Von Darlowo nach Ustka
Polnische Seebäder zwischen Hinterpommern und Kaschubien

pommernKilometer lange gut 50 m breite Strände mit feinstem weißen Sand, ab und zu Steilküstenabschnitte, die je weiter man nach Osten kommt immer weniger schroff und hoch sind, bis sie schon ein ganzes Stück vor Rowy fast unmerklich in eine Dünenlandschaft übergehen. Nur wenige Kilometer landeinwärts wird es still, weite goldwogende Weizenfelder, saftige grüne Wiesen und dunkle, einsame Wälder, zwischen denen ab und zu ein See hervorfunkelt. Dazu die sommerliche Farbpracht vom strahlenden Blau der Kornblumen bis zum tiefen, leuchtenden Rot des Kaltschmohns – Pommern ist eine Wohltat für alles Sinne.

Darlowo/Rügenwalde

Rügenwalde? Genau- die mit der roten Mühle. Rügenwalde war die Stadt der Wurstwaren, Pommersche, Rügenwalder Teewurst und die berühmte „pommersche Spickbrust“ trugen den Namen der Stadt in die Welt. Doch Darlowo /Rügenwalde ist mehr als nur Teewurst, denn das Städtchen hat den am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern der Region und ist die Stadt des Piratenkönigs Erik.. Rund 15 000 Einwohner hat das Städtchen heute, das sich an der Wieprza/Wipper entlang erstreckt und als ein Muster für das frühere Aussehen pommerscher Kleinstädte gelten kann.

Eine erste, vom Rüganer Füsten Wizlaw II. hier gegründete Ansiedlung zerfiel bald wieder. Bereits 1312 erfolgte die Neugründung nach lübischem Stadtrecht und zur Zeit des Pommernherzogs Bisgislaws V. wurde mit dem Bau des Schlosses der Herzöge von Pommern begonnen und ab 1347 wurde Rügenwalde für 300 Jahre sogar Herzogssitz und 1365 auch Hansestadt.

Bekannt und berüchtigt wurde Rügenwalde aber durch den Piratenkönig Erik VII. Der 1382 auf Rügen geborenene und aufgewachsenen Erik wurde 1397 als Nachfolger seiner Großtante Margarete zum König von Dänemark gekrönt und nach ihrem Tode 1412 automatisch in Personalunion auch König von Schweden und Norwegen. Nach seiner Niederlage im Kampf um Schleswig wurde der unbeliebte Erik 1439 in Dänemark und Schweden sowie 1442 auch in Norwegen abgesetzt. Der Ex-König floh ins Exil nach Gotland und wurde als Seeräuber zum Schrecken der Hanse. Sagen rankten sich bald um seinen unermeßlichen Reichtum, den er aber zu großen Teilen in den Ausbau des Rügenwalder Schlosses steckte, in das er sich um 1449 zurückzog und 1459 starb. Zwar sollte Erik der einzige jemals zum König gekrönte Greife bleiben, aber auch die weiteren Greifenherzöge zeigten sich mit Rügenwalde verbunden, bis hin zu Bogislaw XIV, dem letzten Greifen hinterließ hier fast jeder Herrscher bauliche Spuren.

Auch wirtschaftlich war Rügenwalde eine gute Adresse, war es doch der bedeutendste Hafen zwischen Danzig und Kolberg. Vom Großen Kurfürst bis zu Freidrich II. Hin hatten auch die Preußen die Bedeutung des Hafens erkannt und bauten ihn weiter aus. Die strategisch günstige Lage ließ die Stadt zur Zeit der Napoleonischen Kontinentalsperre durch den Schmuggel reich werden. Obwohl die Stadt 1878 einen Bahnanschluß erhielt, ging der Handelsumschlag zurück, dafür entwickelte sich Rügenwalde zum beliebten Seebad, sind es doch nach Rügenwaldermünde/Darlówko an die Ostsee gerade mal drei Kilometer.

Hauptsehenswürdigkeit der Stadt ist das Schloss der pommerschen Herzöge, das heute eine sehenswerte Sammlung sakraler Statuen in seinem Regionalmuseum zeigt, sowie gleichermaßen über die Greifenzeit und die Rügenwalder Hansezugehörigkeit informiert. Des Weiteren kann man einige restaurierte Säle aus der Greifenzeit sowie die Schloßkapelle besichtigen. Gruselig interessant ist auch die Folterkammer mit den Gefängniszellen im Keller des Schlosses.

Mittelpunkt der Altstadt ist der Marktplatz/Rynek, wie er typisch für pommersche Städte war. Umstanden ist er von prächtig restaurierten, farbigen Patrizierhäusern aus dem Barock. Das spätbarocke Rathaus aus dem Jahre 1723 mit der Fontana Rybacka/Fischerbrunnen davor wird dominiert von der schräg dahinter am p?. Ko?ciuszki stehenden Ko?ció? N.P. Marii/Marienkirche aus dem 14-16 Jahrhundert, einem wuchtigen Bau mit 60 m hohem Turm. In der Fürstengruft befinden sich die Gräber des Piratenkönigs Erik und weiterer fürstlicher Vorbilder, unter ihnen die Herzoginnen Hedwig und Elisabeth von Schleswig-Holstein-Sonderburg, Gattinnen der beiden letzten Greifenherzöge.

Begrenzt wird die Altstadt im Norden von der Brama Kamienna/Steintor aus dem 14. Jahrhundert sowie Resten der alten Stadtmauern. Einen guten Kilometer weiter sieht man schon die weiß getünchte zwölfseitige Kapelle St. Gertrud/Ko?ció? ?w.Gertrudy aus dem 15. Jahrhundert mit ihrer sehenswerten Kanzel. Zwischen dem Tor und der Wieprza im Südwesten liegen enge Gassen und Kopfsteinpflasterstraßen, die kaum breit genug sind, zwei Autos passieren zu lassen, altersschiefe kleine Häuschen mit winzigen Läden darinnen zaubern einen Hauch mittelalterlichen Hansetreibens in das Städtchen.

Darlówko/Rügenwaldermünde

Wie jedes küstennahe Städtchen in Pommern hat auch Darlowo sein eigenes Ostseebad. Nur drei Kilometer von Rügenwalde entfernt liegt der kleine Badeort Darlówko. Ein Erlebnis ist die Fahrt mit der kleinen Straßenbimmelbahn, die regelmäßig rumpelnd von Dar?owo nach Darlówko zockelt. Gleich links am Ortseingang unweit der Wieprzamündung befindet sich der durch die langen Molenarme geschützte Fischereihafen mit seinem malerischen maritimen Ambiente, davor verbindet eine Klappbrücke beide Ufer. Auf der östlichen Mole weist ein Leuchtturm den Fischerbooten den Weg.Vom Leuchtturm nach Osten zieht sich der lange Strand, hinter dem sich nach Süden hin ein Gürtel von Ferienunterkünften anschließen. Der gemütliche kleine Ort wirkt ursprünglicher und einfacher als andre Badeorte an der Ostsee.

Ustka/Stolpmünde

Ustka/Stolpmünde gilt als die Sommerhauptstadt Polens, die kleine Hafenstadt mit ihren 17 000 Einwohnern bietet riesige Strände und viel maritimes Flair. Bereits 1337 erstmals erwähnt, entwickelte sich der einstige Ruhesitz alter Seeleute im 17. Jahrhundert zum Seehafen von Stolp/S?upsk . Um 1900 begann Preußen den Hafen, der ihm 1913 vom Stolper Rat übergeben worden war auszubauen und um ein Marineareal zu erweitern, auch Fischerei und fischverarbeitende Industrie blühten auf. Noch heute nutzt die Marine den Hafen, Marineuniformen gehören zum Ortsbild, genau wie die malerischen Fischkutter und der alte Leuchtturm von 1875.

Es ist genau dieses Teerjackenflair einer alten Hafenstadt, das Ustka als Urlaubsort so attraktiv macht. Dazu kommen herrliche Kliffküsten und endlos weite weiße Sandstrände, die man in Polen für die schönsten an der Ostsee hält. Das machte Ustka zu einem der beliebtesten Ostseebäder Polens und trug dem zwischen Kolberg und Danzig größten Bad den Titel „Sommerhauptstadt Polens“ ein.

Vom Hafen aus kann man mit den Ausflugsschiffen für 200 Z?oty pro Person sogar Tagestouren nach Bornholm machen. Daneben fährt von hier aus so ziemlich alles aufs Meer was schwimmt, kleine Motorboote, Fischkutter, Segler und Wikingerboote bieten für jeden das passende Angebot. Salzluft, Möwengeschrei an der Mole, das Strandtreiben im Rücken lässt sich der Trubel bei einem Espresso auf der Mole genießen.Ustka lädt zu ausgedehnten Strandwanderungen und zum Erkunden der einsamen Landschaft mit Mooren und Sümpfen, endlosen Weisenflächen, Kiefernwäldern und pittoresken kleinen Dörfern aus einer anderen zeit ein. Immer wieder wird man landeinwärts auf Spuren des deutschen Anteils pommerscher Geschichte in Gestalt von mehr oder minder gut erhaltenen alten Gutshäusern treffen, manche nur noch als verwitterte Ruinen in verwilderten Parks. Eine andere Spur unheilvoller deutscher Geschichte findet sich vor Stolpmünde in der Ostsee. Hier wurde am 30.1.1945 die „Wilhelm Gustloff“ von einem sowjetischen U-Boot versenkt, Zausende starben in den eisigen Fluten.

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Über Brigitte Jaeger-Dabek 1450 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".