Polen: Borussia bewahrt kulturelles Erbe in Olsztyn

Facebook-Auftritt der Borussia OlsztynDie Kulturgemeinschaft Borussia in Allenstein/Olsztyn wurde 1990 von einem Kreis polnischer Intellektueller, Kulturschaffender und Wissenschaftler um Robert Traba und Kazimierz Brakoniecki in der ermländisch-masurischen Woiwodschaftshauptstadt Olsztyn gegründet, dem früheren Allenstein.

Ziel der Allensteiner „Borussia“ war es von Anfang an, die ganze und unverfälschte lokale Geschichte zu dokumentieren und ihre Vielschichtigkeit nicht zu verschweigen, zu der die Schicksale von Polen und Deutschen, Juden und Litauern, Ukrainern und Weißrussen sowie anderer ethnischer Gruppen und Individuen gehören, die im Laufe der Jahrhunderte in dieser Grenzregion gelebt haben. Dabei ging es um die unvoreingenommene, ergebnisoffene Erforschung der Geschichte dieser Region. Dazu gehörte auch das Brechen des „Tabus der deutschen Vergangenheit“ dieser Region und damit der Ansatz, die Geschichte „neu zu sehen“. Das stieß in Olsztyn zunächst auf wenig Verständnis. Schon der Name “Borussia” (Preußen) stieß auf Ablehnung. Das hat sich inzwischen völlig geändert – die Borussia ist eine angesehene Organisation, die sich mittlerweile vielfältiger, auch finanzieller Unterstützung erfreuen kann.

Die Borussia erforscht heute nicht nur die Kultur Ermlands und Masurens, sie vermittelt sie auch und hilft damit der Region nach dem Bevölkerungsaustausch von 1945 zu einer neuen regionalen Identität zu finden. Sie setzt sich für Toleranz ein und zum Dialog mit den Menschen anderer Kulturen, womit sie den Aufbau einer Zivilgesellschaft in der Woiwodschaft fördert. Das kulturelle Wirken über die alten Wunden, Konflikte und Teilungen des Landes hinaus wurde zur Leitidee. Deshalb wurde die Borussia 2001 mit dem “Lew-Kopelew Preis für Frieden und Menschenrechte” ausgezeichnet.

Seit dem Oktober 2005 gibt es eine deutsche Vertretung der Borussia in Trägerschaft des Kompetenzzentrums Mittel- und Osteuropa Leipzig (KOMOEL) in Leipzig. Ihre Aufgaben umfassen deutsch-polnische sowie trilaterale Projekte. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Jugendarbeit, Studienreisen sowie das Mitwirken am kulturellen Leben der Stadt und der Region. Die deutsche Vertretung der Borussia wird von der Robert Bosch Stiftung gefördert.

Um auch größere Projekte durchführen zu können wurde 2006 die Stiftung Borussia gegründet.
Ziel der Stiftung ist es, das zivilgesellschaftliche Engagement in Polen, Litauen, Russland, der Ukraine und Weißrussland zu unterstützen und Akteure zusammen zu bringen, auch auf institutioneller Ebene.
Das immer umfangreicher werdende Tätigkeitsprofil der Stiftung Borussia umfasst:

  • Organisation von Seminaren und Schulungen sowie internationalen Konferenzen.
  • Die Borussia beherbergt die polnische Koordinationsstelle für das Programm “Study Tours to Poland” – Studienreisen für herausragende Studierende aus dem Kaliningrader Gebiet, der Ukraine und Weißrussland. Das Programm wird von der Polish American Freedom Foundation gefördert
  • Die Borussia gehört zum Deutsch-Polnischen Jugendwerk und erhielt 1996 für ihr Engagement den “Jugend-Oscar” der Hamburger Körber-Stiftung. Borussia organisiert seit 1993 internationale Bildungsprojekte für Schüler und Studenten aus Polen, Deutschland, Frankreich, Russland, Litauen, der Ukraine und Weißrussland. In Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen entstehen Seminare mit Schwerpunkt auf regionalgeschichtliche und soziologische Themen. Darüber hinaus entwickelt und organisiert Borussia Musik-, Kunst-, Umwelt-, Fotografie- und Theaterworkshops, deren Ziel es ist, Vorurteile und Stereotypen zu hinterfragen und neue Sichtweisen zu schaffen.eine Zentralstelle des Deutsch-Polnischen Jugendwerkes und erhielt 1996 für ihr Engagement den “Jugend-Oscar” der Körber-Stiftung Hamburg.
  • Seit 1993 organisiert die Borussia seit 1993 internationale Bildungsprojekte und Begegnungen für Schüler und Studenten aus Polen, Deutschland, Frankreich, Russland, Litauen, der Ukraine und Weißrussland.
  • Seit 1991 gibt die Borussia die Zeitschrift “Borussia. Kultura. Historia. Literatura” (“Borussia. Kultur. Geschichte. Literatur”) heraus. 1996 erhielt die Zeitschrift den Preis der Pariser “Kultura”, für die herausragende Darstellung der komplexen Thematik dieser Grenzregion.
  • Jüngstes Großprojekt ist die Sanierung des ehemaligen Hauses der Reinigung “Bet Tahara” am jüdischen Friedhof in Allenstein und die Einrichtung eines offenen Kulturzentrums der Begegnung, Erinnerung und Auseinandersetzung mit aktuellen regionalen Themen. Das Gebäude wurde 1913 nach Plänen des bedeutenden Architekten Erich Mendelsohn errichtet. Es ist das letzte verbliebene Zeugnis jüdischen Lebens in Allenstein. Sie erforscht und vermittelt die Kultur Ermlands und Masurens. Durch Mitgestaltung und Stärkung der Zivilgesellschaft setzt sie sich für Toleranz und Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen ein. Die Leitidee der Borussia ist ein kulturelles Wirken über Teilungen und nationale Konflikte hinaus. Der Verein wurde 2004 mit dem Lew Kopelew Preis für Frieden und Menschenrechte ausgezeichnet.
Über Brigitte Jaeger-Dabek 1445 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".