Digitalisierung in Polen

Digitalisierung in Polen, Foto: pixabay.com, CC0

Digitalisierung in Polen, Foto: pixabay.com, CC0

Die Digitalisierung bietet Polen beste Chancen, traditionelle und klassische Industriezweige zu modernisieren sowie die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit insgesamt zu verbessern. Doch welche Chancen und Möglichkeiten genau ergeben sich dadurch für das Land und die dort ansässigen Unternehmen? Welche Branchen und Bereiche profitieren hiervon besonders und welche Risiken müssen trotz aller Möglichkeiten berücksichtigt werden? 

Warum ist das Thema Digitalisierung für Polen so wichtig?

Von der weltweiten Digitalisierung wird Polen sehr stark profitieren können und das ist auch enorm wichtig für das Land und dessen Bevölkerung. Wer an Polen denkt, hat in der Regel eine verlängerte Werkbank im Kopf: technikaffine, günstige Arbeitskräfte übernehmen lohnintensive, einfache Tätigkeiten für die westlichen Lohnländer. Und leider entspricht dies teilweise auch der Wahrheit, denn mit einem Durchschnittslohn von knapp 1.000 Euro liegen die preislichen Vorteile von polnischen Arbeitskräften förmlich auf der Hand. Darüber hinaus macht auch die Nähe zu Deutschland Auslagerungen für deutsche Zulieferer deutlich attraktiver. Es ist also wenig verwunderlich, dass etwa 70% der deutschen Maschinenbau-Importe aus Polen auf Komponenten und Teile entfallen, die hierzulande zu einem vollständigen System montiert werden.

Welche Chancen und Möglichkeiten ergeben sich dadurch für das Land und die Unternehmen?

Das Land befindet sich seit vielen Jahren in einer technologischen Aufholjagd und durch die zunehmende Digitalisierung ergeben sich natürlich nicht nur optimierte Produktionsverfahren und Kosteneinsparungen, sondern auch neue, besser entlohnte Arbeitsplätze. Bereits in den letzten Jahren konnte sich Polen stark als technikaffiner Produzent in der weltweiten Wirtschaft etablieren und heute liefern zahlreiche polnische Unternehmen hochwertige Automatisierungstechnik und Software in die ganze Welt. Für Polens Wirtschaft bedeutet die Digitalisierung demnach einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung.

Welche Branchen und Bereiche können hiervon besonders profitieren?

 

Foto: pixabay.com, CC0

Die Digitalisierung als industrielle Revolution macht sich im Grunde bei den polnischen Unternehmen und Branchen äußerst unterschiedlich bemerkbar. Die mit Abstand größten Gewinner einer Digitalisierung sind in Polen natürlich die IT-Branchen. Zwar profitieren praktisch alle Branchen der polnischen Wirtschaft davon, allerdings ist es wichtig, dass sich die Unternehmen auch an den Wandel anpassen. Geschieht dies nicht, werden diese schnell von anderen Wettbewerbern abgelöst. Die Digitalisierung beschränkt sich schließlich nicht nur auf die Automatisierung der Prozesse, sondern bedeutet unter Umständen auch eine Veränderung der Produkte sowie einen deutlichen Wandel kompletter Geschäftsmodelle.

IT-Fachkräftemangel auch in Polen aktuell: Wie will man das Problem dort lösen?

Polen steht vor dem gleichen Problem, wie auch Deutschland und viele andere Länder: Die zunehmende Digitalisierung in Unternehmen hat einen erheblichen Mangel an geschultem Fachpersonal zur Folge. Die Technik, die zum Einsatz kommt, ist nicht selten sehr komplex und setzt damit ein einschlägiges Wissen voraus. Viele polnische Unternehmen können offene Arbeitsplätze nicht besetzen, weil schlicht und ergreifend nicht genügend Bewerber vorhanden sind. Um einem noch größeren Fachkräftemangel entgegenzuwirken und damit Umsatzeinbußen zu verhindern, setzen viele Firmen verstärkt auf interne Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, um beispielsweise eigene Talente im Unternehmen zu fördern. Aber auch Weiterbildungen im Ausland betrachten Experten als erfolgversprechend, denn in Polens Nachbarländern wie Deutschland können Arbeitnehmer nicht selten von deutlich intensiveren Ausbildungsmöglichkeiten profitieren.

Risiken und CHancen für eine postindustrielle Gesellschaft, Foto: pixabay.com, CC0

Risiken und CHancen für eine postindustrielle Gesellschaft, Foto: pixabay.com, CC0

Welche Risiken muss Polen trotz aller Möglichkeiten zu berücksichtigen?

Zwar bietet die Digitalisierung für Polen viele Chancen, doch nur durch einen sehr umsichtigen Wandel kann die vernetzte Welt auch langfristig funktionieren. Zunächst ergeben sich durch die digitale Transformation natürlich ökologische Risiken, denn der stetig steigende Ressourcen- und Energieverbrauch für die Herstellung verschiedener technischer Produkte darf man keineswegs unter den Tisch fallen lassen. Aber auch ein weiteres Risiko gilt es zu bedenken: Intelligente Software macht in einigen Bereichen die menschliche Arbeitskraft überflüssig oder wertet sie in finanzieller Hinsicht ab. Besonders in Ländern wie Polen, wo manche Menschen ohnehin nur einen geringen Verdienst erzielen, kann dies auch wirtschaftlich betrachtet negative Folgen haben, denn die Kaufkraft der Bevölkerung sinkt natürlich erheblich.

Doch ganz besonders wichtig ist das Thema Datenschutz in der digitalisierten Arbeitswelt. Ein Arbeitnehmer muss sich darauf verlassen können, dass seine persönlichen Daten sicher abgespeichert sind. In der Regel erwartet ein Arbeitgeber von seinem Angestellten, dass keine firmeninternen Daten weitergegeben werden, damit die Daten sicher vor der Konkurrenz geschützt sind. Doch in Zeiten der Digitalisierung wird das Thema allerdings immer komplexer, sodass (noch nicht) immer ein optimierter Datenschutz gewährleistet werden kann.

Unser Fazit

Polen möchte nicht länger ausschließlich billige Arbeiten für die Nachbarländer verrichten und startet eine regelrechte Aufholjagd im Hinblick auf die Digitalisierung. Während sich für Land und Leute daraus zahlreiche Chancen ergeben, können aber auch gleichzeitig Risiken befürchtet werden. Zunächst müssen also noch einige Steine aus dem Weg geräumt werden, bevor langfristig Polens Wirtschaft von der Digitalisierung profitieren kann.

 

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1468 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".