Polen bleibt bei den Plänen zum Atomkraftwerksbau

In Polen wird nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Japan, die zur Katastrophe im Atomkraftwerk in Fukushima geführt hat, über die im Land geplante Einführung der Atomkraft diskutiert, ohne dass eine der Parteien den Stopp der Pläne fordert. Laut Regierungsplänen soll das erste polnische AKW ab 2016 gebaut und spätestens 2020 ans Netz gehen.

Das politische Warschau ist sich dabei einig wie selten: Die Katastrophe in Japan soll keinen Einfluss auf die ehrgeizigen Pläne Polens zum Bau von Atomkraftwerken haben. Regierungschef Donald Tusk verkündete in Danzig, das wichtigste sei jetzt einen kühlen Kopf zu bewahren trotz der dramatischen Ereignisse nach dem Erdbeben und Tsunami vom 11. März sowie der sich anbahnenden Reaktorkatastrophe von Fukushima und trotz dramatischer Emotionen rational zu entscheiden. Man werde in Polen die japanischen Erfahrungen aber selbstredend analysieren und alle möglichen Gefahren berücksichtigen, fügte Tusk an.

Zur Sicherheit von Atomkraftwerken erklärte Tusk, man habe es in Japan mit einem der größten Erdbeben in der Geschichte zu tun, die Schäden seien enorm. Bei älteren Kernkraftwerken wäre die Skala der Verseuchung und Verschmutzung sehr hoch, moderne Atomkraftwerke hingegen könnten auch während einer so totalen Katastrophe, wie dieses Erdbeben sie darstellte, sicher bleiben, erklärte Tusk.

Auf die kurz vor Tusks Erklärung von Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck geäußerte deutsche Hoffnung, Polen werde nach der Katastrophe in Japan seine Pläne zwei Reaktoren zu bauen noch einmal überdenken, ging Tusk nicht ein.

Selten einig mit der Regierung zeigt sich in Polen die Opposition bei der Bewertung der Katastrophe in Japan und möglicher Folgen für Polen. Vizesejmmarschall (Vize-Parlamentspräsident) Jerzy Wenderlich vom Bündnis der Linken SLD erklärte die Atomkraftnutzung sei in einer Welt, der die natürlichen Ressourcen ausgehen eine Notwendigkeit.

Adam Hoffman von der rechtsgerichteten Partei Recht und Gerechtigkeit PiS erkärte, die Katastrophe in Japan solle keinen vernünftigen Politiker zu dem Entschluss bringen, die Pläne zum Bau der beiden polnischen Atomkraftwerke zu stoppen. In Polen gäbe es keine Erdbeben, wohl aber Überschwemmungen und das müsse man bei der Standortwahl berücksichtigen. Hoffman forderte, eben diese Standortwahl müsse mit der Opposition abgesprochen werden. Atomkraft in Polen solle ökologisch sein und sicher, dann würde sie zur breiten, Abhängigkeiten vermindernden Fächerung der Energiequellen beitragen und sie zeuge auch vom Status des Staates meinte der PiS-Politiker.

In einem Radiogespräch erklärte Regierungssprecher Pawel Gras, er sei ganz sicher, dass auch die Mehrheit der Polen die Einführung der Atomkraft wolle.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".