Besitzer von Schwarzbach. Die Umweltschützergruppe um den polnischen Bürgerrechtler Jacek Jakubiec konnte viele Bürgerinitiativen aus ganz Europa zur Unterstützung bewegen.

Ausstellung “Das Tal der Schlösser und Gärten”
Die Betonung der gemeinsamen deutsch-polnischen Verantwortung für die Geschichte kommt auch im Titel einer komplett zweisprachigen Ausstellung um Ausdruck: „Das Tal der Schlösser und Gärten. Das Hirschberger Tal in Schlesien – ein gemeinsames Kulturerbe“, die im Mai 2005 auf Dauer in das im Jahr 2000 von deutschen und polnischen Schlesiern gegründete Kulturzentrum des Schlosses Lomnitz eingezogen ist.

Alle noch erhaltenen Schlösser werden dort mit ihren Gesamtanlagen vorgestellt und ihre historische Rolle für die Region dargestellt, außerdem wird auf das soziale Umfeld eingegangen und auch ein Blick in die Zukunft geworfen.

Über 30 Schlösser, Burgen und Gutshäuser liegen meist nur wenige Kilometer voneinander entfernt im Hirschberger Tal. Die Region ist touristisch gut erschlossen und macht die Erkundung dieser Kulturlandschaft zum Vergnügen.
(c) Brigitte Jäger-Dabek

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".