EURO 2012: Das polnische Wunder – Die A2 ist befahrbar

Polen Autobahn A2 befahrbarIn Polen erledigt man Dinge gern in letzter Minute, zumindest was das Einkaufen betrifft. Dass die Autobahn A2 nach Warschau nur Stunden vor der Eröffnung der Fußballeuropameisterschaft 2012 doch noch so weit fertig wurde, dass sie befahrbar ist, grenzt allerdings an eines der kleinen, sympathischen polnischen Wunder.

Rechtzeitig vor dem Eröffnungsspiel zur EURO 2012 wurde das letzte 20 Kilometer lange Teilstück der Autobahn A2 von Berlin nach Warschau für den Verkehr freigegeben. Auf der Strecke fehlten noch etwa 90 Kilometer, die nun ebenfalls zweispurig in beide Richtungen befahrbar sind.

Auch wenn noch nicht alle Arbeiten an dem letzten Teilstück der A2 zwischen Lodz (Lodsch) und Warschau abgeschlossen sind, kann die Autobahn von Fahrzeugen unter 3,5 Tonnen und Bussen bereits genutzt werden. Auf der rund 90 km langen Strecke gibt es einige Abschnitte, auf denen die Geschwindigkeit auf 100 bzw. 70 km reduziert werden muss, weil dort noch Arbeiten ausgeführt werden. Dennoch ist damit ein Nadelöhr für Autofahrer auf dem Weg in die polnische Hauptstadt beseitigt. Bis zum 15. Oktober sollen die letzten Arbeiten abgeschlossen sein. Unter anderem werden an einigen Stellen noch Lärmschutzwände montiert.

Möglich wurde dieses Wunder an der Weichsel durch eine sehr pragmatische Lösung: Ein Gesetz wurde extra verabschiedet, dass es erlaubt, die sonst gültigen Richtlinien und Standards für den Zustand von Straßen, die eröffnet werden kurzfristig herabzusetzen.

Wenn man bedenkt, welche Schwierigkeiten der Fertigstellung voran gingen ist diese Fertigstellung dann ein kaum noch erwartetes Mini-Happy End. Die Auftragserteilung hatte sich zum teuren Fehlersammelsurium entwickelt. Den Chinesen mit ihrer Covec, die diese Autobahn zum vermeintlichen Schnäppchenpreis bauen wollten, war nicht gelungen. Sie gaben den Auftrag zurück und ließen die polnische Straßenbau-Generaldirektion GDDKiA auf fast 170 Millionen Euro nicht gezahlter Entschädigungssumme sitzen.

Umso stolzer zeigte sich Inbfrastrukturminister Slawomir Nowak beim Fernsehsender TVN 24. Die Bauarbeiter hätten gezeigt, dass scheinbar Unmögliches machbar ist. Niemand habe mehr geglaubt, dass die Autobahn bis zum Beginn der EURO 2012 fertig werde, er selbst auch nicht, sagte Nowak. Doch bleibt dieser Erfolg ein Mini-Happy End, denn der Schuldenberg, den dieser Autobahnbau verursacht hat, bleibt.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".