Buchtipp: Mit dem Motorrad durch Polen

Auf Tour- mit dem Motorrad durch Polen; Foto: Cover Auf Tour…PolenNoch vor wenigen Jahren sah man in Polen fast nur Autos und Lkw auf den Straßen, gelegentlich ein nostalgisches Pferdefuhrwerk. Doch jetzt bevölkern immer mehr Zweiräder den Asphalt. Nicht nur Radeln, auch Motorradfahren ist in Polen populär geworden. Immer mehr deutsche Biker entdecken Polen als Ziel. Stephan Montenarh, im Rheinland aufgewachsen, lebt schon seit vielen Jahren in Warszawa (Warschau), organisiert als Inhaber eines Incoming-Büros Reisen nach Polen und verbringt selbst viel freie Zeit auf seiner KTM 990SM. Darüber hat er jetzt ein Buch verfasst und schildert 30 Traumtouren durch Polen.

Für Montenarh hat jede Region in Polen ihre Reize. „Das Riesengebirge bietet herrliche Kurvenstrecken und in der Tatra findet man viele Serpentinen, die Ostseeküste hat ein ganz besonderes Flair und in Masuren schaltet man automatisch einen Gang runter“, schwärmt er. „Mein absolutes Lieblingsrevier sind die Bieszczady, die Waldkarpaten im polnisch-slowakisch-ukrainischen Grenzgebiet. Dort gibt es eine Fülle spektakulärer Strecken in einer wildromantischen Landschaft, die noch sehr ursprünglich ist.“ In dieser Region befindet sich auch seine absolute Traumstrecke, die von der Ortschaft Jasliska über 140 Kilometer auf Nebenstraßen bis Ustrzyki Dolne führt. Es herrsche dort kaum Verkehr, der Straßenbelag sei überwiegend gut. „Mit zahlreichen Kurven gespickt, geht es wie auf einem Karussell durch eine sensationelle Landschaft, bestehend aus Tälern und Hügeln, bis in den Bieszczady-Nationalpark.“ Rechts und links sehe man dichte Wälder, Wasserfälle und Schafsherden. „Hier kann ich mich extrem gut und schnell entspannen und entlang der Strecke gibt es viele Restaurants, in denen man gut und preiswert essen kann“, so Montenarh.

Dass es auf Nebenstrecken gelegentlich Schlaglöcher gibt, mindere das Fahrvergnügen nicht. Im Gegenteil: „Die meisten Motorräder haben heutzutage lange Federwege und können leichtere Schlaglöcher schlucken. Viele Motorradreisende sind auf Enduros unterwegs und freuen sich über solche Pisten sogar.“ Der Belag sei überwiegend gut und größere Schäden gebe es eigentlich nur nach kalten und langen Wintern. „Sollte man wirklich einmal auf einer Schlaglochpiste unterwegs sein, nimmt man einfach das Tempo raus.“ Zwar fielen polnische Autofahrer gelegentlich durch schnelles Fahren und gewagte Überholmanöver unangenehm auf, meint der Biker, aber das Fahrverhalten werde immer besser und auf Motorradfahrer generell Rücksicht genommen. So ließen sie im Stadtverkehr vor Ampeln oft Gassen für Motorräder. „Grundsätzlich fühle ich mich als Motorradfahrer sicher, bin aber trotzdem immer sehr aufmerksam.“ Da unterscheide sich aber Polen nicht von anderen Ländern.

Die Infrastruktur für Biker stecke in Polen noch in den Kinderschuhen, meint der Tourismusexperte. Zwar gebe es einige Unterkünfte, die auch Motorradfahrer als Klientel umwerben, doch das Angebot sei noch überschaubar. „Dass Biker große Zimmer für ihr Gepäck, einen Trockenraum für nasse Kleidung, einen überdachten Stellplatz und möglichst auch eine kleine Schrauberwerkstatt benötigen, ist noch nicht überall bekannt.“ Mit einigen Hotels habe er Beraterverträge abgeschlossen, um sie auf bikerfreundlich zu trimmen. Gute Restaurants gebe es auch in den kleinsten Dörfern und dort seien Motorradfahrer gern gesehene Gäste. Werkstätten und „Privatschrauber“ seien überall zu finden. Kontakt bekomme man auch ohne Polnischkenntnisse. „Die Polen sind neugierig und kommen gerne mit Besuchern ins Gespräch. Wenn es nicht anders geht, wird halt mit Händen und Füßen erklärt.“ Regionale Detailkarten bekomme man in Tankstellen und per Internet.

Bikern empfiehlt er, ihre Tour flexibel zu planen. „Sich treiben zu lassen ist eine gute Devise, denn gerade spontane Begegnungen und Einladungen verleihen einer Motorradreise das gewisse Etwas.“ Eine nette Unterkunft zu einem guten Preis finde man auch spontan. Wer zeitlich begrenzt sei, solle sich auf einen Teil des Landes beschränken. So könne man in einem Jahr ohne Zeitdruck durch Polens Süden vom Riesengebirge über die Tatra bis in die Waldkarpaten fahren und sich später den Norden entlang der Ostseeküste bis Masuren vornehmen.

Das Buch von Stephan Montenarh trägt den Titel „Auf Tour… Polen“, ist erschienen im Reisebuchverlag Kastanienhof, hat 236 reich bebilderte, großformatige Seiten und kostet 19,95 Euro. Mit seinem Incoming-Büro Travel Projekt organisiert Montenarh Reisen für Gruppen nach Polen, auf Wunsch auch Motorradreisen.

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1465 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".