Polnischer evangelischer Bischof war Geheimsdienstspitzel

Die als Kirchenparlament fungierende Synode der ev.-augsb. Kirche Polens sah die Spitzeldienste des Bischofs Janusz Jagucki für den kommunistischen Gheimdienst SB als erwiesen an und verweigerte ihrem geistlichen Oberhaupt bei der Abstimmung am 19.April in Warschau das Vertrauen

Bereits vor einem Jahr hatte die renommierte polnische Tageszeitung Rzeczpospolita berichtet, der evangelische Landesbischof sei 17 Jahre lang geheimer Mitarbeiter beim kommunistischen Geheimdienst SB gewesen, eine Stellung, die dem Inoffiziellen Mitarbeiter der Stasi entspricht. Die evangelisch-augsburgische Kirche hatte darauf die historische Kommission der Kirche mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragt. Wie deren Leiter Czeslaw Cieslar der polnischen Nachrichtenagentur PAP gegenüber mitteilte, bestünden leider keine Zweifel daran, dass Jagucki für den SB gespitzelt habe, die Dokumente würden das eindeutig belegen.

Von diesen Dokumenten hatte die Rzeczpospolita schon vor einem Jahr berichtet. Sein Deckname sei “Janusz” gewesen und er habe vor allem Gmeindemitglieder in Masuren bespitzelt. Dabei handelte es sich überwiegend um deutschstämmige Masuren, die das Gros der Gläubigen der evangelischen Kirche in Masuren ausmachten.

Der 1947 im masurischen Sorkwity als Sohn einer Pastorenfamilie geborene Jagucki – sein Vater war bereits Pastor und sein Bruder amtierte bis zum Januar als Bischof in Großbritannien – war seit dem Jahr 2001 als Bischof geistliches Oberhaupt der evangelisch-augsburgischen Kirche. Zuvor war er seit seiner Ordination 1970 als Gemeindepfarrer in Masuren tätig. Besonders interressant war es für den Geheimdienst damals, interessant war für den polnischen Geheimdienst, wer die Absicht hatte, nach Deutschland abzuwandern, was selten auf dem Wege einer regulären Aussiedlung geschah, sondern meist in dem die Deutschstämmigen eine Besuchsreise nach Deutschland machten und dann einfach bei ihren Verwandten blieben. Rund 1000 Seiten stark soll diese Akte Jagucki sein.

Geglaubt haben gerade die Masuren das von ihrem alten Gemeindepfarrer nicht, hiletne die Verdächtigungen für aus der Luft gegriffen, vor allem als die Rzeczpospolita berichtete, im Gegenzug für seine Tätigkeit habe Jagucki Reisen nach Norwegen finanziert bekommen. Bis dato hatte Jagucki zwar zugegeben Geheimdienstkontakte gehabt zu haben, die seien aber nie geheim gewesen, eine Spitzeltätigkeit für den SB hatte er immer abgestritten und sich selbst als naiv dargestellt da er geglaubt habe, diese Kontakte würden der Kirche und den Gläubigen helfen.

Vor der Sitzung der Synode hatte Bischof Jagucki seine Tätigkeit für den SB eingeräumt und sich entschuldigt. Bis zur Wahl seines Nachfolgers Bis zur Wahl soll Jagucki zunächst weiter im Amt bleien, verlautbarte die Synode. Die Wahl eines neuen Oberhaupts der evangelischen Kirche Polens findet erst im Januar 2010 statt. Ob Jagucki so lange zu halten sein wird, bleibt dahingestellt. Die Enttäuschung und das Entsetzen unter den Gläubigen ist groß, besonders in Masuren.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".