Donald Tusk im Amt als EU-Ratsvorsitzender

Donald Tusk, EU-Ratspräsident, Foto: © Maciej Smiarowski

Donald Tusk der ehemalige polnische Ministerpräsident und Parteivorsitzende der liberalkonservativen Bürgerplattform PO hat sein neues Amt als EU-Ratsvorsitzender in Brüssel von seinem belgischen Vorgänger Herman van Rompuy übernommen.

Erstmals ist damit ein Politiker aus einem Land der großen Beitrittsrunde EU-Ratspräsident geworden. Mit seinem Amtsantritt ist auch optisch mit dem immer jugendlich-agil wirkenden Donald Tusk ein frischer Wind in das manchmal so träge wirkende Brüssel eingezogen. Zudem kann der 57-jährige Tusk als eines der ersten politischen Schwergewichte in diesem Job gelten. Er gehört nicht zu der Reihe der westeuropäischen Politiker in hohen EU-Posten, die in Brüssel eine Art Altersteilzeit genießen. Tusk hat die politische Macht in seinem Heimatland abgelegt, um diesen Posten antreten zu können. Tusk hat also die Chance, sich als Gewinn für Brüssel zu zeigen, jemand der frischen Wind mitbringt und bereits gut vernetzt ist. Für Russland wird es nicht einfacher mit Tusk als EU-Ratspräsident, denn Tusk hat aus seiner Meinung über den Russland-Ukraine-Konflikt nie mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten und mehrfach eine Verschärfung der Sanktionen verlangt.

Als EU-Schwergewicht gilt Tusk vor allem wegen seines freundschaftlichen Verhältnisses zu Bundeskanzlerin Angela Merkel. Einen Mann auf diesem Posten zu haben, dem sie vertraut, war Merkel besonders sicher, sie war an der Wahl von Tusk beim Postenschieben im großen Sommer höchst interessiert. Schlüsselstelle ein. Der Rat ist die Interessenvertretung der EU-Länder und der Ratspräsident einerseits ihr Generalsekretär und bestimmt, was auf die Tagesordnung der EU-Gipfel kommt und leitet sie.

Eigentlich fehlte ihm nur eines und das bewegte die polnische Nation: sein Englisch war bis dato miserabel. Aber er hatte es ja versprochen: „I will polish my English“. Die ganze Nation nahm daran Teil, machte die Aktion der liberalen Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“. Dort bot man einen 80-Tage-Kurs an, der Donald Tusk angeblich verhandlungssicheres English beibringen sollte.

Das jedenfalls hat schon einmal geklappt. Inzwischen hat Donald Tusk ganz entspannt sein erstes Interview gegeben, in dem er gut verständlich über sich und seine Vorhaben Auskunft gab. Dort kam er sehr sympathisch rüber und sein polnischer Akzent wurde in den sozialen Medien eher als liebenswerte Eigenheit angesehen, denn als Manko. Tusk kann also beruhigt sein, denn daheim hat die Nation aufgeatmet: Er blamiert uns nicht, heißt es dort.

Aber hören und sehen Sie selbst:

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1450 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".